Zufallsbefund Bradyarrhythmien bei über 70-Jährigen

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Immer häufiger werden implantierbare Loop-Rekorder (ILR) zur Detektion von subklinischem Vorhofflimmern (VHF) eingesetzt. Dadurch steigt auch die Anzahl von zufällig diagnostizierten Bradyarrhythmien, wie eine neue Studie in „JAMA Cardiology“ verdeutlicht.

Bei der Studie aus Kopenhagen (Dänemark) handelt es sich um eine Post-hoc-Analyse der randomisierten klinischen Studie LOOP, die an 4 Standorten in Dänemark durchgeführt wurde. An der Untersuchung nahmen 6004 Probanden (mittleres Alter 75 ±4,1 Jahre; 47,3% weiblich; 90,7% mit Bluthochdruck; 20,4% mit früherer Synkope) teil, die kein bekanntes VHF, aber ≥1 der folgenden Diagnosen aufwiesen: Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz oder früherer Schlaganfall.

Die Teilnehmer wurden zwischen dem 31. Januar 2014 und dem 17. Mai 2016 per Briefeinladung rekrutiert. Zur Kontrollgruppe mit üblicher Versorgung wurden 4503 Patienten zufällig zugeteilt und 1501 zur Gruppe mit ILR-Screening auf VHF, wobei eine Behandlung dabei detektierter Bradyarrhythmien im Ermessen des behandelnden Arztes stand. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 65 Monate (IQR 59–70).

Als primäre Ergebnisse legte die dänische Forschungsgruppe um Studienleiter Søren Zöga Diederichsen die Anzahl detektierter Bradyarrhythmie-Episoden, Herzschrittmacher-Implantationen, Synkopen und plötzlicher kardiovaskulärer Todesfälle fest. Über den ILR konnten Bradyarrhythmien >6-mal häufiger diagnostiziert werden, nämlich bei 312 Patienten (20,8%) in der ILR-Gruppe gegenüber 172 (3,8%) in der Kon­trollgruppe (HR 6,21; 95%-KI 5,15–7,48; p<0,001).

Bei einem Großteil der Patienten in der ILR-Gruppe waren diese asymptomatisch (79,8) im Vergleich zu den 23,8% ohne ILR-Monitoring. Die häufigste Bradyarrhythmie war eine Sinusknoten-Dysfunktion, gefolgt von einem hochgradigen atrioventrikulären Block. Zu den Risikofaktoren für Bradyarrhythmie gehörten ein höheres Alter, männliches Geschlecht und frühere Synkopen.

Mehr Patienten der ILR-Gruppe erhielten daraufhin einen Herzschrittmacher (2,9% vs. 4,5%; HR 1,53; 95%-KI 1,14–2,06; p<0,001). Einen signifikanten Unterschied bzgl. Synkope (2,7% vs. 2,2%; HR 0,83; 95%-KI 0,56–1,22; p=0,34) und plötzlichem kardiovaskulären Tod (1,1% vs. 1,2%; HR 1,11; 95%-KI 0,64–1,90; p=0,71) konnten die Wissenschaftler zwischen der Kontroll- und der ILR-Gruppe allerdings nicht feststellen. Bradyarrhythmien waren unabhängig voneinander mit klinischen Ergebnissen assoziiert, jedoch nicht stärker bei Bradyarrhythmien, die durch das Screening entdeckt wurden als bei jenen in der üblichen Versorgung. Schließlich fanden die Forscher, dass Bradyarrhythmien häufig zusammen mit VHF auftraten.

Fazit
In der Studie wurden Bradyarrhythmien bei 1/5 Personen >70 Jahren mit Langzeit-VHF-Monitoring entdeckt. Obwohl bei Patienten mit diesen Zufallsbefunden im Vergleich zu jenen mit üblicher Versorgung signifikant mehr Herzschrittmacher eingesetzt wurden, änderte sich deren Risiko für Synkopen oder einen Plötzlichen Herztod jedoch nicht. (ah)

Autoren: Diederichsen SZ et al.
Korrespondenz: Soeren Diederichsen; [email protected]
Studie: Prevalence and Prognostic Significance of Bradyarrhythmias in Patients Screened for Atrial Fibrillation vs Usual Care: Post Hoc Analysis of the LOOP Randomized Clinical Trial
Quelle: JAMA Cardiol 2023;8(4):326–334.
Web: https://doi.org/10.1001/jamacardio.2022.5526