Zahl der Notarzteinsätze wegen Herzinfarkten steigt bei hoher Luftverschmutzung

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Neue Forschungsergebnisse, die auf der diesjährigen Euroanaesthesia, der Jahrestagung der European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC), vorgestellt wurden, zeigen, dass an Tagen mit hoher Luftverschmutzung der Rettungsdienst häufiger aufgrund eines Herzinfarktes gerufen wird. Wärmeres Wetter ist jedoch mit weniger Herzinfarkten verbunden.

Es ist bereits bekannt, dass sich Schwankungen der Luftverschmutzung und wechselnde Wetterbedingungen auf die Gesundheit auswirken. Ein Anstieg der Luftverschmutzung kann zum Beispiel Herz- und Atemwegserkrankungen verschlimmern. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge könnte den Krankenhäusern helfen, besser für klimawandelbedingte Veränderungen der Wetterbedingungen zu planen.

In der ersten Studie dieser Art in Europa untersuchten nun Sabine Weingast und Kollegen von der Abteilung für Anästhesiologie der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München die Zusammenhänge zwischen Rettungseinsätzen wegen eines akuten Koronarsyndroms (ACS) und den Wetterbedingungen und Luftverschmutzungswerten in der Region.

Demnach entfielen fast ein Drittel (n=3818) der 12.073 Einsätze des Rettungsdienstes im Landkreis München-Riem von 2014 bis 2017 auf ACS. Die Auswertung der Daten des Deutschen Wetterdienstes München ergab, dass ACS-Einsätze bei hoher Luftverschmutzung wahrscheinlicher waren. Ein Anstieg der Kohlenmonoxid-, Stickstoffmonoxid- und Stickstoffdioxidwerte war mit einem Anstieg der ACS verbunden.

Die Analyse ergab weiterhin, dass es bei höheren Temperaturen weniger Rettungseinsätze gab – auch aufgrund seltenerer ACS. Es gab jedoch keinen Zusammenhang zwischen ACS und anderen Wetterbedingungen wie Sonnenstunden, Windgeschwindigkeit und Wolkenbedeckung.

Die Autoren der Studie erklären: „In Übereinstimmung mit Studien in anderen Ländern fanden wir signifikante Korrelationen zwischen meteorologischen Parametern, Luftverschmutzung und Rettungsdiensteinsätzen aufgrund von ACS.“ Die Ergebnisse würden zeigen, dass Wetter und Luftverschmutzung die Gesundheit der Menschen, die medizinischen Ressourcen und die Gesundheitskosten beeinflussen.

Weingast fügt hinzu: „Studien darüber, wie Krankenhäuser besser auf wetter- und luftverschmutzungsbedingte Nachfrageschwankungen vorbereitet werden können, sind dringend erforderlich. Die Ergebnisse dieser Studie werden es ermöglichen, Personal und andere medizinische Ressourcen auf der Grundlage der Wettervorhersage zuzuteilen und sicherzustellen, dass die Patienten die erforderliche Behandlung erhalten.“