Aggressive Abwehrzellen verstärken Parkinson-Krankheit10. Juli 2018 Auch beim Morbus Parkinson scheinen T-Zellen am Absterben von Nervenzellen beteiligt zu sein. (Foto: © fotoliaxrender – Fotolia.com) Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind einer möglichen Ursache der Parkinson-Erkrankung auf die Spur gekommen – im Immunsystem der Patienten. Bisher wusste man wenig darüber, ob menschliche Abwehrzellen bei der Parkinsonerkrankung eine wichtige Rolle spielen. Hier ist den Stammzellforscherinnen Dr. Annika Sommer, Dr. Iryna Prots und Prof. Beate Winner von der FAU und deren Team in der Erforschung der Krankheit ein gewaltiger Schritt nach vorn gelungen. Die Erlanger Wissenschaftler konnten belegen, dass bei der Parkinsonerkrankung T-Zellen Dopamin produzierende Nervenzellen des Mittelhirns angreifen und töten. Ausgangspunkt der Untersuchungen des FAU-Teams war eine verblüffende Beobachtung: Im Mittelhirn von Parkinsonpatienten fanden die Wissenschaftler ungewöhnlich viele T-Zellen. Bei gemeinsamen Untersuchungen mit der Bewegungsambulanz (Molekulare Neurologie) am Universitätsklinikum Erlangen (Prof. Jürgen Winkler) fanden die Forscher im Blut von Parkinsonpatienten eine erhöhte Zahl von Th17-Zellen, ähnlich wie bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis. Diese Ergebnisse nahmen die Forscher zum Anlass für die Entwicklung einer ungewöhnlichen Zellkultur aus menschlichen Zellen. Dazu wurde betroffenen Patienten sowie gesunden Testpersonen eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in pluripotente Stammzellen umgewandelt, die das Forschungsteam weiter zu patienteneigenen Mittelhirnnervenzellen ausdifferenzierte. Diese Zellen wurden dann mit frischen T-Zellen desselben Patienten in Kontakt gebracht. Das Ergebnis: Die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten töteten eine große Anzahl ihrer Nervenzellen, dies war jedoch nicht bei den gesunden Testpersonen nachweisbar. Hoffnung gibt jedoch ein weiteres Ergebnis: Antikörper, die die Wirkung der Th17-Zellen blockieren, und sogar ein bereits im Klinikalltag bei Schuppenflechte angewandter Antikörper konnten den Tod der Nervenzellen weitgehend verhindern. „Mit unseren Untersuchungen ist es uns gelungen, klar nachzuweisen, dass und auch wie T-Zellen an der Entstehung des Parkinsonsyndroms beteiligt sind“, erklärte Winner. „Die Erkenntnisse aus unserer Studie bieten eine wichtige Grundlage für neue Behandlungsmöglichkeiten der Parkinsonkrankheit.“ Originalpublikation: Sommer A et al.: Th17 Lymphocytes Induce Neuronal Cell Death in a Human iPSC-Based Model of Parkinson’s Disease. Cell Stem Cell 2018;23(1):123-131.e6.
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