Adipositas und Rheuma: Entzündliche Veränderungen im Immunsystem sind umkehrbar7. September 2026 Bild: 순단 강/stock.adobe.com Leipziger Forschende fanden im Blut von Menschen mit Adipositas dieselben entzündungsfördernden Immunzellen vermehrt wie bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis. Nach einer Magenband-Operation und starkem Gewichtsverlust bildeten sich die Veränderungen weitgehend zurück. Die Ergebnisse zeigen einen immunologischen Zusammenhang zwischen Adipositas und rheumatoider Arthritis (RA) – und werfen neue Fragen für die Behandlung auf. Prof. Ulf Wagner, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) und Leiter des Bereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig, stellte die Erkenntnisse auf der Online-Vorab-Pressekonferenz am 2. September anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2026 vor. Proinflammatorische Immunzellen im Fokus Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen sogenannte intermediäre Monozyten, eine besonders proinflammatorische Untergruppe von Immunzellen. Bei rheumatoider Arthritis kommen diese Zellen vermehrt vor. Sie fördern die Bildung von TH17-Zellen, die für Gelenkentzündung und Knochenabbau zentral sind. Untersuchungen an insgesamt 100 fettleibigen oder normalgewichtigen Menschen zeigten: Auch bei Adipositas verschiebt sich die Zusammensetzung der Monozyten zugunsten dieser Untergruppe von Zellen.1 Die Veränderung hing unter anderem mit Body-Mass-Index (BMI), Körperfettanteil, Bauchumfang, Blutfetten und Langzeitblutzucker zusammen. „Dass sich bei Adipositas und rheumatoider Arthritis dieselbe entzündungsfreudige Zellpopulation vermehrt, weist auf eine mögliche gemeinsame Stellschraube hin“, betont Wagner. Gewichtsverlust verändert auch die Immunzellen Um dies zu untersuchen, begleiteten die Leipziger Forschenden über zwölf Monate 111 Patient:innen nach einer bariatrischen Operation (Magenverkleinerung). Bei einem mittleren Gewichtsverlust von rund 45 Kilogramm bildete sich die erhöhte Zahl der Monozyten zurück. Auch der Entzündungsmarker CD16 nahm ab; parallel sanken die Entzündungswerte, der Langzeitblutzucker und die Blutfette. „Die entzündliche Prägung des Immunsystems bei Adipositas ist kein irreversibler Schaden. Sie lässt sich zurückdrehen“, sagt Wagner. Wie viel Gewichtsverlust dafür notwendig ist, ist noch unbekannt: In einer niederländischen Vergleichsstudie führte eine geringere Gewichtsabnahme durch ein Lebensstilprogramm nicht zu einer Normalisierung der Monozyten.2 Welche Auswirkungen neue Abnehmmedikamente auf diese Immunprozesse haben könnten, ist laut Wagner auch noch eine ungeklärte Frage. Entzündung als neues Behandlungsziel? Die Leipziger Forschenden gehen nun der Frage nach, ob eine entzündungshemmende Therapie bei Adipositas auch den Stoffwechsel verbessert. Geplant ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 200 Menschen mit Adipositas und Insulinresistenz – mit und ohne rheumatoide Arthritis. Dabei soll geprüft werden, ob eine Behandlung mit dem Entzündungshemmer Colchicin beziehungsweise eine Interleukin-1-Blockade die Insulinempfindlichkeit verbessert. „Sollte sich die Hypothese bestätigen, wäre die bei Adipositas auftretende chronische Entzündungsreaktion nicht allein eine Begleiterscheinung, sondern ein eigenständiges Behandlungsziel. Dann könnte die Rheumatologie mit ihren entzündungshemmenden Therapien möglicherweise auch zur Behandlung von Stoffwechselstörungen beitragen“, so Wagner. Literatur: [1] Krasselt M et al. Bariatrische Chirurgie und der daraus resultierende Gewichtsverlust führen zu einer Normalisierung der peripheren Blutmonozytose bei Adipositas. Int J Obes 50, 1742–1750 (2026).[2] van der Valk ES et al. Monocyte adaptations in patients with obesity during a 1.5 year lifestyle intervention. Front Immunol 2022;17;13:1022361.
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