Zulassung neuer Krebsmedikamente: Qualität des Kontrollarms zuweilen fragwürdig16. August 2019 © ra2 studio – stock.adobe.com Obwohl die Zulassungen für Krebsmedikamente zunehmen, kommen einige dieser Medikamente auf den Markt, ohne bewiesen zu haben, dass sie zum Zeitpunkt der Zulassungsstudie der Standardbehandlung überlegen sind, so eine neue Studie. Die Autoren betonen, dass die Qualität des Kontrollarms (KA) bei der Beurteilung der Überlegenheit neuer Krebsmedikamente besonders wichtig ist. Vor dieser Studie habe es keine empirische Untersuchung zur Qualität der KA randomisierter klinischer Studien (RCT), die zu der Zulassung von Krebsmedikamenten durch die FDA führen, gegeben, erläutert Dr. Talal Hilal von der Mayo Clinic. Diese Lücke wollten er und seine Kollegen mit dieser Studie schließen und setzten ihr zum Ziel, den ungefähren Prozentsatz der RCT zu ermitteln, die suboptimale KA verwendeten und zwischen Anfang Januar 2013 und Ende Juli 2018 zu der FDA-Zulassung von Krebsmedikamenten führte. Das Team schloss 143 FDA-Zulassungen von Krebsmedikamenten in seine Studie ein. Alle Zulassungen, die Studien ohne Vergleichsgruppe (1-armige Studien) betrafen, wurden ausgeschlossen (48 Zulassungen). Zulassungen, die aus RCT hervorgingen, wurden eingeschlossen und jede Studie wurde auf Design, Zeitpunkt der Patientenrekrutierung, KA und primären Endpunkt hin analysiert. Die Standardtherapien wurden von den Wissenschaftlern durch die Auswertung der Fachliteratur und veröffentlichter Leitlinien bestimmt, die jeweils 1 Jahr vor dem Beginn der jeweiligen Studien bestanden. Der Prozentsatz der Zulassungen auf der Basis von RCT, die suboptimale KA verwendeten, wurde berechnet. Die Qualität des KA wurde als suboptimal definiert, wenn die Wahl des Kontrollmedikaments darauf beschränkt war, ein empfohlenes Medikament auszuschließen, der KA angegeben, aber das empfohlene Medikament nicht spezifiziert wurde, sowie wenn vorherige RCT-Daten belegten, dass der empfohlene Wirkstoff einer verfügbaren Alternative unterlegen war. Von den 145 Studien, die zwischen Anfang Januar 2013 bis Ende Juli 2018 zu 143 Zulassungen führten, blieben nach dem Ausschluss der 48 einarmigen Studien 97 Studien übrig, die zu 95 Zulassungen führten. Von den 95 Zulassungen basierten 16 (17%) auf RCT mit suboptimalen KA. Davon waren 15 international und eine aus den USA. Die Art der Zulassung war in 15 Studien regulär und in einer beschleunigt. Die Studien konnten 4 verschiedenen Gründen einer suboptimalen Kontrolle zugewiesen werden. In 4 Studien (25%) wurde eine aktive Behandlung im KA durch die Limitierung der Auswahl des Prüfarztes unterlassen. Bei 11 Studien (63%) entfiel die aktive Behandlung durch die Auswahl eines Kontrollwirkstoffes, bei dem bekannt war, dass er anderen verfügbaren Wirkstoffen unterlegen ist oder indem keine Kombination von Wirkstoffen erlaubt wurde. Eine Studie (13%) verwendete im KA eine zuvor eingesetzte Behandlung, bei der bekannt war, dass sie bei erneuter Exposition keinen Nutzen zeigt. Fazit Ein Teil neuer Krebsmedikamente kommt auf den Markt, ohne bewiesen zu haben, dass sie zum Zeitpunkt der Zulassungsstudie der Standardbehandlung überlegen sind. Die Wahl des Kontrollarms sollte optimiert werden, so das Fazit der Autoren. (sh) Autoren: Hilal T et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Analysis of Control Arm Quality in Randomized Clinical Trials Leading to Anticancer Drug Approval by the US Food and Drug Administration Quelle: JAMA Oncol 2019;5(6):887–892. Web: https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2019.0167