2.500 Herzen fanden in Bad Oeynhausen einen neuen Empfänger26. August 2019 Foto: Haupteingang Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Foto: Martin Steffen). An Europas größtem Herztransplantationszentrum hofft man auf die Widerspruchslösung Nach aktuellem Stand haben die Herzspezialisten am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, insgesamt 2.500 Herztransplantationen seit 1989 durchgeführt. Mit mehr als 80 Herztransplantationen pro Jahr ist die Landeseinrichtung damit das mit Abstand größte Herztransplantationszentrum in Europa. Zur Expertise der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert, zählen über 130.000 große Operationen am Herzen und den herznahen Gefäßen sowie mehr als 4.000 Implantationen von Kunstherzen und künstlichen Herzunterstützungssystemen. In Bad Oeynhausen wird das gesamte Spektrum herzchirurgischer Verfahren durchgeführt. Fast 52 Jahre, nachdem in Kapstadt, Südafrika, erstmals weltweit ein menschliches Herz implantiert worden ist, zählt dieser Eingriff heute in großen Zentren zur Routine in der Behandlung von Hochrisikopatienten mit schwerer chronischer Pumpstörung der linken und/oder rechten Herzkammer. Die Entwicklung immer besserer immunsuppressiver Medikamente, besonders die Einführung des Medikaments Cyclosprin A seit 1982 in Deutschland, hatte dabei einen wesentlichen Einfluss auf die guten Ergebnisse der Herztransplantation innerhalb der letzten dreißig Jahre. Leben nach der Herztransplantation Zehn Jahre nach einer Herztransplantation leben heute mehr als 60 Prozent der Patienten. Für Patienten mit schwerer Pumpschwäche des Herzens stellt der Eingriff nach wie vor die bestmögliche Therapie dar. Eine hervorragende medikamentös-palliative Therapie sowie der Einsatz von Herzunterstützungssystemen trage heute enorm dazu bei, dass eine oft sehr lange Wartezeit auf ein Spenderherz überbrückt werden kann. „Ein interdisziplinäres, fachärztliches Team, das auf eine Transplantation vorbereitet, ein sorgfältiges Nachsorgeprogramm sowie die stetige Zusammenarbeit mit dem Hausarzt sind von großer Bedeutung für diesen Erfolg,“ betont Gummert. Er ist Ärztlicher Direktor am HDZ NRW und Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, wo neben einer komplexen klinischen und ambulanten Betreuung Schulungsangebote durch Psychologen sowie erfahrene Transplantationsberater im Versorgungspektrum enthalten sind. Unter den regelmäßig in der Bad Oeynhausener Nachsorge betreuten Patienten aller Altersstufen befinden rund 120 Menschen, deren Herztransplantation schon mehr als 20 Jahre zurückliegt. Plädoyer für die Widerspruchslösung „Eine schwere Herzerkrankung, die eine Transplantation lebensnotwendig macht, kann grundsätzlich jeden treffen“, betont Gummert. In der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler des HDZ NRW unter der Leitung von Dr. Eugen Sandica werden auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche transplantiert. In diesem Jahr sind bereits acht Herztransplantationen bei Patienten im Alter von 0 bis 18 Jahren erfolgreich durchgeführt worden. „Aktuell warten über 200 Patienten des HDZ NRW auf ein Spenderherz“, teilen Gummert und Sandica mit. „Dank der Möglichkeiten der künstlichen Herzunterstützung können wir die Wartezeit in vielen Fällen überbrücken. Leider stehen aber immer noch viel zu wenig Spenderorgane zur Verfügung.“ Über 1.200 Spenderherzen würden jährlich in Deutschland benötigt. Aus Sicht der Transplantationsmediziner am HDZ NRW könnte die Einführung einer Widerspruchslösung in Deutschland viele praktische Probleme beseitigen, das zeige das Beispiel anderer Länder. Umfragen zufolge sprechen sich rund 80 Prozent der Bevölkerung ohnehin für die Organspende aus. „Es wäre dann klarer gesellschaftlicher Konsens, dass meine Organe zum Zweck der Organspende entnommen werden können, wenn ich verstorben bin“ erläutert Gummert, der sich auch als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie für eine Widerspruchslösung einsetzt. „Wer nicht damit einverstanden ist, kann jederzeit widersprechen. Ich sehe darin keine Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts, sondern vielmehr Respekt vor der persönlichen Entscheidung.”
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