Akne: Aktualisierte S2k-Leitlinie erweitert Therapieoptionen3. September 2026 Symbolbild: © cherryandbees – stock.adobe.com Die aktualisierte S2k-Leitlinie „Therapie der Akne“ berücksichtigt neue Behandlungsoptionen und soll die Versorgung von Menschen mit Akne weiter standardisieren und individualisieren. Akne ist weltweit eine der häufigsten dermatologischen Erkrankungen. Sie tritt vor allem in der Adoleszenz auf, kann aber auch bereits Kinder betreffen oder in einem späteren Alter beginnen. Die Angaben zur Häufigkeit bei Jugendlichen sind in der Literatur unterschiedlich und reichen von 50 bis 95 Prozent. Wenn man nur die mittelschweren bis schweren Verläufe betrachtet, wird die Häufigkeit immer noch mit 20 bis 35 Prozent angegeben. Acne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die typischerweise das Gesicht, aber auch den Rücken und die Brust betrifft. Klinisch werden den Erscheinungsformen entsprechend drei Typen unterschieden: Acne comedonica (klinisch nicht entzündliche Läsionen mit offenen und geschlossenen Komedonen, sogenannte Mitesser), die Acne papulopustulosa mit entzündlichen Knötchen (Papeln) und Eiterbläschen (Pusteln) sowie die Acne conglobata. Bei der letzteren Manifestationsform einer Akne können schmerzhafte Knoten, Abszesse und Zysten auftreten. „Akne ist aufgrund ihrer Sichtbarkeit für Erkrankte häufig sehr belastend. Wenn Betroffene die Akne selbst behandeln, birgt das Risiken, denn Narben und postinflammatorische Hyperpigmentierungen, also eine dunkle Färbung der Haut, sind die Folgen“, sagt Prof. Claudia Borelli, Mitglied der Leitliniengruppe und Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser sowie Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik Tübingen. „Sehr häufig sind Narben eine Folge der Akne-Erkrankung. Diese können ein Leben lang bestehen bleiben, was auch zu Stigmatisierung führen kann“, so Borelli. Es ist wichtig, dass Akne früh und durch Fachleute behandelt wird. Akne-Versorgung in Deutschland stärken Orientierung und klare Behandlungsempfehlungen gibt die aktualisierte Leitlinie „Therapie der Akne“, die unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zusammen mit fünf weiteren Fachgesellschaften und zwei Patientenvertreterinnen entstanden ist. „Ziel der Leitlinie ist es, die Behandlungsergebnisse und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Aktualisierung war erforderlich, weil sich das therapeutische Spektrum der Akne in den letzten Jahren erweitert hat und zugleich in der Versorgung neue Fragen aufgetreten sind“, erklärt Prof. Martin Schaller, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Tübingen und ebenfalls Mitglied der Leitliniengruppe. „Die Leitlinie hilft, die Akne-Versorgung in Deutschland stärker zu standardisieren und gleichzeitig individueller zu machen. Standardisiert wird die Einteilung nach Schweregrad, Morphologie und Therapiezielen; individualisiert wird die Entscheidung durch die Berücksichtigung von Lokalisation, Narbenrisiko, Lebensqualität, Schwangerschaft, Alter, Begleiterkrankungen und Präferenzen“, ergänzt Prof. Alexander Nast, Koordinator der Leitlinie, der als Oberarzt und Leiter der Hochschulambulanz für Dermatologie am Klinikum Charité – Universitätsmedizin Berlin tätig ist. Neue und bewährte Behandlungsoptionen Bei schwerer Akne (Acne conglobata) und wenn Standardbehandlungszyklen mit systemischen Antibiotika und lokaler Behandlung nicht anschlagen oder wenn eine starke Narbenbildung zu befürchten ist, sind systemische Retinoide zur oralen Anwendung (in Form von Weichkapseln) eine Behandlungsoption. Nach den Erfahrungen der Leitliniengruppe stellt Isotretinoin eine sehr wirksame und auch häufiger zu einer Remission führende Therapieoption dar, wobei die Notwendigkeit einer sicheren Kontrazeption unbedingt beachtet werden muss. Isotretinoin ist fruchtschädigend (teratogen) und in Schwangerschaft und Stillzeit verboten. Eine wichtige Neuerung ist die Aufnahme von Spironolacton als Off-Label-Therapieoption bei Patientinnen. Spironolacton blockiert die Wirkung des Hormons Aldosteron und besitzt dadurch blutdrucksenkende und harntreibende Eigenschaften. Darüber hinaus wirkt es antiandrogen, unter anderem durch eine Blockade des Androgenrezeptors. Diese Wirkung kann insbesondere bei Frauen mit persistierender oder hormonell beeinflusster Akne therapeutisch genutzt werden. Damit wird eine in anderen Ländern bereits etablierte systemische Behandlungsoption, die auch als Alternative zu Isotretinoin bei Frauen fungieren kann, nun auch im deutschen Therapiealgorithmus abgebildet. Aufgrund neuer Evidenz zur Wirksamkeit und des Bedarfs an weiteren systemischen Optionen wurde Spironolacton trotz fehlender Zulassung für diese Indikation in Europa in die Leitlinie aufgenommen. „Das ist insbesondere für Situationen hilfreich, in denen andere systemische Optionen nicht geeignet sind oder längerfristige Strategien benötigt werden“, erläutert Nast, Leiter der Kommission für Qualitätssicherung in der Dermatologie. Damit wird das Behandlungsspektrum relevant erweitert. Bei der topischen Behandlung kann Trifaroten, ein Retinoid der 4. Generation, als Alternative zu den bereits verfügbaren topischen Retinoiden erwogen werden und vergrößert somit die Auswahl innerhalb dieser wichtigen Wirkstoffklasse. Trifaroten wird sowohl bei Akne im Gesicht und am Stamm als auch zur Therapie atropher Narben und zur Langzeittherapie eingesetzt. Seit Juni 2026 ist der topische Androgenrezeptor-Inhibitor Clascoteron auf dem deutschen Markt. Aufgrund von bisher fehlenden klinischen Erfahrungen mit dem Präparat sowie der Verzögerung bei der Zulassung in der EU zum Zeitpunkt der Leitlinienerstellung werden in der aktuellen Leitlinienfassung noch keine spezifischen Empfehlungen gegeben. Beitrag zum Antibiotic Stewardship Die Leitlinie spricht sich klar gegen eine topische Monotherapie mit Antibiotika und systemisch für einen rationalen Einsatz des Antibiotikums Doxycyclin bei mittelschwerer bis schwerer entzündlicher Akne aus. Eingesetzt werden Antibiotika bei Akne, um die Bakterienanzahl auf der Haut zu senken und starke Entzündungen, Pusteln sowie Rötungen zu stoppen. Sie wirken sowohl gegen das Bakterium Cutibacterium acnes als auch entzündungshemmend und werden meist über viele Monate hin in Kombination mit topischen Therapien oder oralen hormonellen Antiandrogenen eingesetzt. Als Therapiedauer für die Antibiotikaeinnahme werden drei Monate empfohlen. „Damit leisten wir einen Beitrag, um antimikrobielle Resistenzen zu reduzieren“, so Schaller. Ergänzt wurden neue Kapitel zu Acne tarda, Acne fulminans, Akne im Kindesalter, Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Schulungen von Patientinnen und Patienten. Für Letztere sind die neuen Kapitel zu Ernährung und Pflege interessant, um sich zu diesen Themen zu informieren. „Der Nutzen für die Betroffenen wird sehr positiv sein, da nun der Therapiestandard in Deutschland klar definiert ist und die Leitlinie Ärztinnen und Ärzten als Entscheidungsgrundlage dienen kann“, bilanziert Leitlinienkoordinator Nast in der Meldung der DDG. Die Leitlinie richtet sich an alle an der Versorgung von Akne-Patientinnen und -patienten beteiligten Fachleute, insbesondere aus Dermatologie, Gynäkologie und Pädiatrie. Grundlage der Aktualisierung ist die europäische Leitlinie „EuroGuiDerm Evidence-based Guideline for the Treatment of Acne“.
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