Zöliakie: Blutproteine könnten neue Hinweise auf Darmgesundheit liefern12. Oktober 2026 Foto: Dragana Gordic/stock.adobe.com Obwohl viele Zöliakie-Betroffene sich gewissenhaft an eine glutenfreie Ernährung halten, geben aktuelle Bluttests nicht immer eindeutig Aufschluss darüber, ob weiterhin Entzündungen oder Darmschäden vorliegen. In einer neuen Studie hat eine norwegische Arbeitsgruppe erforscht, ob bestimmte Proteine im Blut bei Zöliakie als Biomarker für die Krankheitsaktivität dienen könnten. Denn: „Viele Menschen mit Zöliakie halten sich sehr diszipliniert an die Diät, leben aber dennoch in Ungewissheit, da die Bluttests nicht immer klare Antworten auf den Krankheitsverlauf liefern“, erklärt Jostein Holen Ibsen, einer Studienautoren. Er arbeitet am Norwegischen Forschungszentrum für Zöliakie an der Universität Oslo und dem Universitätsklinikum Oslo. Ibsen und Kollegen analysierten 264 Blut- und Gewebeproben von Zöliakie-Patienten, die diese sowohl vor der Behandlung als auch nach einem Jahr glutenfreier Ernährung abgegeben hatten. Zudem untersuchten die Wissenschaftler Proben von Personen ohne Zöliakie. Die Proben waren in den Jahren 2018 bis 2024 am Rikshospitalet in Oslo gesammelt worden. Mithilfe der Proteomik identifizierte das Team 24 Proteine, die mit Zöliakie in Zusammenhang stehen. Neun davon waren besonders eng mit dem Ausmaß der Darmschädigung verknüpft und könnten Aufschluss über das Stadium der Erkrankung geben. „Bei vielen dieser Proteine stellten wir einen deutlichen Unterschied zwischen Menschen mit unbehandelter Zöliakie und gesunden Personen fest“, berichtet Ibsen. Deutliche Unterschiede bei Proteinwerten vor und nach der Behandlung Personen mit unbehandelter Zöliakie wiesen die höchsten Werte an Entzündungsproteinen auf, während diese bei gesunden Personen am niedrigsten ausfielen. Zudem zeigten sich deutliche Unterschiede bei den Proteinwerten vor und nach der Behandlung. Dies deutet nach Ansicht der Forschenden darauf hin, dass Proteine im Blut detaillierte Informationen über Entzündungsprozesse und Heilungsvorgänge im Darm liefern können. Allerdings wiesen auch Zöliakie-Betroffene, die sich glutenfrei ernährten, bei einigen Proteinen leicht erhöhte Werte im Vergleich zu gesunden Personen auf. „Die Ergebnisse lassen daher die Schlussfolgerung zu, dass bei Patienten auch dann noch eine gewisse Entzündung im Darm vorliegt, wenn sie die Ernährungsvorgaben einhalten“, erläutert Ibsen. Grenzen der aktuellen Überwachungsmöglichkeiten Eine Zöliakie wird üblicherweise mittels Bluttest (auf IgG- und IgA-Autoantikörper gegen Gewebstransglutaminase [tTG]) und einer darauf folgenden Dünndarmbiopsie diagnostiziert. Das Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung kann die Diagnose bestätigen. Nach Feststellung einer Zöliakie werden die Patienten im Allgemeinen von ihrem Hausarzt betreut, wobei häufig derselbe Bluttest zum Einsatz kommt. Ibsen weist jedoch darauf hin, dass der Test weniger aussagekräftig ist, sobald der Patient mit einer glutenfreien Ernährung begonnen hat. „Das Problem bei diesem Bluttest ist, dass er schlichtweg nicht mehr so gut funktioniert, sobald die Patienten mit der glutenfreien Diät begonnen haben“, sagt er. „Forschungsergebnisse zeigen, dass er ein etwas irreführendes Bild davon vermitteln kann, was tatsächlich im Darm geschieht.“ Die Forscher hoffen, dass Tests, die auf den neu identifizierten Biomarkern basieren, die bestehenden Methoden zur Überwachung von Zöliakie künftig ergänzen könnten. „Tests auf der Basis neuer Biomarker sollen die heutigen Verfahren nicht ersetzen“, sagt Ibsen. „Sie könnten jedoch dazu beitragen, ein genaueres Bild vom Krankheitsverlauf zu gewinnen und eine zuverlässigere Verlaufskontrolle zu ermöglichen. Prof. Knut E. A. Lundin von der Medizinischen Fakultät der Universität Oslo bezeichnet die Ergebnisse der neuen Studie als vielversprechend. „Es besteht die Möglichkeit, Tests auf der Basis dieser neuen Biomarker ergänzend zur Serologie einzusetzen – also zu jenem heute gebräuchlichen Verfahren, das nicht eindeutig genug zwischen fortbestehenden Darmschäden und Heilungsprozessen unterscheidet“, sagt er. Bevor dieser Ansatz in der klinischen Praxis Anwendung finden kann, braucht es weitere Studien mit einer größeren Anzahl von Patienten. Zudem müssen die Forscher jene Proteine auswählen, die das größte Potenzial für weitere Untersuchungen bieten. (ac/BIERMANN)
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