Abnormales Darmmikrobiom bei Kriegsveteranen mit Zirrhose und PTBS mit Kognitionsdefizit verbunden

Dr. Jasmohan Bajaj ist Gastroenterologe und Forscher am McGuire VA Medical Center und der Virginia Commonwealth University in Richmond. (Foto: © Jason Miller)

Eine Studie, an der Kriegsveteranen mit Postraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und Leberzirrhose teilnahmen, deutet auf eine abnormale Mischung aus Darmbakterien als möglichen treibenden Faktor für eine verringerte kognitive Leistung hin – und könnte ein potenzielles Ziel für eine Therapie sein.

Laut Hauptautor Dr. Jasmohan Bajaj ergänzen die neuen Erkenntnisse die substanzielle Evidenz für eine Verbindung zwischen Darmgesundheit und Gehirnfunktion. Der Gastroenterologe unterstreicht, dass die Forschungsergebnisse insbesondere für Menschen mit PTBS und Leberzirrhose Hoffnung bieten – nach Angaben des Wissenschaftlers eine häufige Kombination bei Kriegsveteranen. „Es gibt Raum für Verbesserungen in Bezug auf das Ansprechen auf aktuelle PTBS-Therapien“, sagt Bajaj. „Ein gezieltes Ansprechen der Darmmikrobiota könnte ein wirksames Mittel sein, um die Veränderungen der Darm-Hirn-Achse bei diesen Patienten anzugehen und die kognitive Funktion sowie andere Parameter der geistigen und körperlichen Gesundheit zu verbessern.“

Viele Veteranen mit PTBS leiden auch an einer Leberzirrhose. Häufige Ursachen dafür sind Alkoholmissbrauch, Fettleibigkeit und Hepatitis C. Sowohl die Hepatische Enzephalopathie als Komplikation einer Leberzirrhose als auch eine PTBS können die Wahrnehmung beeinträchtigen. Bei der PTBS kann dies auch trotz einer Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln auftreten.

Die Forscher wollten herausfinden, wie sich ein abnormales Darmmikrobiom unter diesen Bedingungen auswirkt. Zudem wollten sie erforschen, ob Patienten mit Leberzirrhose und PTBS andere Darmmikrobiomprofile aufweisen als Patienten, die zwar an einer Leberzirrhose, nicht aber an einer PTBS leiden. Bajajs Team nahm Stuhlproben von 93 männlichen Veteranen mit Leberzirrhose, von denen etwa ein Drittel an einer PTBS infolge eines Kriegseinsatzes litt. Die anderen Männer waren während ihres Militärdienstes zwar Kämpfen ausgesetzt gewesen, hatten jedoch keine PTBS entwickelt.

Alle Veteranen absolvierten eine Reihe kognitiver Untersuchungen. Die Tests umfassten Reaktionszeiten, räumliche Vorstellung, Gedächtnis und Problemlösung.

Verglichen mit der Gruppe ohne PTBS hatten die Männer mit PTBS eine schlechtere kognitive Leistungsfähigkeit. Diejenigen mit PTBS wiesen zudem ein weniger vielfältiges Darmmikrobiom auf. Dies traf auch dann noch zu, als die Forscher den Schweregrad der Zirrhose, frühere Episoden einer Hepatischen Enzephalopathie, Alkoholkonsum und Psychopharmaka mit in Betracht zogen. Die betroffenen Veteranen neigten zusätzlich zum relativen Mangel an Diversität ihres Darmmikrobioms dazu, potenziell schädlichere Arten von Bakterien wie Enterococcus und Escherichia/Shigella sowie weniger nützliche wie Lachnospiraceae und Ruminococcaceae aufzuweisen.

In der Studie waren höhere Enterokokkenwerte mit einer schlechteren kognitiven Leistung verbunden. Die Ruminococcaceae-Bakterienfamilie war unter anderem mit einer besseren Leistung assoziiert. Ruminococcaceae-Bakterien sind im gesunden Darm häufig und helfen beim Abbau komplexer Kohlenhydrate, zum Beispiel in unverarbeiteten Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Menschen, die sich gesünder ernähren, haben in der Tendenz eine höhere Anzahl dieser Organismen im Darm. Es wurde festgestellt, dass die gleichen Bakterien bei Menschen mit Depressionen seltener vorkommen. Ihre Rolle bei der PTBS ist bislang wenig untersucht worden. Könnte es sein, dass die Psychopharmaka, die häufig zur Behandlung von PTBS eingesetzt werden, die Mikrobiota dieser Patienten beeinflussten?

Die Studie ergab, dass Veteranen mit PTBS ähnliche Darmmikrobiomprofile aufwiesen – unabhängig davon, welche Medikamente sie gegen ihre Erkrankung einnahmen. Dies legt laut den Studienautoren nahe, dass das veränderte Darmmikrobiom auf die PTBS selbst und nicht auf eine medikamentöse Behandlung zurückzuführen ist.

Eine Frage, die in der Studie nicht beantworten werden konnte, war, ob das durch Kriegseinsätze ausgelöste PTBS auch für die bakteriellen Veränderungen verantwortlich war, oder ob diese Veränderungen im Laufe der Zeit auf den chronischen Stress im Zusammenhang mit der PTBS zurückzuführen waren.

Laut Bajaj ist es schwierig, diese Frage zu beantworten, ohne entsprechende Personen über viele Jahre hinweg zu beobachten – und zwar vom Beginn ihres Einsatzes an – und regelmäßig Proben ihres Darmmikrobioms zu untersuchen. Eine solche Studie wäre schwierig durchzuführen. In jedem Fall hält Bajaj es für möglich, dass die Wiederherstellung eines gesunden, normalen Gleichgewichtes der Darmmikrobiota zur Linderung der PTBS-Symptome beiträgt – insbesondere, wenn auch eine Zirrhose im Spiel ist. Diese Vermutung müsse jedoch in Studien bestätigt werden.

„Es muss mehr geforscht werden, auch in grundlegenden Labor- und klinischen Studien, um zu verstehen, ob Therapien, die die Darmflora verändern können, diesen Patienten helfen und welche spezifischen Arten von Bakterien am vorteilhaftesten sind“, sagt Bajaj. Er nannte probiotische Ergänzungsmittel oder fäkalen Mikrobiomtransfer als zwei mögliche Therapieansätze.