Adipositas-Chirurgie: BMI und Körpergewicht vor der Operation lassen Rückschlüsse auf die Ergebnisse zu20. Juni 2022 Foto: © staras/stock.adobe.com Neue Forschungsergebnisse, die Anfang Juni auf dem diesjährigen Euroanaesthetic Congress in Mailand (Italien) vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass der präoperative Body-Mass-Index (BMI) und das Körpergewicht vor Adipositas-Chirurgie eine wichtige Rolle bei den Outcomes spielen. Die Studie von Dr. Michael Margarson und Kollegen vom St. Richard’s Hospital, Chichester (Großbritannien) bestätigt die seit Langem vorherrschende Ansicht, dass perioperative Todesfälle und eine Aufnahme auf eine Intensivstation bei Patienten mit dem höchsten Körpergewicht und dem höchsten BMI signifikant wahrscheinlicher sind. „Chirurgische Eingriffe gehören zu den erfolgreichsten Methoden, um Menschen mit schwerer Adipositas beim Abnehmen zu helfen, aber leider treten bei einigen Patienten Komplikationen auf“, erklärte Margarson. „Obwohl das absolute Sterberisiko nach einer bariatrischen Operation sehr gering ist – insgesamt weniger als ein Patient von 500 –, zeigen unsere Ergebnisse aus einem britischen Krankenhaus eine starke Verbindung zwischen Patienten in den höchsten zehn Prozent des präoperativen BMI (>62 kg/m2) und des Körpergewichtes (>182 kg) und bestätigen ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Aufnahme auf eine Intensivstation und Tod innerhalb von 30 Tagen nach der Operation.“ Bisher war nicht klar, wie der BMI und das Körpergewicht vor einer solchen Operation das Komplikations- und Mortalitätsrisiko nach dem Eingriff beeinflussen. Um mehr darüber zu erfahren, analysierten die Forschenden Daten von 4170 Erwachsenen (Durchschnittsalter 44 Jahre, 78% Frauen), die sich zwischen 2006 und 2020 einer Operation zur Gewichtsabnahme (Schlauchmagen, Magenbypass, Biliopankreatische Diversion oder Magenband) im St. Richard’s Hospital in Chichester unterzogen hatten. BMI-Daten waren für alle Patienten verfügbar, genaue Informationen zum Körpergewicht aber für 85 Prozent (3545 Patienten). Die Teilnehmenden wurden basierend auf ihrem BMI und präoperatven Körpergewicht in Dezile eingeteilt. Anschließend analysierten die Wissenschaftler die Unterschiede bezüglich einer postoperativen Aufnahme auf die Intensivstation und der Mortalität innerhalb von 30 Tagen. Acht Patienten mit Adipositaschirurgie verstarben innerhalb eines Monats nach der Operation, vier nach Verlassen des Krankenhauses. Dennoch war die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten im höchsten BMI-Dezil (˃62 kg/m2) innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff verstarben, mehr als fünfmal höher als bei den übrigen 90 Prozent – obwohl Todesfälle absolut gesehen selten waren. Die statistische Analyse zeigt, dass die Teilnehmenden im höchsten BMI-Dezil (>62 kg/m2) mit zwölfmal höherer Wahrscheinlichkeit auf die Intensivstation aufgenommen wurden als diejenigen aus dem niedrigsten Dezil (<39 kg/m2), während die Raten für die Aufnahme auf die Intensivstation in der höchsten Gewichtskategorie (>182 kg) im Vergleich zur niedrigsten (<105 kg) fast 16-mal höher waren (0,8% vs. 13,3%). „Wir vermuten, dass es einen Selektions-Bias in Richtung einer elektiven Aufnahme adipöserer Patienten geben könnte“, erklärt Margarson. „Daher wird der nächste Schritt dieser Analyse sein, dringend zur Behandlung aufgenommene Patienten von semi-elektiven Aufnahmen zu trennen.“ Die Autoren räumen ein, dass es sich bei ihren Ergebnissen um solche aus einer reinen Beobachtung handelt und sie nur Patienten aus einer Institution untersucht haben. Die Wissenschaftler raten daher zur Vorsicht bei einer Verallgemeinerung auf die allgemeine Bevölkerung. Sie weisen auf mehrere Einschränkungen hin, einschließlich möglicher Selektionsverzerrungen, und stellen fest, dass sie die Möglichkeit nicht ausschließen können, dass andere nicht gemessene Faktoren (einschließlich sozioökonomischer Status, ethnische Zugehörigkeit, Rauchen) oder fehlende Daten (z.B. Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität) die Ergebnisse beeinflusst haben könnten.
Mehr erfahren zu: "Verändertes Mikrobiom: Mundbakterien spielen eine Rolle bei chronischer Lebererkrankung" Verändertes Mikrobiom: Mundbakterien spielen eine Rolle bei chronischer Lebererkrankung Wissenschaftler haben deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei chronischer Lebererkrankung Bakterien aus dem Mund den Darm besiedeln. Die Forschenden haben auch aufgedeckt, wie sich dadurch das Krankheitsbild verschlechtern kann.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]
Mehr erfahren zu: "Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken" Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die […]