AF-B-STEP: Internationales Forschungsprojekt zur Quantifizierung der Vorhofflimmerlast5. Februar 2026 Viele Smartwatches sind bereits in der Lage, Vorhofflimmern zu detektieren. Die Quantifizierung der Vorhofflimmerlast ist bislang jedoch nicht standardisiert. (Foto: DenPhoto/stock.adobe.com) Seit einiger Zeit ist bekannt: Die Gefährlichkeit von Vorhofflimmern wird maßgeblich durch dessen Quantität bestimmt – gemessen als Vorhofflimmerlast. Doch bislang gibt es keine Standards zur Quantifizierung. Ein internationales Konsortium will das ändern. Die Diagnose Vorhofflimmern wird aktuell nicht quantitativ gestellt. Das internationale Forschungsprojekt AF-B-STEP (Quantifying Atrial Fibrillation Burden for Better Screening, Treatment, and HEalth Policy) soll das ändern. Es soll erstmals systematisch erfassen, wie lange das Vorhofflimmern bei Menschen individuell andauert und in welchem Ausmaß diese Vorhofflimmerlast das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinsuffizienz beeinflusst oder sich auf andere Lebensaspekte der Patientinnen und Patienten auswirkt. Darüber hinaus wollen die Projektbeteiligten einheitliche Standards für die Quantifizierung von Vorhofflimmern und der Vorhofflimmerlast durch medizinische Geräte (etwa implantierbare Herzgeräte oder einsetzbare Ereignisrekorder) oder Wearable-Elektronik (z.B. Smartwatches) entwickeln. Ziel ist die grundlegende Verbesserung der Diagnostik und Versorgung von Menschen mit Vorhofflimmern. Hand in Hand: Klinische Forschung und Industrie Dazu haben sich 18 europäische und kanadische Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammengeschlossen. Koordiniert wird das Projekt von der Klinik für Kardiologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie vom Medtronic Bakken Research Center in Maastricht (Niederlande) als Projektleiter aus der Industrie. Über die kommenden vier Jahre wird das Vorhaben mit insgesamt rund 18 Millionen Euro von der Innovative Health Initiative (IHI) gefördert, wobei sowohl die Europäische Union als auch die Industrie Beiträge leisten. „Die Ergebnisse sollen Mediziner:innen dabei unterstützen, anhand der Vorhofflimmerlast präziser zu entscheiden, wer welche Behandlung benötigt. Ziel von AF-B-STEP ist es, langfristig zu einer messbaren Reduktion von Schlaganfällen und Herzinsuffizienz beizutragen und zugleich unnötige Behandlungen bei Menschen mit niedriger Vorhofflimmerlast zu vermeiden“, sagt Prof. Paulus Kirchhof, Direktor der Klinik für Kardiologie des UKE, Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) und Koordinator des Projektes AF-B-STEP. Bislang keine standardisierte Quantifizierungsmethode Die Vorhofflimmerlast kann wesentlich Symptomatik, Prognose und therapeutische Entscheidungen beeinflussen. So steigt mit größerer Vorhofflimmerlast das Risiko für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz, Krankenhauseinweisungen und andere nachteilige Auswirkungen. Herzschrittmacher und andere elektronische Implantate sowie zunehmend auch Smartwatches, Fitnesstracker und andere Wearable-Technologien ermöglichen heute die Erkennung selbst kurzer und seltener Episoden von Vorhofflimmern. Bislang fehlt jedoch eine standardisierte Methode zur zuverlässigen Quantifizierung der Vorhofflimmerlast und die präzise Beurteilung der daraus folgenden gesundheitlichen Risiken. Zudem fehlt eine einheitliche Berichterstattung der von implantierten und tragbaren Geräten erfassten Daten, was Vergleiche zwischen unterschiedlichen Systemen erschwert. Kategorisierung der Vorhofflimmerlast für nachfolgende Therapieentscheidung Hier setzt AF-B-STEP an, indem zunächst bestehende Daten zur Vorhofflimmerlast und zu den gesundheitlichen Folgen zusammengeführt und analysiert werden. Dafür stellen die Projektpartner aus Wissenschaft und Industrie anonymisierte Datensätze von mehr als 100.000 Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Durch die Verknüpfung von Vorhofflimmerlast und klinischen Ergebnissen soll präzise berechenbar werden, wie hoch der Beitrag von Vorhofflimmern zum Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz sowie kardiovaskulären Tod ist. Auch soll ermittelt werden, wie die Lebensqualität sowie die Herz- und Gehirnfunktion durch Vorhofflimmern beeinflusst werden. Gemeinsam mit Herstellern von implantierbaren Herzgeräten und Wearable-Technologien wird das Konsortium auch standardisierte Methoden zur Erfassung und Anzeige der Vorhofflimmerlast an die Betroffenen entwickeln. Nach Ansicht der Projektpartner werden sich idealerweise drei Kategorien herausbilden: niedrige Vorhofflimmerlast: keine weiteren Untersuchungen oder Therapien erforderlich moderate Vorhofflimmerlast: weitere Diagnostik zur Therapieentscheidung notwendig hohe Vorhofflimmerlast: direkter Beginn einer Antikoagulation und einer Rhythmuskontrolltherapie Eine weitere Hoffnung der AF-B-STEP-Projektgruppe: Eine verbesserte Patientenstratifizierung sowie mechanistische Erkenntnisse könnten anschließend in zukünftige Behandlungsleitlinien einfließen und die Rolle der Vorhofflimmerlast stärker bei Therapieentscheidungen berücksichtigen. Vorhofflimmerlast in die klinische Anwendung bringen „Während die Vorhofflimmerlast breit diskutiert wird, ist ihre klinische Anwendung weiterhin aufgrund von fehlenden validierten Schwellenwerten beschränkt“, sagt Dr. William McIntyre, Projektleiter und Wissenschaftler am Population Health Research Institute, einem gemeinsamen Institut der McMaster University und Hamilton Health Sciences (Kanada). AF-B-STEP werde diese Lücke schließen, um die praktische Anwendung der Vorhofflimmerlast in der klinischen Versorgung zu ermöglichen.“ Prof. Barbara Casadei, Head of the National Heart and Lung Institute am Imperial College London (Großbritannien) ist überzeugt, „dass wir in vier Jahren einen bedeutenden Wendepunkt in der Diagnostik von und im Umgang mit Vorhofflimmern erreichen werden“. Internationale Projektpartner AF-B-STEP ist ein internationales Forschungsprojekt, das Universitätskliniken, Industrievertreter aus der Medizintechnik-, der Pharma- und der digitalen Gesundheitsbranche, internationale Kardiologieorganisationen, Patientengruppen, Fachleute für Projektmanagement und Wissenstransfer sowie Kostenträger im Gesundheitswesen aus Europa und Kanada zusammenbringt. Die Partner sind: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Medtronic Bakken Research Center B.V. Acesion Pharma ApS BIOTRONIK SE & Co. KG Boston Scientific International SA concentris research management GmbH IDM gGmbH Imperial College of Science Technology and Medicine Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) McMaster University Medicalgorithmics SA Novartis Pharma AG Preventicus GmbH Societé Europénne de la Cardiologie Techniker Krankenkasse Thryv Therapeutics Inc. Universiteit Maastricht Withings France SAS
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