Adipositaschirurgie erhöht langfristige Chancen auf Remission eines Typ-2-Diabetes deutlich

Bild KI-generiert mit Gemini

Eine metabolisch-bariatrische Operation erhöht bei Menschen mit Typ-2-Diabetes offenbar deutlich die langfristige Chance auf eine Diabetesremission. In einer Langzeitstudie erreichten diese mehr als die Hälfte der operierten Teilnehmenden ohne blutzuckersenkende Medikamente. Auch Faktoren, die den langfristigen Behandlungserfolg beeinflussen, konnten identifiziert werden.

Die metabolisch-bariatrische Chirurgie ist bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit für eine Diabetesremission verbunden als eine intensive medikamentöse Therapie in Kombination mit Lebensstilinterventionen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Alliance of Randomized Trials of Medicine vs. Metabolic Surgery in Type 2 Diabetes (ARMMS-T2D)“, die im Fachjournal „Diabetes Care“ der American Diabetes Association (ADA) veröffentlicht wurde.

58 Prozent erreichen Diabetesremission nach Operation

Die Forschenden werteten die Daten von insgesamt 262 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus (68 % weiblich; mittleres Alter 49,9 Jahre). Davon waren 166 Teilnehmende einer metabolisch-bariatrischen Operation und 96 einer medikamentösen Behandlung einschließlich Lebensstilinterventionen zugeteilt worden. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug elf Jahre, einzelne Teilnehmende wurden bis zu 14 Jahre lang beobachtet.

Als Diabetesremission definierten die Forschenden einen HbA1c-Wert unter 6,5 % ohne die gleichzeitige Einnahme blutzuckersenkender Medikamente. Dieses Kriterium erfüllten 58 Prozent der Teilnehmenden in der Operationsgruppe. In der Vergleichsgruppe erreichten lediglich drei Prozent eine Remission.

Neben dem deutlichen Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen untersuchte das Forschungsteam außerdem, welche Patienten besonders von einer metabolisch-bariatrischen Operation profitierten. In den multivariablen Analysen erwiesen sich insbesondere die Diabetesdauer vor Behandlungsbeginn, die Insulintherapie und die Gewichtsveränderung innerhalb des ersten Jahres als relevante Prädiktoren für eine Remission.

Diabetesdauer und Vorbehandlung beeinflussen Erfolgschancen und Rezidivrisiko

So war eine kürzere Dauer der Diabeteserkrankung mit einer höheren Remissionswahrscheinlichkeit verbunden, ebenso wie ein größerer Gewichtsverlust im ersten Jahr nach der Intervention. Auch Patienten, die vor dem Eingriff kein Insulin benötigten und mit weniger unterschiedlichen Klassen blutzuckersenkender Medikamente behandelt wurden, erreichten häufiger eine Remission.

Umgekehrt erhöhte eine längere Diabetesdauer vor dem Eingriff das Risiko für ein erneutes Auftreten des Typ-2-Diabetes nach zunächst erreichter Remission. Auch die Einnahme einer größeren Zahl unterschiedlicher Klassen blutzuckersenkender Medikamente vor der Intervention war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten der Erkrankung assoziiert.

Damit unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Therapieentscheidung. Eine kürzere Krankheitsdauer und ein geringerer medikamentöser Behandlungsbedarf könnten darauf hinweisen, dass noch bessere Voraussetzungen für eine langfristige Remission bestehen. Eine langfristige Kontrolle der Stoffwechsellage bleibt deshalb erforderlich.

Adipositaschirurgie nicht erst als Ultima Ratio

Die ARMMS-T2D-Studie gilt als bislang größte und am längsten laufende Untersuchung zur metabolischen Chirurgie bei Typ-2-Diabetes. Die aktuelle Publikation basiert auf der gemeinsamen Auswertung mehrerer zuvor randomisierter Studien und ermöglicht damit einen langfristigen Vergleich zwischen operativen und nicht operativen Behandlungsstrategien.

„Seit Jahren gehört zu den wichtigsten Fragen in der Diabetologie, ob die metabolischen Vorteile der Adipositaschirurgie langfristig Bestand haben“, erklärt Dr. John P. Kirwan vom Harold Hamm Diabetes Center am University of Oklahoma Health Campus (USA). Er begleitet die Studie seit ihren Anfängen und hat die wissenschaftliche Gesamtleitung inne.

Die aktuellen Ergebnisse lieferten hierzu eine belastbare Antwort. Die Identifizierung von Patienten, die besonders wahrscheinlich eine anhaltende Remission erreichen, könne dazu beitragen, geeigneten Betroffenen die operative Behandlung früher anzubieten, anstatt sie erst als letzte Therapieoption in Betracht zu ziehen.

Redaktioneller Hinweis: Die Studienergebnisse belegen keine generelle Überlegenheit der Operation für jeden Menschen mit Typ-2-Diabetes. Die individuelle Eignung, mögliche Operationsrisiken und die langfristigen Behandlungsperspektiven müssen weiterhin im Rahmen einer interdisziplinären sowie individuellen Therapieentscheidung berücksichtigt werden.

(mkl/BIERMANN)

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