Adipositas in der Schwangerschaft: Darum haben übergewichtige Frauen mehr Risiken26. Februar 2026 Adipositas ist bei Frauen in der Schwangerschaft mit zusätzlichen Risiken verbunden. Symbolbild: Maksym/stock.adobe.com Etwa jede sechste schwangere Frau hat einen BMI von 30 oder darüber. Das hat Konsequenzen für die Geburtshilfe. Denn bei Frauen mit Adipositas gibt es zusätzliche Risiken, die bei der Betreuung der Schwangerschaft und der Geburt zu berücksichtigen sind. Prof. Markus Schmidt, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Sana Kliniken Duisburg, ist Experte für Adipositas in der Geburtshilfe. Er erklärt die Risiken: „Frauen mit Adipositas haben im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen ein erhöhtes Risiko für Totgeburten, benötigen häufiger einen Kaiserschnitt und erleben öfter erfolglose Geburtseinleitungen. Das stellt für die betroffenen Frauen eine große körperliche und seelische Belastung dar.“ Eingeschränkte Funktion der Plazenta Bei Frauen mit Adipositas ist die Plazenta häufig nicht ausreichend leistungsfähig. Denn typischerweise besteht eine erhöhte Insulinresistenz, die die Entwicklung der Plazenta negativ beeinflussen kann. In Kombination mit weiteren Begleiterkrankungen, zunehmendem Alter und einem ungesunden Lebensstil kann sich dies ungünstig auf den Geburtsverlauf auswirken. „Wichtig ist, dass wir niemanden ängstigen wollen“, betont Schmidt. „Das Risiko ist zwar erhöht, insgesamt jedoch gering. Dennoch ist mir eine umfassende Aufklärung und die sorgfältige Dokumentation der Krankengeschichte sehr wichtig, damit keine Begleiterkrankungen übersehen werden. Auch dann nicht, wenn sie den Betroffenen zunächst für die Geburt unwichtig erscheinen.“ Auf Basis der individuellen Gesamtsituation empfiehlt der Spezialist manchen Frauen mit Adipositas eine aktive Geburtseinleitung. Geburtseinleitung dauert länger als üblich Übergewichtige Frauen benötigen in der Regel deutlich mehr Zeit bis zum Einsetzen der Wehen als normalgewichtige Frauen. Die übliche medizinische Definition einer erfolglosen Einleitung („Failed Induction“) ist daher in diesen Fällen oft nicht anwendbar. „Bei Frauen mit Adipositas sind drei bis vier Tage für eine Geburtseinleitung normal. Das erkläre ich im Gespräch mit den Patientinnen sehr genau, um unrealistischen Erwartungen vorzubeugen. Manche Frauen gehen davon aus, dass ihr Kind innerhalb eines Tages nach der Medikamentengabe geboren wird. So schnell verläuft dieser Prozess in der Regel nicht“, erklärt Schmidt. Eine Geburtseinleitung ist ein Vorgang über Tage, nicht über Stunden. Erst wenn am Ende dennoch ein Kaiserschnitt notwendig wird, spricht man tatsächlich von einer erfolglosen Einleitung. Da aussagekräftige Studien fehlen, gibt es bislang keine eindeutige Empfehlung, welche Methoden der Geburtseinleitung für adipöse Schwangere am besten geeignet sind. Mehr Zeit statt höherer Dosierung Bei Frauen mit Adipositas ist meist Geduld der entscheidende Faktor für einen erfolgreichen Geburtsverlauf. Ärztinnen und Ärzte sollten nicht direkt mit einer höheren Medikamentendosierung beginnen, sondern zunächst die Standarddosierung anwenden. Führt diese nicht zum gewünschten Erfolg, kann die Dosis nach entsprechender Aufklärung der Patientin vorsichtig gesteigert werden. Voraussetzung dafür ist eine engmaschige medizinische Überwachung. Lesen Sie mehr zum Thema Adipositas: Klinische Adipositas: Große Mehrheit der Betroffenen erfüllt Kriterien Cochrane-Review: Intervallfasten möglicherweise nicht besser als andere Diäten
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