31. Kontinenzkongress: Mit interdisziplinärer Zusammenarbeit gegen scheinbare Tabuthemen26. November 2019 Axel Haferkamp, erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, betont: „Wir als Fachgesellschaft sehen uns in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Versorgung der Menschen mit Harn- und Stuhlinkontinenz und Blasenfunktionsstörungen sicherzustellen und ständig zu verbessern.” Foto: Deutsche Kontinenzgesellschaft Am 22. und 23. November 2019 war Essen die Stadt der Spezialisten für Blasenschwäche und Kontinenzprobleme: Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft hatte zum 31. Kongress eingeladen, dem größten Treffen zu diesen Themen im deutschsprachigen Raum. Das Motto “Voneinander und miteinander lernen” spiegelte sich konkret in einem Programm, das berufsgruppenübergreifend zum interdisziplinären Austausch anregte. Damit hatten die Kongresspräsidenten Prof. Andreas Wiedemann, Witten, und PD Dr. Gert Naumann, Erfurt, offenbar den richtigen Nerv getroffen: Die Deutsche Kontinenzgesellschaft berichtet von rund 1200 Teilnehmern aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie und Pflege. Die zwei kompakten Kongresstage in der Essener Messe – bespielt wurden sieben Räume – waren gefüllt mit wissenschaftlichen Vorträgen, Fortbildungskursen, Workshops und Industriesymposien, moderiert und konzipiert von 115 nationalen und internationalen Referenten. “Immer mehr Betroffene formulieren ihr Leiden” „Die vermeintlichen Tabu-Themen sind hochaktuell“, sagte der Kongresspräsident auf gynäkologischer Seite, PD Dr. Gert Naumann vom Helios Klinikum Erfurt: „Weil sich immer mehr Betroffene trauen, ihr Leiden zu formulieren, weil die Forschung immer effektivere Therapien entwickelt – und ganz besonders auch aufgrund des demografischen Wandels, der zukünftig ganz besondere Herausforderungen gerade auch an unseren medizinischen Sektor stellen wird.“ Der urologische Kongresspräsident Prof. Andreas Wiedemann vom Evangelischen Krankenhaus Witten erklärt: „So wird auch die Betreuung sehr alter Menschen mit Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen stark an Bedeutung gewinnen und alle beteiligten Disziplinen in hohem Maß fordern – das gilt insbesondere auch für die Urogeriatrie. Darauf bereiten wir uns vor. Das zeigte sich auch in den vielen Sitzungen zu diesen Themen.“ Was die beiden Organisatoren sehr freute: „Eine Vielzahl der wissenschaftlichen Kurzvorträge wurde von jungen Kolleginnen und Kollegen eingereicht.“ Fazit der beiden Fachärzte: „Die Zusammenarbeit von Gynäkologen, Urologen, Koloproktologen, Physiotherapeuten und Pflege war bei unserem Kongress gelebte Realität. Kein medizinisches Treffen bietet eine solche Interdisziplinarität und Interprofessionalität, die in Essen besonders intensiv angenommen wurde.“ Prof. Axel Haferkamp vom Universitätsklinikum Mainz, erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, ergänzt: „Wir als Fachgesellschaft sehen uns in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Versorgung der Menschen mit Harn- und Stuhlinkontinenz und Blasenfunktionsstörungen sicherzustellen und ständig zu verbessern. Die Zahl der Kongressteilnehmer und die immer sehr gut besuchten Veranstaltungen zeigen, wie stark der Bedarf an fachübergreifendem Austausch ist. Nur ein Kongress kann ein so kompaktes Angebot an fokussierter Fortbildung, intensivem Wissenstransfer und Netzwerken bieten. Internet-Weiterbildung ersetzt dies nicht.“ Angebote für Physiotherapeuten und Pflegepersonal Entsprechend vielfältig waren die Schwerpunkte. Dazu gehörten auch zahlreiche Veranstaltungen und Beiträge für Physiotherapie und Pflegepersonal, beispielsweise zum Thema „Physiotherapeutische Anwendung von Sonografie“ oder auch der Workshop „Kommunikation mit inkontinenten, schwierigen und fremdkulturellen Patienten“. Großen Anklang fanden auch wieder die Seminare des „Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau“, dem traditionellen Kongresspartner der Kontinenz Gesellschaft, etwa zum Thema „Blasen- und Darmfunktion bei Kindern und Jugendlichen“. In der Veranstaltung „Probleme und Lösungen“ ging es etwa um Studien über wirkungsvolle naturheilkundliche Alternativ-Medikamente zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten anstelle einer Antibiotikagabe. Zu den weiteren Höhepunkten gehörten beispielsweise die Videopräsentationen zu OP-Techniken, der Hands-on-Workshop „Operative Urogynäkologie“, in dem die Teilnehmer innovative Operations-Methoden an Modellen üben konnten, oder die wissenschaftliche Sitzung „Aktuelles aus der Koloproktologie“. Im Mittelpunkt standen darüber hinaus auch die neuen Zertifizierungsbedingungen für Kontinenz- und Beckenbodenzentren sowie das Thema „Beckenbodennetze“, das in verschiedenen Vorträgen medizinisch, wissenschaftlich und gesundheitspolitisch kontrovers behandelt wurde. Arbeiten ausgezeichnet Und es gab auch Grund zum Feiern: Der Preis für den besten Abstract des Kongresses ging dieses Jahr an PD Dr. Günter Noé für sein Thema „Pektopexie: Eine neue Korrekturmethode des apikalen Deszensus; intraoperative Ergebnisse einer prospektiven internationalen Multicenter-Studie“. Mit dem Nachwuchspreis wurde Lucas Wechselberger ausgezeichnet für seinen Abstract „Obstipation und Überaktive Blase – gibt es einen Zusammenhang? Ergebnisse einer urodynamisch kontrollierten Studie unter den Bedingungen einer Rektumdistension“. In der Abschlussveranstaltung stellten sich die kommenden Kongresspräsidenten des 32. Kongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Berlin vor, auch wieder ein interdisziplinäres Dreiergespann: der Urologe Prof. Thomas Enzmann vom Städtischen Klinikum Brandenburg, der Gynäkologe Prof. Ralf Tunn vom St. Hedwig-Krankenhaus Berlin und der Chirurg Prof. Martin E. Kreis von der Charité Universitätsmedizin Berlin. Der 32. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft findet vom 13. bis 14. November 2020 im bbc Berlin Congress Center statt. (Deutsche Kontinenz Gesellschaft / ms)
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