Zweitägige Haferkur senkt Cholesterinspiegel

Eine zweitägige Haferkur – mit 300g Haferflocken täglich – kann offenbar den Cholesterinspiegel senken. Symbolbild: TheWaterMeloonProjec/stock.adobe.com

Personen mit einem metabolischen Syndrom profitieren laut einer Studie der Universität Bonn von einer zweitägigen Haferkur. Die cholesterinsenkende Wirkung wird offenbar durch das Mikrobiom und phenolische Metabolite vermittelt.

Eine kurzzeitige Haferkur scheint den Cholesterinspiegel überraschend stark senken zu können. In diese Richtung deutet eine Studie der Universität Bonn, die kürzlich in “Nature Communications” erschienen ist. Die Versuchspersonen nahmen zwei Tage lang eine kalorienreduzierte Kost zu sich, die fast nur aus Haferflocken bestand. Gegenüber einer Kontrollgruppe verbesserten sich ihre Cholesterinwerte daraufhin deutlich. Selbst nach sechs Wochen ließ sich dieser Effekt noch nachweisen.

Altbewährtes Wundermittel?

Dass Hafer segensreiche Wirkungen auf den Stoffwechsel hat, ist nicht neu. Der deutsche Mediziner Carl von Noorden behandelte Anfang des 20. Jahrhunderts Zuckerkranke mit dem Getreide – mit beachtlichem Erfolg. „Heute stehen für die Therapie von Personen mit Diabetes wirksame Medikamente zur Verfügung“, erklärt Marie-Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn. „Darüber ist diese Methode in den letzten Jahrzehnten fast völlig aus dem Blick geraten.“

Die Versuchspersonen in der aktuellen Studie waren zwar nicht zuckerkrank. Sie litten jedoch unter einem metabolischen Syndrom, das mit einem erhöhten Risiko für Diabetes verbunden ist. Zu den Merkmalen gehören Übergewicht, Bluthochdruck, ein erhöhter Blutzuckerspiegel und Störungen des Fettstoffwechsels. „Wir wollten wissen, wie sich eine spezielle Haferkur auf die Betroffenen auswirkt“, erklärt Simon.

300 Gramm Haferflocken täglich

Dazu sollten sich die Beteiligten dreimal täglich ausschließlich von Haferflocken ernähren, die sie zuvor in Wasser aufgekocht hatten. Sie durften die Mahlzeiten lediglich mit etwas Obst oder Gemüse verfeinern. Insgesamt 32 Frauen und Männer nahmen an dieser Haferkur bis zum Abschluss teil. Sie aßen an beiden Tagen jeweils 300 Gramm Haferflocken und nahmen dabei nur gut die Hälfte der Kalorien zu sich wie normalerweise. Eine Kontrollgruppe wurde ebenfalls auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, die allerdings keine Haferflocken umfasste.

Beide Gruppen profitierten von der Umstellung der Kost. Bei den Versuchspersonen, die sich der Haferkur unterzogen hatten, war der Effekt jedoch deutlich ausgeprägter. „Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um zehn Prozent – das ist eine substanzielle Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“, betont Simon. „Zudem verloren sie im Schnitt zwei Kilo Gewicht und ihr Blutdruck sank ebenfalls leicht.“

Hafer fördert Wachstum „gesunder“ Darmbakterien

Doch wie entfalten Haferflocken ihre Wirkungen? Dazu analysierten die Forschenden in Blutproben der Teilnehmenden neben verschiedenen Stoffwechselparametern auch die Konzentration von Metaboliten. Die mikrobielle Zusammensetzung wurde mithilfe der 16S-rRNA-Sequenzierung in Stuhlproben ermittelt.

„Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht“, erklärt Linda Klümpen, Erstautorin der Studie. Außerdem wurden von den Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produziert. „Bei einer von ihnen, der Ferulasäure, ist bereits in Tierstudien gezeigt worden, dass sie den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflusst. Bei manchen anderen der bakteriellen Stoffwechselprodukte scheint das ebenfalls der Fall zu sein.“

Umgekehrt „entsorgen“ andere Mikroorganismen die Aminosäure Histidin. Diese wird vom Körper beispielsweise in Imidazol-Propionat umgewandelt, das im Verdacht steht, eine Insulinresistenz zu befördern.

Lieber „kurz und viel“ statt „lang und wenig“

Die positiven Wirkungen der Haferkur waren tendenziell noch sechs Wochen später nachweisbar. „Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Normbereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen“, meint Simon.

Allerdings entfaltete das Getreide in der aktuellen Studie seine Wirkung vor allem in hoher Konzentration und in Verbindung mit einer Kalorienreduktion: Eine sechswöchige Diät, bei der Versuchspersonen täglich 80 Gramm Hafer zu sich nahmen, ohne sich ansonsten einzuschränken, erzielte geringe Effekte. „Nun kann im nächsten Schritt geklärt werden, ob eine sich alle sechs Wochen wiederholende intensive Haferkur auch tatsächlich dauerhaft präventive Wirkung entfaltet“, so Simon weiter. (mkl/BIERMANN)