Akute Nierenfunktionseinschränkung: Neuer Biomarker identifiziert7. November 2025 Foto: © mi_viri/stock.adobe.com Forscher der Universität Aarhus (Dänemark) haben in einem Mausmodell ein Protein entdeckt, das vorhersagen kann, ob Nierenzellen nach einer akuten Nierenfunktionseinschränkung (AKI) überleben oder absterben. Bei Nierenschädigungen – etwa nach einer Operation, einem Herzstillstand oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente – stehen Ärzte oft vor einer entscheidenden Frage: Können sich die Nieren erholen oder ist die Schädigung dauerhaft? Ein Forschungsteam der Universität Aarhus hat nun möglicherweise eine Antwort gefunden. Die neuen Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht. Narbengewebe nicht das Problem Das Protein VCAM-1 scheint ein zuverlässiger Marker dafür zu sein, ob eine Nierenzelle überlebt oder abstirbt, berichten die Wissenschaftler aus dem Mausmodell. „Wir haben festgestellt, dass etwa 80 Prozent der geschädigten Nierentubuli absterben, wenn sie VCAM-1 exprimieren. Das Protein tritt einige Tage nach der Schädigung auf und markiert genau jene Zellen, die sich nicht erholen werden“, erklärt Studienleiterin PD Ina Maria Schiessl vom Institut für Biomedizin. Die Studie stellt laut den Autoren zudem eine langjährige Annahme über Nierenerkrankungen infrage. Viele Jahre lang glaubten Ärzte, dass sich Narbengewebe ausbreitet und gesunde Bereiche der Niere zerstört. Doch das ist nicht der Fall, so die Forscher der neuen Studie. „Das Narbengewebe bleibt auf die verletzten Bereiche beschränkt. Tatsächlich scheint es die gesunden Zellen durch die Bildung einer Art Barriere zu schützen“, erläutert Schiessl. Dies könnte erklären, warum Medikamente, die auf Narbengewebe abzielen, in klinischen Studien wiederholt gescheitert sind. Wahrscheinlich auf Menschen übertragbar Die Forscher untersuchten auch Gewebe von 26 dänischen Nierentransplantationen. Patienten mit erhöhten VCAM1-Werten sechs Tage nach der Operation wiesen ein Jahr später eine deutlich schlechtere Nierenfunktion auf. „Dies deutet darauf hin, dass wir möglicherweise vorhersagen können, welche Patienten ein Risiko für die Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung haben – lange bevor diese in Bluttests sichtbar wird“, so Schiessl. Die Entdeckung zeigt laut den Autoren somit, dass Ärzten nur ein kurzes Zeitfenster bleibt, um zu handeln, bevor die Schäden irreversibel werden. „Wenn wir das Absterben von Zellen verhindern oder abgestorbene Zellen schnell entfernen können, könnten wir potenziell viel mehr Patienten retten“, betont Schiessl abschließend. (ri/BIERMANN)
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