Zwischen Erregung und Hemmung12. Dezember 2019 Körnerzellen (blau) verarbeiten und verschlüsseln Informationen und fügen sie zu einer Art Karte im Gyrus dentatus zusammen. (Quelle: Nature Communications) Freiburger Forscher haben die Informationsverarbeitung im Gyrus dentatus näher untersucht und dabei grundlegend verschiedene Strukturen und funktionelle Eigenschaften von Körnerzellen und Interneuronen entdeckt. Der Gyrus dentatus gilt als Eingangsstation der Hirnregion Hippocampus, die Informationen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis überführt. Er besteht aus Körnerzellen, die besonders dicht in dieser Gehirnregion vorkommen, und Interneuronen, die im zentralen oder peripheren Nervensystem zwischen mehreren Nervenzellen geschaltet sind und einen hemmenden Effekt auf deren Aktivität haben. Beide Zelltypen verarbeiten Informationen und unterscheiden eng verwandte Erinnerungen. Ein Team um Prof. Marlene Bartos vom Physiologischen Institut I der Universität Freiburg, zu dem auch der Erstautor Dr. Claudio Elgueta gehört, hat herausgefunden, warum Körnerzellen und Interneuronen eingehende Signale unterschiedlich verarbeiten: Sie haben grundlegend unterschiedliche Strukturen und funktionelle Eigenschaften. Die dendritischen Fortsätze der Nervenzellen nehmen eingehende Signale vergleichbar mit Antennen auf. Interneuronen können durch sogenannte Chloridtransporter, die hemmende Signale verstärken, und aufgrund der hohen Dichte an GABAA-Rezeptoren stark gehemmt werden. Sie verarbeiten Informationen nicht direkt, sondern bestimmen, welche Körnerzellen sich an der Informationsverarbeitung beteiligen. Körnerzellen dagegen weisen geringere Dichten von GABAA-Rezeptoren auf und werden kaum gehemmt: Sie verarbeiten und verschlüsseln Signale aus der Umwelt und fügen sie zu einer Art Karte im Gyrus dentatus zusammen. Ändert sich die Hemmung in Zellen des Gehirns, können Fehlfunktionen beim Verarbeiten, Verschlüssen und Abrufen von Informationen auftreten. Dies kann die Gedächtnisleistung beeinträchtigen und zu neurologischen Erkrankungen führen. Mit ihren Ergebnissen tragen die WissenschaftlerInnen zu einem besseren Verständnis von Mechanismen der Informationsverarbeitung im Zentralen Nervensystem bei. Bartos und ihr Team werden seit 2018 mit einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro gefördert. Originalpublikation: Elgueta C, Bartos M.: Dendritic inhibition differentially regulates excitability of dentate gyrus parvalbumin-expressing interneurons and granule cells. Nat Comm 2019;10:5561.
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