Fettlebererkrankungen: LITMUS-Studie liefert umfassenden Vergleich von diagnostischen Bluttests

Bild KI-generiert mit Gemini

Eine internationale LITMUS-Studie zeigt, dass moderne Bluttests eine zuverlässige, nicht invasive Diagnose fortgeschrittener Stadien der metabolisch bedingten Fettlebererkrankung (MASLD) ermöglichen könnten. Besonders bei der Erkennung einer fortgeschrittenen Leberfibrose und Leberzirrhose erzielten mehrere Verfahren vielversprechende Ergebnisse.

Mehrere Bluttests haben das Potenzial, eine fortgeschrittene Leberfibrose und eine Leberzirrhose zuverlässig und frühzeitig zu erkennen. Das zeigt ein umfassender Vergleich von mehr als 30 Biomarker und Testkombinationen im Rahmen der internationalen LITMUS-Studie. Das Ziel dabei war es, eine nicht invasive Diagnosemöglichkeit der metabolisch bedingten Fettlebererkrankungen (MASLD) zu finden. Die Ergebnisse wurden jüngst in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

30 Biomarker und Testkombinationen analysiert

Die zuverlässige Beurteilung der MASLD ist entscheidend, um das Krankheitsstadium einzuschätzen, geeignete Behandlungen einzuleiten und den Verlauf einer Therapie zu kontrollieren. Bislang ist dazu häufig eine Leberbiopsie nötig. Neu entwickelte Bluttests haben das Potenzial, künftig eine alternative Möglichkeit zu bieten, den Zustand der Leber nicht invasiv und preiswert in der breiten Bevölkerung zu beurteilen.

Die LITMUS (Liver Investigation: Testing Marker Utility in Steatohepatitis)-Studie liefert hierfür eine umfassende Datengrundlage: Verglichen wurden 12 einzelne Biomarker und 18 Marker-Panels für die Diagnose der MASLD und ihrer fortgeschrittenen Erkrankung, der metabolisch bedingten Steatohepatitis (MASH). Dabei wurden die Daten von 1.590 Patient:innen ausgewertet, deren MASLD durch eine Leberbiopsie exakt diagnostiziert worden war.

Bei 609 Patienten (38%) lag eine „at-risk MASH“ vor, 678 (43%) hatten eine MASH. Außerdem litten 585 (37%) Patienten an einer fortgeschrittenen Fibrose und weitere 164 (10%) an einer Leberzirrhose. Die Teilnehmenden wurden zwischen 2018 und 2023 in 37 Leberzentren in 13 Ländern Europas und der USA aufgenommen.

Überzeugende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Stadien

Für die Diagnose von at-risk MASH erzielte lediglich der proteomische Bluttest SomaSignal das Mindestakzeptanzkriterium (MAC; AUC > 0,80). Auch für die Diagnose einer fortgeschrittenen Fibrose zeigte SomaSignal die höchste Leistungsfähigkeit (AUC = 0,92), gefolgt von FibroMeter-VCTE (AUC = 0,87) und Agile 3+ (AUC = 0,84). Letztere Verfahren kombinieren blutbasierte Leber- und klinische Parameter mit einer Bildgebung (Elastographie). Auch bei der Diagnose einer Leberzirrhose schnitten diese drei Tests am besten ab: FibroMeter-VCTE vorne weg (AUC = 0,94), gefolgt von SomaSignal (AUC = 0,92) und Agile 3+ (AUC = 0,88).

Neben diesen aufwendigeren Kombinationen zeigte insbesondere der Einzelmarker Thrombospondin-2 (TSP2) vielversprechende Ergebnisse. TSP2 ist ein Bindegewebsprotein, dessen Konzentration im Blut verlässliche Hinweise auf fibrotische Veränderungen des Lebergewebes mit dem Risiko einer Zirrhose-Entwicklung gibt.

Sowohl bei der Diagnose einer fortgeschrittenen Leberfibrose als auch einer Leberzirrhose lag seine Leistungsfähigkeit bei einer AUC von 0,84. Für die Leberfibrose rangiert er damit gleichauf mit Agile 3+ auf dem dritten Platz, für die Leberzirrhose reiht er sich zusammen mit zwei weiteren Kandidaten auf dem sechsten Platz ein. TSP2 zählt damit zu den aussichtsreichen blutbasierten Einzelmarkern zur Beurteilung von fortgeschrittener Leberfibrose und at-risk MASH.

TSP2 als vielversprechender Einzelmarker

An der Entwicklung und Untersuchung dieses neuen Serum-Biomarkers TSP2 waren auch Forschende vom Institut für Translationale Immunologie (TIM) der Universitätsmedizin Mainz maßgeblich beteiligt. „Im Vergleich zu komplexen Kombinationstests könnte ein solcher Einzelmarker perspektivisch einfacher in bestehende Laborabläufe integriert werden“, erklärt Prof. Detlef Schuppan, Direktor des TIM. Das TIM und die Universitätsmedizin Mainz haben bereits zuvor gemeinsam zwei internationale Biomarkerpatente gesichert, darunter für TSP2 und für TSP2 gemeinsam mit zwei bis drei neuen Fibrosemarkern.

Insgesamt liefern die Ergebnisse der LITMUS-Studie einen wichtigen Beitrag zur vergleichenden Bewertung von Diagnoseverfahren für Fettlebererkrankungen in einer großen internationalen Gruppe von Patient:innen. (mkl)

Mehr zum Thema Fettlebererkrankungen:

Volkskrankheit Fettleber: Verbände fordern nationales Maßnahmenpaket

Fettleber bei normalem BMI: Salzreiche Ernährung ist möglicherweise ein Faktor