Calor-Liste: Mehr Therapiesicherheit bei Hitze

Bei der Insulintherapie ist während Hitzeperioden einiges zu beachten. (Foto: © Orawan – stock.adobe.com)

Hitze ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Diese können durch bestimmte Medikamente zusätzlich verstärkt werden. Wissenschaftler des Forschungsprojektes ADAPT-HEAT haben daher eine Übersicht über hitzerelevante Medikamente sowie Hinweise zur sicheren Einnahme dieser Medikamente während Hitzeperioden erarbeitet.

In den vergangenen Jahren haben Hitzetage und extreme Hitzeereignisse weltweit – auch in Deutschland – zugenommen. Im Zuge des Klimawandels wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Hitze ist mit hohen Gesundheitsrisiken verbunden: Allein zwischen 2018 und 2020 waren in Deutschland laut Robert Koch-Institut rund 20.000 Todesfälle mit Hitze assoziiert. Bestimmte Medikamente können hitzebedingte Gesundheitsrisiken zusätzlich verstärken, indem sie beispielsweise die Schweißproduktion, die Hautdurchblutung oder das Durstgefühl beeinflussen. Besonders betroffen sind Menschen mit mehreren Erkrankungen, bei denen die Einnahme bestimmter Arzneimittel während Hitzeperioden die Gesundheitsrisiken durch Hitze erhöhen kann.

Um Gesundheitsfachkräfte beim Umgang mit diesen Risiken zu unterstützen, haben Wissenschaftler im Forschungsprojekt ADAPT-HEAT unter Leitung von Prof. Beate Müller vom Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln und der Uniklinik Köln gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover sowie zahlreichen weiteren Institutionen die sogenannte CALOR-Liste entwickelt. Diese steht zum kostenlosen Dwonload zur Verfügung, eine laienverständliche Aufbereitung für Patienten ist bis Ende 2026 geplant, ebenso wie ein interaktives Webtool.

„Hitzeschutz spielt in der Gesundheitsversorgung eine immer größere Rolle“, erklärt Müller. „Die CALOR-Liste hilft den Fachkräften, Risiken bei der Medikation zu identifizieren. Angesichts der ohnehin hohen Belastung kann das Gesundheitspersonal eine intensive Beratung im Sommer nicht alleine stemmen. Daher erstellen wir zusätzlich laienverständliche Materialien, um die Menschen zu befähigen, Warnzeichen im Alltag selbst zu erkennen.“

Die Gesundheitsversorgung resilienter gegen Hitze machen

Ziel des Projektes war die Entwicklung evidenzbasierter, konsentierter und sektorenübergreifend anwendbarer Strategien zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Hitze, um hitzebedingte Gesundheitsstörungen zu vermeiden. Damit leistet das Projekt den Beteiligten zufolge nicht nur einen direkten Nutzen für die individuelle Versorgung von Patienten, sondern trägt auch zu den umfassenden Bemühungen bei, das Gesundheitssystem resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Methodisch wurde zunächst eine Evidenzsynthese mittels strukturierter wissenschaftlicher Übersichtsarbeit und internationaler Best-Practice-Analyse durchgeführt. Ergänzend wurden Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes verknüpft und ausgewertet. In einem nächsten Schritt wurden im Rahmen einer Delphi-Befragung mit mehr als 30 Experten insgesamt 27 Wirkstoffklassen und 71 Strategien konsentiert. Anschließend wurde die CALOR-Liste in Praxen, Apotheken und Krankenhäusern getestet.

An dem Gemeinschaftsprojekt waren neben dem Institut für Allgemeinmedizin die PMV forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät und der Uniklinik Köln, die Institute für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin sowie für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe beteiligt. Begleitet wurde es von einem Beirat, dem Experten aus dem Gesundheitsamt der Stadt Köln, dem Pharmazeutischen Institut Universität Bonn, den Apothekerkammern Nordrhein und Niedersachsen, der Apotheke der Uniklinik Köln und der Vertreter der Deutschen Diabetes Hilfe angehörten.