Schilddrüsenhormon T3 mindert Rezidivrisiko bei Medulloblastomen

Strukturformel von Triiodothyronin. (Foto: © molekuul.be – stock.adobe.com)

Die Gabe des Schilddrüsenhormons Triiodthyronin (T3) nach einer Chemotherapie kann das Wachstum von Medulloblastomen signifikant unterdrücken und Rezidive verhindern. Darauf deuten die Ergebnisse präklinischer Studien hin.

Obwohl moderne Behandlungsstrategien aus Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie bei vielen Kindern mit Medulloblastom lebensrettend sind, bleibt das Risiko eines Rückfalls hoch: Bei bis zu 30 Prozent der Patienten kehrt der Tumor nach der Behandlung zurück. Ein Team des Fox Chase Cancer Center in Philadelphia (USa) verfolgt nun einen neuen Ansatz, um verbleibende Tumorzellen an der Vermehrung zu hindern.

Differenzierung statt Zellteilung

Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie, die darauf abzielt, sich schnell teilende Zellen direkt zu töten und dabei oft auch gesundes Gewebe schädigt, setzt die neue Strategie auf die sogenannte Differenzierungstherapie. Hierbei wird das bereits zur Behandlung von Schilddrüsenunterfunktionen zugelassene Hormon T3 genutzt, um die Tumorzellen zur Reifung in einen normalähnlichen Zustand zu bewegen. In diesem differenzierten Zustand stellen die Zellen ihre Teilung ein und verlieren ihr Potenzial, ein erneutes Tumorwachstum oder ein Rezidiv voranzutreiben.

Synergistische Effekte in der Kombinationstherapie

Die in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy Oncology“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Kombination aus Chemotherapie und anschließender T3-Gabe der alleinigen Chemotherapie deutlich überlegen war. In Labor- und Tiermodellen führte dieser duale Ansatz zu folgenden Ergebnissen:

  • Das Tumorwachstum wurde effektiver unterdrückt.
  • Die Chemotherapie-Dosis konnte bei gleichbleibender Wirksamkeit reduziert werden.
  • Tumorrezidive nach Behandlungsende wurden markant unterdrückt.
  • Die Therapie zeigte auch Wirksamkeit gegen chemoresistente Tumorzellen. In Mausmodellen führte die Gabe von T3 nach der Chemotherapie zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit.

Management von Nebenwirkungen und klinische Perspektive

Da die Sicherheit einer Therapie bei pädiatrischen Patienten oberste Priorität hat, untersuchten die Forscher auch potenzielle Nebenwirkungen der Behandlung. Hohe T3-Dosen können vorübergehend die Herzfrequenz erhöhen. Die Studie zeigte jedoch, dass dieser Effekt mild und kurzzeitig war und sich durch die zusätzliche Gabe des Betablockers Propranolol effektiv kontrollieren ließ, ohne die antitumorale Wirkung von T3 zu beeinträchtigen.

Da T3 ein kostengünstiges, bereits zugelassenes und gut erforschtes Medikament ist, könnte der Transfer in die klinische Praxis zügig erfolgen, sind die Forschenden optimistisch. Eine multizentrische klinische Studie unter der Leitung des Pediatric Neuro-Oncology Consortium ist bereits angelaufen, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Strategie bei Kindern mit Medulloblastom zu validieren. Ziel ist es, den betroffenen Kindern durch die Kombination aus Zellabtötung und Wachstumsstopp eine bessere Chance auf ein langfristiges Überleben bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen zu bieten.