Zum ersten Mal in der Schweiz: Mikroskopische Rekonstruktion des größten Lymphgefäßes9. Januar 2019 Prof. Lindenblatt (2. v. l.) während einer supermikrochirurgischen Operation. Foto: © UniversitätsSpital Zürich Bei Herz-, Not- oder Tumoroperationen am Hals oder in der Brusthöhle werden mitunter größere Lymphgefäße durchtrennt. Diese konnten bis anhin nicht wiederhergestellt werden, was lebensbedrohlich sein kann. Das Team um die plastische Chirurgin Prof. Nicole Lindenblatt vom UniversitätsSpital Zürich hat zum ersten Mal in der Schweiz das größte Lymphgefäß des Körpers rekonstruiert. Der Milchbrustgang (Ductus thoracicus) ist das größte Lymphgefäß des Körpers. Er führt von den Lenden über den Brustraum bis zum Hals. Bei Tumoroperationen im Hals- und Brustbereich kann es geschehen, dass er verletzt oder durchtrennt wird. In der Folge kommt es zu einer starken Sekretion von täglich bis zu zwei Litern milchiger Lymphflüssigkeit aus der Wunde. Stoppen lässt sich der Lymphfluss kaum. Die Flüssigkeit sammelt sich in der Wunde oder der Brusthöhle an, was für Patientinnen und Patienten lebensbedrohlich sein kann. Lindenblatt, Leitende Ärztin der plastischen Chirurgie und Handchirurgie und stellvertretende Klinikdirektorin, ist es nun gelungen, den Milchbrustgang wiederherzustellen. Sie hat bei einem Patienten nach einer Tumoroperation am Hals das Lymphgefäß unter dem Mikroskop mit den Venen verbunden und so den Lymphabfluss wieder sichergestellt. Supermikrochirurgie: Nadel und Faden, dünner als ein Haar Der Milchbrustgang wird hierfür mit einem blauen und einem grünen, fluoreszierenden Farbstoff eingefärbt, der in die Haut der Arme oder Beine injiziert oder dem Patienten über eine Magensonde verabreicht wird. Der Farbstoff wird in die Lymphe aufgenommen und das Leck dadurch unter dem Mikroskop sichtbar. Anschließend werden die offenen Stellen der Lymphgefäße supermikrochirurgisch an eine Vene in der Umgebung angeschlossen und so der physiologische Abfluss wieder gewährleistet. Vergleich einer supermikrochirurgischen Nadel inkl. Faden mit einer Büroklammer. Foto. © UniversitätsSpital Zürich Möglich ist dies nur dank der neuen technischen Möglichkeiten der Supermikrochirurgie: So kommen beispielsweise spezialisierte Fluoreszenzmikroskope mit bis zu 50-facher Vergrößerung zum Einsatz. Auch die weiteren Instrumente sind superfein: Der Faden, mit dem die Gefäße zusammengenäht werden, ist dünner als ein Haar. Die Nadel ist zwei Millimeter lang und hat einen Durchmesser von 0,05 Millimeter. «Chirurgisch gesehen galt es bisher als nahezu unmöglich, den Milchbrustgang zu reparieren, weil er manchmal nur einen Millimeter Durchmesser aufweist und man ihn in der Wunde oder der Narbe oft nicht findet», so Lindenblatt. Bis anhin hat man versucht, das Lymphgefäß zu unterbinden, was oft nicht richtig funktioniert hat. «Für diese Operation braucht es supermikrochirurgische Fähigkeiten», ergänzt Lindenblatt. Weltweit wurde die Operation bisher erst wenige Male durchgeführt, in der Schweiz noch nie. Nebst Patienten, die sich wegen Tumoren, herzchirurgisch oder nach Unfällen operieren lassen müssen, kann die Operation auch Patientinnen und Patienten mit angeborenen Fehlbildungen des Milchbrustgangs helfen.
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