Zi-Studie: Inanspruchnahme der Pneumokokken-Impfung bei Senioren stark von regionalen Indikatoren abhängig6. November 2025 Symbolfoto: © thodonal/stock.adobe.com Laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu Pneumokokken-Impfungen können aktuelle, dort erarbeitete Forschungsergebnisse Hinweise für regional differenzierte Kampagnen geben. Weil ältere Menschen besonders durch invasive Pneumokokken-Erkrankungen gefährdet sind, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) eine entsprechende Impfung für die Risikogruppe der Personen im Alter ab 60 Jahren. Allerdings wird in dieser Altersgruppe diese Möglichkeit noch nur wenig wahrgenommen. Regionale Faktoren für Verzicht auf eine Impfung Neben individuellen Faktoren spielen dabei offenbar auch regionale Aspekte eine maßgebliche Rolle. Vor diesem Hintergrund hat das Zi in einer wissenschaftlichen Studie regionale Indikatoren identifiziert, die mit einer geringen Inanspruchnahme von Pneumokokken-Impfungen in Zusammenhang stehen. Von den insgesamt 8,18 Millionen Gesetzlich Versicherten im Alter zwischen 60 und 67 Jahren haben demnach im Jahr 2023 gut 338.000 (4,14%) eine Pneumokokken-Impfung erhalten. Der Anteil der geimpften Versicherten war in den östlichen Landkreisen dabei deutlich höher als in den westlichen (6,18% vs. 3,60%). Auf Kreisebene variierte der Anteil der geimpften Versicherten zwischen 8,98 Prozent im Kreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) und 0,80 Prozent im Kreis Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg). Drei relevante sozioökonomische Faktoren ermittelt Neben der regionalen Verteilung ergab sich für drei sozioökonomische Faktoren ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der Pneumokokken-Impfinanspruchnahme: die Arbeitslosenquote, das Bildungsniveau und die Siedlungsdichte. Dabei stieg der Anteil der Geimpften grundsätzlich mit einer Zunahme der Arbeitslosenquote. Beim Bildungsniveau beobachteten die Forschenden allgemein ein negativer Zusammenhang: Regionen mit einem höheren Anteil an Personen mit Hauptschulabschluss zeigten demnach eine geringere Inanspruchnahme von Pneumokokken-Impfungen. Regionale Auswertung zeigt Unterschiede auf In der regionalen Analyse variierten diese Zusammenhänge jedoch. Daher sollten sich Impfangebote und Impfkampagnen an den spezifischen regionalen Erkenntnissen orientieren, meint das Zi. Im Norden Deutschlands war die Zahl der Impfungen besonders gering in Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit. Für die Faktoren Bildungsabschluss und Siedlungsdichte ergaben sich dort gemischte Zusammenhänge. Im Osten Deutschlands fielen die Pneumokokken-Impfquoten hingegen besonders gering in Regionen mit niedriger Arbeitslosenquote aus – allerdings auch in solchen mit niedrigem Bildungsniveau und höherer Siedlungsdichte. In Westdeutschland waren niedrige Impfraten vor allem in Gebieten mit höherer Arbeitslosenquote, einem niedrigeren Bildungsniveau und geringerer Siedlungsdichte zu verzeichnen. Die Zusammenhänge variierten je nach Region in Süddeutschland. Forderung nach zielgerichteten Impfkampagnen „Ziel muss es gerade in dieser vulnerablen Altersgruppe der ab 60-Jährigen sein, die Impfinanspruchnahme rasch und effektiv zu verbessern“ betont der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. „Auffällig an unserer Analyse ist, dass sie sehr deutliche regionale Unterschiede bei der Wahrnehmung der Impfung, aber auch regional sehr unterschiedliche Muster bei der Ursachenanalyse aufweist. Unsere Studienergebnisse legen daher nahe, dass zielgerichtete Impfkampagnen regional angepasst werden sollten, um eine effektivere Ansprache zu ermöglichen. Von Stillfried stellt klar: „Eine Blaupause, wie die Kommunikation mit den Zielgruppen am besten erreicht werden kann, liefert die Studie jedoch nicht. Festzuhalten bleibt aber, dass der größte Teil derjenigen, die Vorteile von einer Impfung erwarten dürfen, zur Behandlung ohnehin ihre Ärztinnen und Ärzte aufsuchen. Deshalb sind die Praxen auch der geeignete Ort für die Durchführung der Impfung.“ Bei der nun veröffentlichten Untersuchung handelt es sich um eine ökologische Studie auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte, die im Zi-Versorgungsatlas erschienen ist. Auf Grundlage der bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 Sozialgesetzbuch (SGB V) aus dem Jahr 2023 sowie öffentlich verfügbaren Daten aus dem INKAR-Datensatz (Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung) des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung hatte man untersucht, ob Zusammenhänge zwischen Impfinanspruchnahmen bei Personen zwischen 60 und 67 Jahren im Jahr 2023 und regionalen Indikatoren bestehen.
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