Abnormaler kardialer Metabolismus könnte plötzlichen Herztod vorhersagen12. Juli 2022 Abbildung: ©Richelle – stock.adobe.com Erwachsene mit einem abnormalen Herzstoffwechsel haben ein bis zu dreimal höheres Risiko, lebensbedrohliche Arrhythmien zu erleiden. Mithilfe spezieller MRT-Techniken könnte dieser Zustand erkannt und der plötzliche Herztod vorhergesagt werden, so das Ergebnis einer Studie unter Leitung von Forschern der Johns Hopkins University School of Medicine. Derzeit ist ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) das wichtigste Mittel zur Verhinderung eines plötzlichen Herztodes bei Hochrisikopatienten. Das Gerät überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus und gibt bei Bedarf Elektroschocks ab, um einen regelmäßigen Herzrhythmus wiederherzustellen. Die Batterielebensdauer eines ICD liegt in der Regel zwischen fünf und sieben Jahren. „Über einen Zeitraum von sieben Jahren entladen sich 60 bis 70 Prozent dieser Geräte nie, um ein Leben zu retten“, sagt Dr. T. Jake Samuel, Erstautor der Studie und Facharzt für Kardiologie an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore (USA). „Wir geben jedes Jahr Milliarden von Dollar für ICDs aus, die implantiert werden und mit prozeduralen und postprozeduralen Risiken verbunden sind. Es besteht ein Bedarf an nicht-invasiven Ansätzen, um das Risiko besser einschätzen zu können, wer einen ICD benötigt und wer nicht, um den plötzlichen Herztod bei Menschen zu verhindern.“ Für ihre in „JCI Insight“ publizierte Studie maßen Samuel und Kollegen den Gehalt an Adenosintriphosphat (ATP) in den Herzen von 46 Personen, bevor diese einen ICD zur Primärprävention erhielten. Eingeschlossene Patienten hatten keine Historie signifikanter Arrhythmien aber eine reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF≤35%). Die ATP-Werte im Herzen wurden mit klinischen Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen, wobei eine von Dr. Paul Bottomley, einem Mitautor der Studie, entwickelte Technik der Magnetresonanzspektroskopie (MRS) verwendet wurde, um festzustellen, bei welchen Patienten der ATP-Stoffwechsel gestört war. Alle Patienten wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Jahren alle drei bis sechs Monate nachuntersucht, um festzustellen, bei welchen Patienten der ICD im Rahmen einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung einen korrekten Schock abgegeben hatte. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit einem niedrigen ATP-Spiegel im Herzen und somit einem abnormalen kardialen Metabolismus, ein dreifach höheres Risiko für einen plötzlichen Herztod hatten – sofern sie nicht durch einen ICD-Schock gerettet worden wären – als Menschen mit normalem ATP-Stoffwechsel. Dies war auch dann noch der Fall, wenn man die niedrige linksventrikuläre Auswurffraktion berücksichtigte, die derzeit zur Bestimmung der Notwendigkeit eines ICDs zur Primärprävention herangezogen wird. „Bei etwa 80 Prozent der Personen mit normalen ATP-Werten im Herzen wurde in den zehn Jahren des Studienzeitraums nie ein ICD-Schock benötigt“, berichten Samuel und Kollegen. Sie sagen, dass die Ergebnisse der Studie die derzeitigen Ansätze ergänzen und zu besseren Vorhersagen darüber führen könnten, wer am ehesten einen ICD benötigt oder nicht. Sie betonen jedoch, dass weitere Studien erforderlich sind, um andere und größere Populationen zu untersuchen. „Aber wir sind begeistert von diesen wirklich neuen Erkenntnissen, die wohl die ersten bei Menschen sind, und glauben, dass sie die Art und Weise, wie Ärzte das Risiko eines plötzlichen Herztodes einschätzen, verändern können“, sagt Weiss. „Sobald wir den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und plötzlichem Herztod bestätigt haben, wollen wir untersuchen, welche Medikamente den ATP-Stoffwechsel erhalten und verbessern und ob sie das Risiko für plötzlichen Herztod verringern können.“ (ah)
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