Zurück in den Beruf nach Krebs: Chancen, Hürden und hoher Unterstützungsbedarf

Nach einer Krebserkrankung kann sich der berufliche Wiedereinstieg mitunter schwierig gestalten. (Symbolbild: ©ytemha34/stock.adobe,com)

Die Chancen, nach einer Krebserkrankung in den Beruf zurückzukehren, sind ungleich verteilt. Das zeigen neue Daten, die auf dem Deutschen Krebskongress (DKK) 2026 präsentiert wurden.

Fünf Prozent der Menschen, die eine Krebsdiagnose erhalten, sind im erwerbsfähigen Alter. Doch wie gut gelingt ihr Wiedereinstieg in den Job nach überstandener Erkrankung? Das analysierte die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) auf Basis von Daten der Deutschen Rentenversicherung. Diesen zufolge gelingt der Wiedereinstieg Menschen in körperlich belastenden, wenig flexiblen Tätigkeiten deutlich seltener als Fach- und Führungskräften mit flexiblen Arbeitsbedingungen, die häufig früher und dauerhaft wieder erwerbstätig sind. 

Arbeitswillig aber arbeitsunfähig

Datenauswertungen der DKG zeigen, dass 90 Prozent der Krebserkrankten im erwerbsfähigen Alter nach ihrer Erkrankung wieder arbeiten wollen. Allerdings sind 84 Prozent nach der Rehabilitation zunächst arbeitsunfähig. Gründe hierfür sind oftmals Langzeitfolgen der Behandlung, wie etwa Konzentrationsstörungen, Fatigue und Polyneuropathie. Ein Jahr nach der Rehabilitation sind somit nur 61 Prozent wieder erwerbstätig. Arbeitsbedingungen und berufliche Stellung beeinflussen den Wiedereinstieg stark.

Unterschiede nach Beruf und Bildung

So verdeutlicht die neue Analyse der Rentenversicherungsdaten: Personen in körperlich belastenden, wenig flexiblen Tätigkeiten wie Pflege und handwerklicher Arbeit haben geringere Chancen, erfolgreich in ihren Beruf zurückzukehren. Fach- und Führungskräfte mit höherer Autonomie, besseren Anpassungsmöglichkeiten und meist geringerer physischer Belastung werden häufiger wieder erwerbstätig.

Johannes Soff, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Versorgungsforschung der DKG stellte diese Daten auf dem DKK 2026 vor: „Wir sehen, dass Personen mit höherem Einkommen, höherer beruflicher Position und universitärer Bildung häufiger, früher und länger in den Arbeitsmarkt zurückkehren als Personen mit niedriger sozioökonomischer Position.“

Brustkrebs und Dienstleistungsberufe: Deutlich geringere Chancen auf Rückkehr

Ein konkretes Beispiel ist die Gruppe der Frauen mit Brustkrebs (n=142.376; Medianalter 53 Jahre; meist mittlerer Bildungsabschluss; 63 Prozent vor der Erkrankung hauptsächlich in Vollzeit beschäftigt). Jene in Dienstleistungsberufen verbringen innerhalb von fünf Jahren nach der Rehabilitation durchschnittlich sechs Monate weniger in Erwerbstätigkeit als Führungskräfte. Ihre Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Rückkehr ist im Vergleich zum Durchschnitt aller Berufsgruppen um 19 Prozent niedriger, bei Führungskräften 22 Prozent höher.

„Dieser gravierende soziale Gradient weist auf mögliche strukturelle Barrieren in der beruflichen Reintegration hin. Zusätzlich ist Vermögen nicht in den Daten abgebildet, die wir analysiert haben. Damit unterschätzen wir die soziale Ungleichheit an dieser Stelle vermutlich sogar noch“, so Soff.

Bedeutung früher Intervention: Erkenntnisse aus (QV)-CARES

Ferner kehren Personen, die nach einer Krebserkrankung Erwerbsminderungsrente oder Arbeitslosengeld beziehen, nur selten in den Beruf zurück. Am Beispiel der Brustkrebspatientinnen zeigte sich: 15 Prozent von ihnen bezogen nach abgeschlossener Rehabilitation eine Erwerbsminderungsrente. Von diesen Frauen gelang nur fünf Prozent eine vollständige Rückkehr in die Erwerbstätigkeit.

Maßnahmen, die die Betroffenen bei der Rückkehr unterstützen, müssen also davor greifen, wird von der DKG hervorgehoben. Hier könnten die ambulanten psychosozialen Beratungsangebote zur beruflichen Wiedereingliederung, unter anderem von Landeskrebsgesellschaften, eine wichtige Rolle spielen.

Eine Option dafür wurde in den Projekten CARES (Cancer rehabilitation support by cancer counseling centers) und Qualitätsverbund CARES (QV-CARES) untersucht. Im Rahmen von CARES wurde die Beratung zum beruflichen Wiedereinstieg intensiviert: Berater:innen der Krebsberatungsstellen wurden zu Berufslotsinnen und Berufslotsen fortgebildet.

„Die Beratung der Krebsberatungsstellen ist eine kostenfreie, niedrigschwellige Begleitung in jeder Phase der Erkrankung. Und die Ergebnisse aus der begleitenden Datenanalyse sind erfreulich: Wir sehen Stressabbau und mit der beruflichen Situation eine höhere Zufriedenheit und weniger Überforderungserleben“, erläutert Hannah Lange, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Versorgungsforschung der DKG. Die Details zu CARES und CV-CARES erläuterte sie im Interview.

Leider erreichte das Programm nicht alle Krebsbetroffenen gleichermaßen: Mehr als vier Fünftel waren weiblich, knapp die Hälfte hatte Abitur und eine Brustkrebsdiagnose. Die Unterstützung durch das Anschlussprojekt QV-CARES soll Qualitätssicherung in Beratungsprozessen zum beruflichen Wiedereinstieg gewährleisten und verstärkt Netzwerke aufbauen, um bislang schwer erreichbare Gruppen der Krebsberatung besser zu erreichen, beispielsweise Männer oder Personen in handwerklichen Berufen.

Unterstützungsangebote benötigen stabile Finanzierung

Mit der Europäischen Säule sozialer Rechte, zu der sich neben vielen EU-Staaten auch Deutschland bekannt hat, soll Menschen in Europa Chancengleichheit am Arbeitsmarkt gegeben werden. Ein Ziel bis 2030 ist die Erwerbstätigkeit von 78 Prozent der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren.

„Dies schließt auch Menschen mit Erkrankungen wie Krebs ein“, sagt Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der DKG. „Aus den Daten wird deutlich, dass wir frühzeitig die Personen unterstützen müssen, die derzeit durch das Netz fallen.“

Das seien vor allem Menschen in nichtakademischen Berufen. Den Beratungsstellen, wie denen der Landeskrebsgesellschaften, komme hier eine besondere Rolle zu, weshalb es wichtig ist, dass diese Angebote finanziell stabilisiert werden.