Acetylsalicylsäure und Melanom: Verlängertes allgemeines Überleben?

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Kürzlich erregte eine Studie mediale Aufmerksamkeit, die davon berichtete, dass eine regelmäßige, tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure das Risiko von Männern, am Malignen Melanom zu erkranken, nahezu verdoppelt.

Die Autoren der vorliegenden Studie wiederum konnten zeigen, dass die (postdiagnostische) Einnahme von Acetylsalicylsäure möglicherweise zu einem Überlebensvorteil bei Melanompatienten führt. Als Hintergrund für ihre Studie führen sie an, dass in Mausmodellen gezeigt werden konnte, dass tumorassoziierte Prostaglandine und Thrombozyten zur Melanomprogression und zur Immunevasion beitragen. Die Dermatologen der Johns-Hopkins-Klinik führten hierzu eine retrospektive Kohortenstudie mit 1522 Patienten durch, die zwischen den Jahren 2000 und 2014 eine Melanom-Diagnose erhielten und bis September 2016 nachuntersucht wurden.

Die univariate Analyse der Daten (nach Adjustierung bezüglich Alter, Geschlecht, Tumorstadium und Behandlungsmodalitäten) ergab, dass die Einnahme von Acetylsalicylsäure mit einem verlängerten allgemeinen Überleben assoziiert ist (Risikoquotient 0,58; 95 % Konfidenzintervall, 0,45-0,75). Die Einnahme von Aspirin war jedoch nicht mit einer verbesserten Überlebensrate assoziiert, wenn es sich um in situ oder Stadium I Melanome handelte; der positive Zusammenhang für eine bessere Überlebensrate zeigte sich bei Melanomen im Stadium II (Risikoquotient 0,45; 95 % Konfidenzintervall, 0,24-0,82) und Stadium III (Risikoquotient 0,57; 95 % Konfidenzintervall; 0,34-0,96). Hinsichtlich der Überlebensrate von Patienten mit Melanom im Stadium IV ergab sich keine statistische Signifikanz (Risikoquotient 0,55; 95 % Konfidenzintervall, 0,27-1,13).

Melanom-Patienten wiederum, die vor der Diagnose regelmäßig Aspirin einnahmen, wiesen eine geringere Wahrscheinlichkeit auf, eine Stadium III- oder Stadium IV-Diagnose zu erhalten. Die Aussagekraft der Untersuchung sei eingeschränkt, da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, schreiben die Autoren; jedoch könne nach ihrer Berechnung die Einnahme von Aspirin zu einem Überlebensvorteil führen. Für eindeutige Aussagen bezüglich des therapeutischen Potenzials von ASS bedürfe es weiterer Studien.