30. DGA-Kongress diskutiert Hypogonadismus und Fertilitätsprotektion

zwei gesunde Männer (Symbolbild)
Männergesundheit steht im Fokus der 70. Jahrestagung der Andrologen Ende November in Gießen. Foto: Halfpoint – Fotolia.com

Bei der 30. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (DGA) vom 29.11.-01.12.2018 in Gießen diskutieren die Experten über Benefits durch Testosteron-Therapie bei Hypogonadismus und Hoffnung durch Stammzellen „auf Eis“ zum Fertilitätserhalt.

Ende November treffen sich im Medizinischen Lehrzentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen 120 Experten, um aktuelle Erfahrungen und Herausforderungen sowie Neuigkeiten und Trends zum Thema Männergesundheit auszutauschen. Das wissenschaftliche Programm und das interdisziplinäre Weiterbildungsangebot präsentieren sowohl die jüngsten Ergebnisse andrologischer Grundlagenforschung als auch die praktischen Anwendungen im klinischen Tagesgeschehen. Neben „Klassikern“ der DGA-Tagungstradition wie Fertilität, Sexualmedizin, Reproduktionsmedizin oder Impotenz stehen auch Infektionen auf der Tagesordnung, unter anderem die Frage, welche andrologische Relevanz dem Zika-Virus zukommt. Besonderen Raum nehmen die aktuellen Erkenntnisse zu Vorteilen und Risiken der Testosteronersaththerapie auf der Tagesordnung ein.

Testosteron-Therapie: Wann und bei wem?

Wenn Männer in die Jahre kommen, sinkt der Testosteronspiegel langsam aber kontinuierlich. Dass eine ganze Reihe gesundheitlicher Beschwerden des alternden Mannes mit einem niedrigen Spiegel des wichtigsten männlichen Sexualhormons verknüpft sind, hat in den vergangenen Jahren Testosteronpräparaten zu einer Karriere als Anti-Aging-Mittel verholfen. Fachleute diskutieren die Testosterontherapie unterdessen kontrovers – und sachlicher.

Jüngst wurden in den USA die so genannten T-Trials abgeschlossen: In sieben klinischen Studien, an insgesamt 788 Männern mit altersbedingt niedrigem Testosteronspiegel, haben Forscher die Wirkung der Behandlung mit Testosteron untersucht. „Sie dienen als Vorläufer für Langzeitstudien zu Nutzen und Risiken der Testosterontherapie, spiegeln aber aktuell die Quintessenz dessen, was wir wissen“, sagt Tagungsleiter PD Dr. Thorsten Diemer, leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen. Zum Beispiel, dass die Behandlung für Männer einer bestimmten gesundheitlichen Hochrisikogruppe, etwa mit metabolischem Syndrom, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, eine ganze Reihe von Benefits bringt. Andererseits steht Testosteron weiterhin im Verdacht, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu erhöhen – eine Sorge, die sich zunehmend als unbegründet erweist.

Fertilitätsprotektion – auch bei Kindern

Spannende Ausblicke in die Zukunft der Fertilitätsprotektion, also dem Erhalt der Zeugungsfähigkeit, verspricht die Tagung, wenn es um denkbare Konzepte zur Kultivierung befruchtungsfähiger Zellen aus Vorläuferzellen geht. Nicht allein fertige Spermien lassen sich in flüssigem Stickstoff konservieren, sondern es geht zunehmend auch um die Möglichkeit, Stammzellen „auf Eis“ zu legen, etwa um Kindern mit onkologischen Erkrankungen, die noch gar keine Spermatogenese haben, trotzdem für eine ferne Zukunft die Chance auf eigenen Nachwuchs zu wahren. „Daraus ließen sich unter Umständen in einigen Jahren mit sehr unterschiedlichen experimentellen Ansätzen Spermien erzeugen“, sagt Diemer. Eine Möglichkeit wäre, diese in künstlichen Hoden heranreifen zu lassen.

Auf diese Weise könnte auch erwachsenen Patienten geholfen werden, die aufgrund einer inkompletten Spermienbildung zeugungsunfähig sind – und denen Mediziner bislang mit konventionellen Methoden der assistierten Reproduktion einen Kinderwunsch nicht erfüllen können.

(Conventus Congressmanagement / ms)