Ältere Menschen besser auf einen Eingriff am Herzen vorbereiten4. November 2022 PRECOVERY soll die Risiken nach einer Herzoperation senken und die Genesung verbessern. Foto: ©Thormaehlen Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert das Projekt PRECOVERY unter der Leitung der Klinik für Geriatrie der Universitätsmedizin Göttingen mit 5,3 Millionen Euro. Ziel des Projektes ist es, den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten über 75 Jahren vor einem geplanten Eingriff am Herzen zu verbessern. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen stetig an. Inzwischen leidet bundesweit fast jede zweite Person über 75 Jahren an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Wie sich der Gesundheitszustand von älteren, herzkranken Patientinnen und Patienten bereits vor einem geplanten operativen Eingriff am Herzen durch eine gezielte und ganzheitliche Vorbereitung langfristig verbessern lässt, untersucht ein bundesweites Projekt unter der Leitung von Prof. Christine von Arnim, Direktorin der Klinik für Geriatrie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der Innovationsausschuss beim G-BA fördert das innovative Prähabilitationskonzept im Bereich neuer Versorgungsformen. Das Projekt PRECOVERY („Prehabilitation mit Schwerpunkt auf kardiale und kognitive Funktionen vor Eingriffen am Herzen: eine Analyse des Gesundheitszustands“) wird mit insgesamt 5,3 Millionen Euro unterstützt. Davon gehen rund 2 Millionen Euro an Einrichtungen der UMG. Das Vorhaben ist gestartet am 1. November 2022. Die ersten Patientinnen und Patienten können ab April 2023 in die Studie aufgenommen werden. Christine von Arnim leitet das Projekt PRECOVERY. Foto: ©Frank Stefan Kimmel „Neueste Studien zeigen, dass nicht nur eine Rehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt, sondern insbesondere eine Vorbereitung, eine sogenannte Prähabilitation auf den Eingriff am Herzen, das Ergebnis erheblich verbessern kann. Aus den Erkenntnissen der Studien haben wir ein innovatives Therapiekonzept für die praktische Patientenversorgung entwickelt. Das soll nun wissenschaftlich überprüft werden“, sagt von Arnim. Herzstück des Konzeptes ist eine zweiwöchige Prähabilitation. Das Programm umfasst unter anderem psychische, physio- und ergotherapeutische Aspekte sowie Ernährungsberatung. Auch Gespräche mit den Angehörigen der Patientinnen und Patienten sind Bestandteil der Vorbereitung auf den Eingriff am Herzen. „Die operativen und minimalinvasiven Eingriffe bei altersabhängigen Herzerkrankungen bringen zwar zunehmend bessere Behandlungserfolge, jedoch nimmt im höheren Alter auch das Risiko zu. Zudem dauert die Erholungsphase nach dem Eingriff deutlich länger an, Langzeitfolgen sind möglich“, sagt Prof. Ingo Kutschka, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG. Deutschlandweit nehmen acht Herzzentren an dem Projekt teil. Neben dem Herzzentrum der UMG mit seinen Mitgliedern, der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, sind sämtliche Herzzentren in Niedersachsen (Medizinische Hochschule Hannover, Städtisches Klinikum Braunschweig, Schüchtermann-Schiller’sche Kliniken Bad Rothenfelde, Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, Klinikum Oldenburg) sowie das Herzzentrum Brandenburg und das Universitätsklinikum Ulm in Kooperation mit den jeweiligen Rehabilitationszentren (Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg, Kirchberg-Klinik Bad Lauterberg, Klinik Fallingbostel, Schüchtermann-Schiller’sche Kliniken Bad Rothenfelde, Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, Rehabilitationszentrum Oldenburg, ZAR Ulm, Brandenburg-Klinik) beteiligt. Unterstützt werden die Zentren durch die AOK Niedersachsen und die AOK Baden-Württemberg sowie durch die Deutsche Sporthochschule Köln und die Deutsche Herzstiftung. PRECOVERY soll es ermöglichen, die körperliche und psychische Verfassung der Patientinnen und Patienten vor einem minimalinvasiven oder operativen Eingriff am Herzen zu verbessern, um so die Risiken nach einer Operation zu senken und die Genesung zu beschleunigen. „Studien zur kardialen Prähabilitation zeigen zahlreiche positive Effekte. Dazu gehören eine verminderte Delir-Rate, bessere körperliche Fitness, verbesserte Lebensqualität, eine kürzere Aufenthaltsdauer auf Intensivstation und kürzere Liegedauer sowie eine verbesserte Mitarbeit der Patientinnen und Patienten in der postoperativen Rehabilitation. Mit PRECOVERY können wir ein zukunftweisendes Konzept für die Versorgung in Deutschland evaluieren“, sagt von Arnim. Die Einbeziehung eines herzspezifischen Programms in die übergreifende ambulante und stationäre Krankenversorgung älterer Herzpatientinnen und Herzpatienten wird bisher in Deutschland nicht angeboten. Geplant ist eine prospektive, randomisierte klinische Studie, um die Wirksamkeit des Konzepts zu prüfen. Anfang 2023 sollen die ersten Patientinnen und Patienten in die Studie aufgenommen werden. Davor wird von den beteiligten Expertinnen und Experten das Therapiekonzept und ein einheitliches Schulungsprogramm federführend durch die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG (Direktor: Prof. Christoph Herrmann-Lingen) entwickelt. Langfristig wird erwartet, dass sich neben dem Gesundheitszustand auch die Lebenserwartung und die Lebensqualität verbessern. Begleitend erfolgt eine gesundheitsökonomische Betrachtung durch das Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie eine Prozessevaluation durch das Institut für Allgemeinmedizin der UMG (Direktorin: Prof. Eva Hummers sowie Dr. Christiane Müller). „Bei positiver Evaluierung und genauer gesundheitsökonomischer Betrachtung könnte die neue Versorgungsform in Zukunft auch flächendeckend in die Regelversorgung weiterer Herzzentren Deutschlands übernommen werden“, sagt Prof. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.
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