10. Oppenheim-Forschungspreis verliehen10. Oktober 2019 Verleihung des 10. Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose. Vorne mit Urkunde: Preisträger PD Dr. Lucas Schirmer, Mannheim, und PD Dr. Veit Rothhammer, München. Für das Kuratorium Prof. Sven Meuth, Münster (4.v.l.) sowie die Vertreter des Unternehmens Novartis (v.l.n.r.) Vera Giraud, Karoline Wünsche, Dr. Simone Hiltl, Medical Franchise Head Neuroscience, Dipl. med. Anne-Kathrin Adloff und Dr. Sandra Pleiser, Group Head Medical Scientific Management Neuroscience. (Foto: Novartis) Im Rahmen des 92. DGN-Kongresses in Stuttgart sind PD Dr. Veit Rothhammer, München, und PD Dr. Lucas Schirmer, Mannheim, mit dem 10. Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose ausgezeichnet worden. In der Kriminologie führt die Entwicklung innovativer Analysemethoden oft noch Jahre später zur Lösung eines Falles. Auch bei der Multiplen Sklerose (MS) ist es durch immer neue Methoden der Spurensicherung und die Entdeckung neuer Pathomechanismen möglich, die Fallgeschichte immer wieder neu und durch die Brille verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen aufzurollen. Wichtig ist dabei vor allem der Austausch über Erkenntnisse aus den unterschiedlichen Fachgebieten, um den Tathergang sowie die Tatorte im ZNS umfassend zu bewerten und das Wissen zusammenzuführen. Zum 10. Jubiläum des Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose ehrte die Novartis Pharma GmbH im Rahmen des diesjährigen DGN-Kongresses in Stuttgart zwei junge Nachwuchsermittler. Das Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro unterstützt zu gleichen Teilen die Projekte von PD Dr. Veit Rothhammer, München, und von PD Dr. Lucas Schirmer, Mannheim. Neue Einblicke in die Pathomechanismen progredienter MS-Stadien Rothhammer, Klinikum rechts der Isar der TU München, überzeugte die Jury in der Kategorie „Präklinik“. Gliazellen spielen als ZNS-residente Immunzellen eine zentrale Rolle in progredienten MS-Stadien. In Vorarbeiten entdeckte seine Arbeitsgruppe den Transforming growth factor alpha (TGF-α). Er wird von Mikroglia sezerniert und wirkt in Tiermodellen der MS gewebsprotektiv. In chronischen Stadien der Entzündung verringert sich seine Expression jedoch, was zur Krankheitsprogression beitragen könnte. Vor diesem Hintergrund wird auch die Rolle von DNA-Methyltransferasen untersucht. Deren Aktivität in Mikroglia führt zu einer Methylierung des Tgfa-Promoters und damit zur Inhibierung der Expression von TGF-α, was zur Krankheitsprogression in progredienten Stadien beitragen könnte. Die Untersuchungen am EAE-Mausmodell sollen neue Einblicke in die Pathomechanismen progredienter MS-Stadien liefern und TGF-α sowie DNA-Methyltransferasen als therapeutische Targets evaluieren. Neben der MS könnten die Daten auch für andere primär neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson relevant sein. Biomarker und zelltyp-spezifische Zielstrukturen bei MS In der Rubrik „Klinik“ votierte die Jury für das Projekt von PD Dr. Lucas Schirmer, Neurologische Klinik der Universitätsmedizin und Medizinischen Fakultät Mannheim. Ziel seines Projektes ist die Untersuchung zelltyp-spezifischer und molekularer Pathomechanismen im Rückenmark von MS-Patienten, da hier noch wesentliche Wissenslücken im Krankheitsverständnis bestehen und das Rückenmark häufig von der Krankheit betroffen ist. Neben progredienten neuronalen Schädigungsmustern zeigen sich auch deutliche, durch die Entzündung bedingte Veränderungen in den nicht neuronalen Gliazellen (Mikroglia, Oligodendrozyten und Astrozyten). Bisher erzeugte Daten aus gefrorenem Autopsie-Hirngewebe legen Schlüsse auf eine selektive Degeneration bestimmter neuronaler Subtypen nahe. Die Arbeitsgruppe entwickelte eine Einzelzellkern-RNA-Sequenzierungsmethode (snRNA-seq) zur Untersuchung der zelltyp-spezifischen Genexpression in Nerven-, Immun- und Gliazellpopulationen im Gehirn von MS-Patienten. Diese Techniken sollen nun auf spinale Läsionen ausgedehnt werden. Ergänzend soll eine epigenetische Einzelzellkern-Sequenzierungsanalyse („open chromatin sequencing“) zur Bewertung zelltyp-spezifischer regulatorischer Genveränderungen erfolgen. Letztlich könnte die kombinierte Untersuchung helfen, neue Biomarker und zelltyp-spezifische Zielstrukturen bei der MS zu identifizieren, was – weitergedacht – eine präzisere und personalisierte Therapieauswahl bringen könnte. Durch einen Vergleich der humanen Sequenzierungsdaten mit korrespondierendem Gewebe aus dem MS-Mausmodell EAE (Experimentelle Autoimmune Enzephalomyelitis) wäre die Durchführung funktioneller präklinischer und patientennaher Studien sowie die Entwicklung verbesserter präklinischer Modellsysteme möglich. Über den „Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose“ Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Preis wurde erstmals im Jahr 2010 verliehen. Die Fördergelder des Oppenheim-Förderpreises werden ausschließlich für Forschungszwecke eingesetzt.
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