Adipositas-Chirurgie bei adipösen Diabetikern senkt Risiko für Pankreaskarzinom deutlich

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Die Analyse eines Zeitraumes von 20 Jahren, die kürzlich beim diesjährigen Kongress UEG Week Virtual 2020 vorgestellt wurde, hat ergeben, dass bariatrische Eingriffe bei adipösen Diabetikern das Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, signifikant mindert.

Für die Studie wurden Daten von 1.435.350 Patienten mit Diabetes und Adipositas ausgewertet. Insgesamt 10.620 der Studienteilnehmer hatten sich einem bariatrischen Eingriff unterzogen. Die Autoren stellten fest, dass die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms signifikant geringer war, wenn die die Patienten sich einer Adipositas-Chirurgie unterzogen hatten (Prävalenz von 0,32% vs. 0,19%; p<0,05). Mit 73 Prozent war die Mehrheit der Operierten in dieser Studie weiblich.

Hauptautor Dr. Aslam Syed von der Abteilung für Gastroenterologie des Allegheny Health Network in Pittsburgh (USA) erklärte: „Adipositas und Diabetes sind bekannte Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs, durch eine chronische Entzündung sowie ein Übermaß von Hormonen und Wachstumsfaktoren, die vom Körperfett exprimiert werden. In der Vergangenheit ist bereits gezeigt worden, dass ein bariatrischer Eingriff bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel verbessert. Unsere Studie illustriert nun, dass eine solche Operation ein praktikabler Weg ist, um das Risiko für ein Pankreaskarzinom in dieser wachsenden Risikogruppe zu senken.“

In der EU sind die Zahlen für Bauchspeicheldrüsenkrebs in den Jahren 1990-2016 um fünf Prozent gestiegen – der höchste Anstieg unter den häufigsten Krebserkrankungen in der EU. Es wird erwartet, dass das Pankreaskarzinom in naher Zukunft die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen werden wird. Man schätzt, dass insgesamt 46.200 Menschen im Jahr 2020 in Europa daran sterben werden, verglichen mit 42.200 Todesfällen, die im Jahr 2015 dokumentiert wurden. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Anstieg der Fallzahlen von den zunehmenden Zahlen von Adipositas und Typ-2-Diabetes gefördert wird.

Die Adipositasraten wachsen in Europa nach wie vor rasch und in besorgniserregender Weise – es ist kaum zu hoffen, dass sie sinken oder ein Plateau erreichen werden. Mehr als die Hälfte (52%) der erwachsenen EU-Bevölkerung ist entweder übergewichtig oder adipös, mit wachsenden Raten auch unter Kindern.

Syed betont, wie wichtig die Prävention des Pankreaskarzinoms ist, auch angesichts des Mangels an Verbesserungen in Bezug auf das Überleben der Betroffenen innerhalb von vier Jahrzehnten. „Das durchschnittliche Überleben zum Zeitpunkt der Diagnose ist bei diesem stillen Killer besonders schlecht und beträgt nur 4,6 Monate. Die Patienten verlieren 98 Prozent ihrer Lebenserwartung im Gesunden. Nur drei Prozent der Betroffenen überleben länger als fünf Jahre.“

„Ärzte sollten bei Patienten mit Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Diabetes in Erwägung ziehen, um zur Reduktion des Risikos und der Last durch Bauchspeicheldrüsenkrebs beizutragen“, fügt Syed hinzu.