Zusammenhang zwischen Gehirn und Bluthochdruck identifiziert15. Januar 2026 Symbolbild: © Nima/adobe.stock.com Neuseeländische Wissenschaftler haben entdeckt, dass ein bestimmter Bereich des Gehirns an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sein könnte. Die laterale parafaziale Region befindet sich im Hirnstamm – dem evolutionär ältesten Teil des Gehirns –, der automatische Funktionen wie Verdauung, Atmung und Herzfrequenz steuert. „Die laterale parafaziale Region wird aktiviert, wenn wir beim Lachen, bei körperlicher Anstrengung oder beim Husten ausatmen“, erklärt Studienleiter Prof. Julian Paton, Direktor des Manaaki Manawa Centre for Heart Research an der University of Auckland. „Diese Ausatmungen sind sogenannte ‚forcierte‘ Exspirationen, die durch die kräftige Kontraktion der Bauchmuskulatur ausgelöst werden. Im Gegensatz dazu benötigt eine normale Ausatmung keine Kontraktion dieser Muskeln; sie erfolgt durch die Elastizität der Lunge.“ Die Forschenden konnten nun zeigen, dass diese Hirnregion auch mit Nervenbahnen verbunden ist, die eine Verengung der Blutgefäße bewirken – ein Mechanismus, der den Blutdruck erhöht. „Wir haben eine neue Hirnregion entdeckt, die Bluthochdruck verursacht. Ja, das Gehirn ist schuld an Bluthochdruck!“, sagt Paton. „Wir haben herausgefunden, dass bei Bluthochdruck die seitliche parafaziale Region aktiviert ist. Als unser Team diese Region deaktivierte, sank der Blutdruck wieder auf normale Werte.“ Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Veränderungen der Atemmuster – insbesondere solche mit starker Aktivierung der Bauchmuskulatur – Bluthochdruck auslösen können. Eine Diagnostik abdomineller Atemmuster bei Patienten mit Hypertonie könnte daher Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache liefern und eine gezielte Therapie ermöglichen. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Circulation Research“ veröffentlicht. Können wir diese Hirnstammregion gezielt behandeln? Die nächste Frage war, ob die Hirnstammregion medikamentös behandelbar ist. „Die gezielte Beeinflussung des Gehirns mit Medikamenten ist schwierig, da diese auf das gesamte Gehirn und nicht auf eine bestimmte Region wie den parafazialen Kern wirken“, erklärt Paton. Ein entscheidender Durchbruch gelang, als das Team feststellte, dass diese Region durch Signale außerhalb des Gehirns aktiviert wird – konkret durch die Glomera carotica. Dabei handelt es sich um winzige Zellansammlungen im Hals nahe der Halsschlagader, die den Sauerstoffgehalt im Blut messen und sich medikamentös gezielt und sicher beeinflussen lassen. „Unser Ziel ist es, die Glomera carotica zu addressieren. Wir importieren derzeit ein neues Medikament, das wir für diesen Zweck neu einsetzen, um die Aktivität der Karotiskörper zu dämpfen und dadurch die laterale parafaziale Region indirekt und sicher zu inaktivieren – ohne dass ein Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke überwinden muss.“ Die Ergebnisse könnten neue Therapieansätze für Bluthochdruck eröffnen, insbesondere für Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe. Bei diesen Patienten sind die Glomera carotica während nächtlicher Atemaussetzer besonders stark aktiviert. (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema Bluthochdruck: Chronische Schmerzen als Hypertonietreiber Umfrage: Hypertonie-Leitlinien kaum praxistauglich
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