Akute Leberentzündung im Kindesalter: GPGE-Auszeichnung für besten wissenschaftlichen Artikel des Jahres27. Juli 2023 Christoph Leiskau, Oberarzt in der Klinik für Kinder und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, UMG. (Foto: © umg/fskimmel) Dr. Christoph Leiskau aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist von der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung mit dem Best-Paper-Preis 2023 ausgezeichnet worden. Der Oberarzt für Kindergastroententerologie erhielt bereits im März den mit 2000 Euro dotierten Preis anlässlich der Jahrestagung der Fachgesellschaft. Ausgezeichnet wurde er für seinen wissenschaftlichen Artikel „Acute severe non-A-E-hepatitis of unknown origin in children – A 30-year retrospective observational study from north-west Germany“, der in der Fachzeitschrift „Journal of Hepatology“ erschienen ist. Der Best-Paper-Preis wird jedes Jahr für die wissenschaftliche Arbeit aus der Kindergastroenterologie vergeben, die im selben oder vorherigen Jahr in der ranghöchsten Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Der Artikel beruht auf einer Studie, in der Leiskau und seine Mitautoren von der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Universitätsmedizin Essen akute schwere Fälle von Leberentzündung mit unklarer Ursache bei Kindern in Nordwestdeutschland untersucht haben. Diese Hepatitiden hatten im Frühjahr und Sommer 2022 zunächst Kinder in Großbritannien betroffen und innerhalb von vier Monaten mehr als 1000 Kinder weltweit. Die Erkrankung kann teilweise zu einem akuten Leberversagen führen. In circa fünf Prozent der Fälle hatte dies zur Folge, dass eine Lebertransplantation notwendig wurde, und in etwa ein bis zwei Prozent der Fälle sind die Kinder sogar am Leberversagen gestorben. Das Phänomen der schweren akuten Hepatitis im Kindesalter mit unklarer Ursache ist grundsätzlich bekannt. Der sprunghafte Anstieg im Frühjahr 2022, der vor allem im Vereinigten Königreich und in den USA beobachtet wurde, hat jedoch ein neuartiges Krankheitsbild vermuten lassen, das aufgrund des zeitlichen Zusammenhanges in Verbindung mit der COVID-19-Pandemie stehen könnte. Um dies zu überprüfen, haben die Autoren der Studie aktuelle Fälle von Kindern mit schwerer akuter Hepatitis im Zeitraum von 2019 bis 2022 in Nordwestdeutschland untersucht, das heißt Kinder, die kurz vor und während der COVID-19-Pandemie erkrankt waren. Diese Fälle wurden mit in der Vergangenheit aufgetretenen Fällen von 1990 bis 2018 verglichen. Die Gegenüberstellung der aktuellen und der historischen Patientengruppe sollte zeigen, ob es sich tatsächlich um ein neues Phänomen handelte. Die Forschenden fanden heraus, dass in Nordwestdeutschland ein Anstieg der akuten schweren Hepatitiden bereits seit Ende 2019 und im weiteren Verlauf bis Mitte 2022 stattgefunden hat, ohne dass ein sprunghafter Anstieg im Jahr 2022 beobachtet werden konnte Bei der Auswertung der klinischen Daten und der Behandlungsergebnisse der betroffenen Kinder ergab sich, dass der Verlauf mit Gelbsucht, vorangehenden Infekten und Beschwerden des Magen-Darm-Traktes in der historischen und der aktuellen Patientengruppe sehr ähnlich sind. Trotz der steigenden Anzahl an Neuerkrankungen verliefen die aktuellen Fälle milder. Der Anteil der Betroffen, bei denen eine Lebertransplantation notwendig wurde, sowie die Sterberate sind bei den verzeichneten Fällen der vergangenen drei Jahre deutlich niedriger ausgefallen als bei den älteren Fällen. Die zu Beginn der Untersuchungen vermutete Verbindung zu Adenoviren konnte in der Studie für die aktuellen Fälle in Deutschland nicht beobachtet werden. Insgesamt wurden bei nur zwei Kindern aus der historischen Kohorte Adenoviren nachgewiesen. Leiskau und seine Kollegen vermuten hinter den seit drei Jahren steigenden Neuerkrankungen daher einen Zusammenhang zu der COVID-19-Pandemie und einer damit verbundenen erhöhten Empfindlichkeit der Kinder für virale Erkrankungen. Virusinfektionen könnten dabei einen entzündlichen Prozess in der Leber auslösen, sodass die Adenovireninfektionen in England eher als Auslöser, denn als Ursache für Leberentzündungen einzuordnen wären.
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