Adipositas begünstigt die Entstehung von Leukämie – Kombinationstherapie zeigt präklinisches Potenzial

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US-Forschende haben neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Adipositas die Entstehung von Leukämie begünstigt. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich dieser Mechanismus möglicherweise mit bereits verfügbaren Medikamenten gezielt beeinflussen lässt.

Adipositas ist offenbar nicht nur ein Risikofaktor für bestimmte Blutkrebserkrankungen, sondern kann deren Entstehung und Fortschreiten aktiv fördern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der Indiana University School of Medicine (USA). Im Mausmodell ließ sich das Leukämiewachstum durch die Kombination eines GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) mit einem IL-17A-Hemmer deutlich reduzieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.

Chronische Entzündung begünstigt Leukämiewachstum

Für die Studie analysierten die Forschenden elektronische Gesundheitsdaten von mehr als 440.000 Teilnehmenden der UK Biobank und ergänzten diese durch Untersuchungen in Mausmodellen. Den Daten zufolge waren ein erhöhter BMI und größeres Taille-zu-Größe-Verhältnis mit einem erhöhten Risiko für eine myeloische Leukämie assoziiert. Die mechanistischen Untersuchungen zeigten, dass Adipositas einen Zustand der chronischen Entzündung hervorruft, der das Wachstum mutierter blutbildender Stammzellen beschleunigt.

„Diese Studie liefert ein grundlegend neues Verständnis dafür, wie Stoffwechselerkrankungen – insbesondere Adipositas – die Entstehung und das Fortschreiten von Leukämien direkt beeinflussen können“, erklärt Prof. Reuben Kapur, Co-Erstautor der Studie. Demnach sei Adipositas nicht lediglich ein passiver Risikofaktor. Vielmehr treibe sie den Krebs aktiv voran und verbinde Stoffwechsel, Entzündung und Krebs miteinander.

Bereits verfügbare Medikamente als neue Therapieoption

Charakteristisch für dieses entzündliche Milieu waren erhöhte Konzentrationen des proinflammatorischen Zytokins IL-17A sowie eine verminderte Expression des GLP-1-Rezeptors. Beide Signalwege lassen sich mit bereits verfügbaren Wirkstoffen pharmakologisch beeinflussen.

Im Rahmen der Studie testeten die Wissenschaftler eine Kombination aus Anti-IL-17A-Antikörpern, die derzeit zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, und GLP-1-RA, wie sie derzeit für Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt werden. Im Mausmodell führte die Kombination beider Therapieansätze zu einer Verringerung der Leukämielast und gleichzeitig zu einer Verbesserung der Immunfunktion bei adipösen Mäusen.

„Beide Therapieformen sind bereits verfügbar und es liegen etablierte Sicherheitsprofile vor. Unsere Ergebnisse eröffnen nun die Möglichkeit, diese Medikamente allein oder in Kombination zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei Hochrisiko-Patient:innen mit myeloischen Leukämien einzusetzen“, erläutert Assistenz-Prof. Santhosh K. Pasupuleti, Co-Seniorautor der Studie. Eine solche Strategie könnte das Fortschreiten der Leukämie verlangsamen, gleichzeitig die Stoffwechselgesundheit verbessern und die körpereigene antitumorale Immunantwort stärken.

Klinische Studien geplant

Als nächsten Schritt planen die Forschenden klinische Studien, um zu untersuchen, ob die Kombination aus IL-17A-Inhibitoren und GLP-1-RA auch bei Patient:innen mit adipositasassoziierten Leukämien sicher und wirksam ist. Darüber hinaus soll untersucht werden, welche Patientengruppen besonders von diesem Therapieansatz profitieren und ob sich das Konzept auch auf andere Tumorerkrankungen übertragen lässt.

Dass Stoffwechselstörungen Immunreaktionen so verändern können, dass sie die Tumorprogression fördern, könnte auch für andere Krebserkrankungen von Bedeutung sein. Nach Ansicht der Autor:innen könnten stoffwechselbasierte Interventionen daher künftig eine wichtige Rolle in der Krebsprävention und Krebstherapie spielen.

(mkl/BIERMANN)