AFNET-Studien liefern wichtige Ergebnisse für Leitlinienempfehlungen zu Vorhofflimmern

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Ende November wurde die amerikanische Leitlinie 2023 zur Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern veröffentlicht. Grundlage für einige der darin enthaltenen Empfehlungen sind auch die Studienergebnisse des Kompetenznetzes Vorhofflimmern e.V. (AFNET).

Die Leitlinie wurde vom American College of Cardiology (ACC) und der American Heart Association (AHA) in Zusammenarbeit mit der Heart Rhythm Society (HRS) entwickelt und kürzlich im Fachmagazin „Circulation“ veröffentlicht. AFNET erläutert in einer aktuellen Mitteilung die Details zu seinen Wissenschafts-initiierten Studien und an welchen Stellen diese Einfluss auf die Leitlinie genommen haben.

Die zehn Take-Home-Botschaften, so das Kompetenznetz, betonen die Bedeutung einer frühzeitigen und kontinuierlichen Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern. Ein neues Behandlungsziel ist die Aufrechterhaltung des Sinusrhythmus und die Minimierung der Vorhofflimmerlast. Diese neue Empfehlung basiert auf den Ergebnissen der EAST-AFNET-4-Studie. Die aktuellen Leitlinien enthalten die folgende neue Empfehlung: „Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern (<1 Jahr) kann die Rhythmuskontrolle nützlich sein, um Krankenhausaufenthalte, Schlaganfälle und Mortalität zu reduzieren.“ (Abschnitt 8.1 zur rhythmuserhaltenden Therapie). Dies bedeutet, dass ein früher Rhythmuserhalt bei allen Patienten in Betracht gezogen werden sollte, die die Aufnahmekriterien von EAST-AFNET 4 erfüllen. Mehrere Substudien von EAST-AFNET 4 haben die Empfehlungen zur rhythmuserhaltenden Behandlung bei Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz, bei asymptomatischen Patienten, und bei anderen Untergruppen beeinflusst.

Die Ergebnisse der Studie AXADIA-AFNET 8 werden in einem Text zur Antikoagulation mit Apixaban bei Dialyse-pflichtigen Patienten mit Vorhofflimmern erwähnt. Die Autoren der Leitlinien erklärten: „Zwei kleine Studien (eine davon ist AXADIA-AFNET 8) mit Apixaban im Vergleich zu Warfarin bei Patienten mit Vorhofflimmern unter Hämodialyse konnten keine Unterschiede in den Sicherheits- oder Wirksamkeitsergebnissen zeigen, aber deutlich mehr Blutungen als Schlaganfälle.“ (Abschnitt 6.8.4. Chronische Nierenerkrankung).

Eine Empfehlung zur Antikoagulationstherapie vor und nach Katheterablation (Abschnitt 8.4.4.) wird durch die Ergebnisse der AXAFA -AFNET-5-Studie gestützt. Die neue Empfehlung lautet: „Bei Patienten, die ein DOAK (direktes orales Antikoagulans) einnehmen und sich einer Katheterablation von Vorhofflimmern unterziehen, sollte die Katheterablation entweder mit kontinuierlicher oder minimal unterbrochener oraler Antikoagulation durchgeführt werden.“

Die älteren AFNET-Studien ANTIPAF-AFNET 2 und Flec SL-AFNET 3 wurden ebenfalls einbezogen. Die Leitlinien verweisen auf ANTIPAF-AFNET 2 (Abschnitt 8.3.4. Upstream-Therapie) und Flec SL-AFNET 3 (Abschnitt 8.2.2. Elektrische Kardioversion) in ihren Empfehlungen zur Verwendung von Sartanen und Natriumkanalblockern zur Vorbeugung von Vorhofflimmern und Vorhofflimmer-Rezidiven.

AFNET-Vorstandsmitglied Prof. Andreas Goette vom St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn kommt zu dem Schluss: „Insgesamt spiegeln diese neuen Leitlinien die wachsende Bedeutung der wissenschafts-initiierten AFNET-Studien wider, die dabei helfen sollen, die beste Behandlung für Menschen mit Vorhofflimmern zu definieren.“

Prof. Paulus Kirchhof vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erklärt: „Als Vorsitzender des AFNET freue ich mich sehr, dass das AHA/ACC/HRS-Leitlinienschreibkomitee die Arbeit des AFNET anerkennt. Dies ist eine sehr willkommene Anerkennung des AFNET im Jahr seines 20-jährigen Jubiläums. Wir sind allen Patient:innen und Partnern, die uns bei der Durchführung dieser Arbeit geholfen haben, zu Dank verpflichtet. Das motiviert uns enorm, unsere Arbeit fortzusetzen, um das Leben der Menschen mit Vorhofflimmern zu verbessern.“

Bei den AFNET-Studien handelt es sich um wissenschafts-initiierte Studien mit AFNET als Sponsor. Sie werden vom AFNET, öffentlichen Partnern und Industriepartnern gemeinsam finanziert. EAST-AFNET 4 und AXAFA -AFNET 5 wurden teilweise vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) unterstützt. ANTIPAF-AFNET 2 und Flec SL-AFNET 3 wurden teilweise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.