Zusammenhang zwischen Tuberkulose-Infektion und erhöhtem Risiko für verschiedene Krebsarten entdeckt2. April 2024 Foto: © Zerbor/stock.adobe.com Eine neue bevölkerungsweite Beobachtungsstudie aus Südkorea zeigt, dass Personen mit aktueller Tuberkulose oder einer solchen Erkrankung in der Vergangenheit eine höhere Wahrscheinlichkeit für verschiedene Krebsarten besitzen. Die Studie wird auf dem diesjährigen European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases in Barcelona (Spanien) zwischen dem 27. und 30. April vorgestellt werden. Auch wenn die Tuberkulose selbst erfolgreich behandelt werden kann, besteht das Risiko, dass es aufgrund struktureller oder vaskulärer Schäden, Stoffwechselstörungen und Entzündungsreaktionen des Betroffenen zu anderen gesundheitlichen Folgeerscheinung kommt. Zu diesen Komplikationen kann ein erhöhtes Krebsrisiko gehören, das durch Schädigungen des Wirtsgewebes und der DNA und/oder eine Unterbrechung normaler Genreparaturprozesse und im Blut vorhandener Wachstumsfaktoren beeinflusst werden kann. In der neuen Studie untersuchten deren Autoren den Zusammenhang zwischen Krebsinzidenz und Tuberkulose und stellten einen Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung an. Die Wissenschaftler überprüften retrospektiv Daten des südkoreanischen National Health Insurance Service beziehungsweise der National Health Information Database in Südkorea aus den Jahren 2010 bis 2017. Die Forschenden identifizierten darin Tuberkulosepatienten anhand des entsprechenden Krankheits-Codes oder einer Behandlung mit zwei oder mehr Tuberkulosemedikamenten für mehr als 28 Tage. Die Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung wurde im Verhältnis 1:5 zufällig ausgewählt und nach Geschlecht, Alter, Einkommensniveau, Wohnort und Indexjahr abgeglichen. Die Studienautoren analysierten die Inzidenz neu diagnostizierter Krebspatienten nach der Aufnahme (Post-TB-Diagnose). Der primäre Endpunkt bestand in der Krebsinzidenz unter Patienten mit diagnostizierter Tuberkulose-Infektion im genannten Untersuchungszeitraum im Vergleich zur gematchten Kohorte. Als sekundäre Endpunkte untersuchte man die Risikofaktoren für die Krebsinzidenz unter Tuberkulosepatienten. Die endgültige Analyse umfasste insgesamt 72.542 Patienten mit Tuberkulose und 72.542 gematchte Kontrollpersonen. Die mittlere Nachbeobachtungsdauer betrug 67 Monate, und das Durchschnittsalter der Patienten mit Tuberkulose betrug 62 Jahre. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung war die Krebsinzidenz bei Tuberkulosepatienten deutlich höher: 80 Prozent höher bei allen Krebsarten zusammen: Sie war 3,6-mal höher für Lungenkrebs und 2,4-mal höher für hämatologische sowie 2,2-mal höher für gynäkologische Krebserkrankungen. Um 57 Prozent höher lag die Darmkrebswahrscheinlichkeit und um 56 beziehungsweise 55 Prozent höher das Risiko für Schilddrüsen- beziehungswese Ösophagus- und Magenkrebs. Nach Adjustierung der Daten identifizierten die Forschenden außerdem als unabhängige Risikofaktoren für eine Krebserkrankung bei Tuberkulosepatienten aktuellen Tabakkonsum (um 40% erhöhtes Risiko gegenüber Nichtrauchern), starken Alkoholkonsum (um 15% erhöhtes Risiko gegenüber normalem Alkoholkonsum), chronische Lebererkrankung (um 42% erhöhtes Risiko gegenüber keiner Lebererkrankung) und Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (um 8% erhöhtes Risiko). Die Studienautoren plädieren daher für Krebsvorsorgeuntersuchungen bei Tuberkulosepatienten.
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