300 Genvarianten wirken auf die Großhirnrinde30. März 2020 Das menschliche Großhirn enthält zahlreiche Falten. Ein internationaler Forschungsverbund mit Marburger Beteiligung hat erstmals eine genetische Karte der Großhirnrinde erstellt. (Foto: ©SciePro – stock.adobe.com) Ein internationaler Forschungsverbund mit Marburger Beteiligung hat systematisch genetische Varianten aufgespürt, die sich auf die Struktur der menschlichen Großhirnrinde auswirken – und damit auf geistige Fähigkeiten sowie auf Krankheiten wie Schizophrenie, Depression und Autismus. Die Großhirnrinde spielt eine entscheidende Rolle beim Denken, bei der Informationsverarbeitung, für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit.„Bisher war noch nicht viel über die genetischen Varianten bekannt, die die Dicke der Hirnrinde und die Größe ihrer Oberfläche beeinflussen“, sagt der Marburger Mediziner, Prof. Tilo Kircher, der an der Studie mitgewirkt hat. Das Konsortium führte die Beiträge von mehr als 360 Fachleuten aus 184 verschiedenen Institutionen zusammen, um die erste genetische Karte der Großhirnrinde zu erstellen. Die Beteiligten identifizierten mehr als 300 genetische Varianten, die die Struktur der Großhirnrinde beeinflussen. Viele der Ergebnisse stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit Krankheitsbildern: Zum Beispiel tragen genetische Varianten, die mit einer kleineren Oberfläche der Großhirnrinde – oder einer geringeren Faltung – verbunden sind, auch zu einem größeren Risiko für ADHS, Depressionen und Schlaflosigkeit bei. „Indem wir die Analyse von Hirnbildern mit genetischen Informationen einer ganz großen Zahl von Menschen kombinieren, sind wir in der Lage, ein Drittel der Unterschiede in der Rindenstruktur auf genetische Varianten zurückzuführen“, sagt Koautor Prof. Andreas Jansen, Neurowissenschaftler an der Philipps-Universität Marburg. „Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung der einzelnen Rindenregionen durch ganz bestimmte Gene beeinflusst wird.“ Originalpublikation: Grasby KL et al.: The genetic architecture of the human cerebral cortex. Science 2020;367:6484.
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