Zwei Millionen Euro jährlich für die Hirnforschung

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer begrüßt die Anwesenden auf dem Festakt. (Foto: Wolfram Scheible – HIH)

Zwanzig Jahre nach seiner Gründung wird das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) nun dauerhaft mit jährlich zwei Millionen Euro durch das Land Baden-Württemberg gefördert. Die Verstetigung der Landesförderung und die weitere Unterstützung durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung erlauben dem Institut die Umsetzung des Zukunftsplans „HIH 2030“.

Am 4. Mai dieses Jahres feierte das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) sein 20-jähriges Jubiläum mit einem Festakt in Anwesenheit von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Als Geburtstagsgeschenk überbrachte die Ministerin die Zusage einer dauerhaften Finanzierung des HIH durch das Land in Höhe von jährlich zwei Millionen Euro. Gemäß seiner Mission, Spitzenforschung und optimale Krankenversorgung zum Wohle der Erkrankten und Gesellschaft zu leisten, plant das HIH nun, seine Forschungsstrukturen weiterzuentwickeln. Bundesweit gilt es als Vorreiter einer erfolgreich gelebten Translation in der Neuromedizin.

„Seit 20 Jahren leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hertie-Instituts für Hirnforschung hervorragende Arbeit in der Spitzenforschung und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Institut sich im Bereich der Neurowissenschaften einen exzellenten Ruf erworben hat. Das Institut leistet hier einen entscheidenden Beitrag zur Forschungsexzellenz Baden-Württembergs. Damit dies auch in Zukunft gesichert werden kann, steigt das Land von diesem Jahr an in die dauerhafte Finanzierung mit ein“, sagte Ministerin Bauer während der Veranstaltung in der Neuen Aula der Universität Tübingen.

„Wir freuen uns natürlich sehr über die Aufnahme in den Landeshaushalt“, erklärte Prof. Thomas Gasser, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Neurologie. „Nun können wir unseren systematischen Ansatz der translationalen Forschung und Versorgung strategisch erweitern und so auch künftig den Herausforderungen der klinischen Hirnforschung begegnen zum Wohl der Patientinnen und Patienten.“

Das HIH wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Mit der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen bildet es das Zentrum für Neurologie. Diese strukturelle Verknüpfung ermöglicht, dass wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können und Patientinnen und Patienten direkt von neuen Forschungsergebnissen profitieren.

In Zukunft will sich das Zentrum noch mehr der Entwicklung von Strategien zur Früherkennung, Prävention und Rehabilitation neurologischer Erkrankungen widmen und sich bei dem Ausbau seines Forschungs- und Versorgungsspektrums auf zwei Zukunftsfelder konzentrieren: auf die systembasierte Neuromedizin sowie auf die an den individuellen Krankheitsursachen ansetzenden, personalisierten Medizin. Dafür werden neue Arbeitsgruppen und Strukturen eingerichtet.

In der personalisierten Medizin wird gezielt und individuell die Krankheitsursache der betroffenen Person therapiert. Das kann zum Bespiel ein seltener Gendefekt sein, der zur Erkrankung führt. Die systembasierte Neuromedizin zielt hingegen darauf ab, das erkrankte Gehirn oder Nervensystem als Ganzes zu behandeln, etwa mithilfe von innovativen Neuroprothesen. Neben der Stärkung dieser beiden methodischen Zukunftsfeldern wird das Institut zudem die Digitalisierung vorantreiben und Methoden des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz integrieren.

„Bei seiner Weiterentwicklung kann das Zentrum für Neurologie auf seine langjährige herausragende Expertise in den klinischen Neurowissenschaften aufbauen“, sagte Prof. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen. „Das Erfolgsmodell HIH hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Standort Tübingen zu einem Leuchtturm der Neurologischen Forschung mit internationalen Bekanntheitsgrad entwickeln hat.“