Akute Sinusitis: Kein Vorteil für Kombination zweier Antibiotika

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In den USA empfehlen Leitlinien – anders als in Deutschland – die Kombination aus Amoxicillin und Clavulansäure zur Behandlung einer akuten Sinusitis. Eine aktuelle Studie hat diesen Standard hinterfragt und fand keine Vorteile für die Kombi-Therapie.

Die deutsche Sk2-Leitlinie „Antibiotikatherapie bei HNO-Infektionen“ empfiehlt bei einer unkomplizierten akuten Rhinosinusitis auf die Antibiotika-Gabe zu verzichten. Bei einem Verlauf gekennzeichnet durch Fieber, biphasischen Verlauf, einseitige Beschwerden, starke Schmerzen und erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) sind Antibiotika indiziert, falls mindestens drei dieser Beschwerden auftreten. Erste Wahl zur Therapie einer solchen akuten bakteriellen Rhinosinusitis ist dann Amoxicillin. Erst bei drohenden Komplikationen empfiehlt die Leitlinie den zusätzlichen Einsatz von Betalaktamase-Inhibitoren, etwa Clavulansäure.

USA: Kombi-Therapie bei akuter Sinusitis bevorzugt

In den USA ist die übliche Praxis eine andere: Hier wird die akute bakterielle Sinusitis in der Regel mit einer Kombination aus Amoxicillin-Clavulansäure behandelt, auch wenn es keine Hinweise auf zusätzliche Komplikationen gibt. In den USA führt die Erkrankung zu mehr Antibiotika-Verordnungen als jede andere.

Ein Team um Timothy J. Savage vom Brigham and Women’s Hospital in Boston (USA) hat Unterschiede im Behandlungsergebnis zwischen der Therapie einer akuten bakteriellen Sinusitis mit Amoxicillin und der Amoxicillin-Clavulansäure analysiert. Die Autoren schlossen die Daten von 500.000 Patienten in ihre landesweite, retrospektive Studie ein. Die in „JAMA“ veröffentlichte Studie zeigte keine wesentlichen Unterschiede im Behandlungsergebnis, aber für mit Amoxicillin-Clavulansäure behandelte Personen ein leicht erhöhtes Risiko für sekundäre Infektionen.

Amoxicillin oder Amoxicillin-Clavulansäure: keine Unterschiede beim Therapieergebnis

„Unnötiger Exposition gegenüber einem Breitspektrumantibiotikum zu vermeiden, kann dazu beitragen, das Risiko der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verringern“, betonte Savage. Amoxicillin und Amoxicillin‑Clavulansäure machten etwa 45 Prozent der Antibiotikaverschreibungen bei akuter Sinusitis aus, so der korrespondierende Autor. Daher sei es entscheidend, die beste Therapieoption für Patienten zu identifizieren.

Das Team um Savage analysierte Versicherungsdaten Patienten mit der Diagnose akute Sinusitis zwischen Januar 2018 und Dezember 2023. Die Kohorte umfasste 521.244 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren, die entweder eine Standardtagesdosis Amoxicillin‑Clavulansäure (875mg/125 mg, 2-mal täglich) oder Amoxicillin (875 mg 2-mal täglich oder 500 mg 3-mal täglich) erhielten. Nach Anpassung der Gruppen hinsichtlich Faktoren wie Alter, Komorbiditäten und Zugang zur Gesundheitsversorgung verglichen die Forschenden das Risiko eines Therapieversagens (d. h. Wechsel auf ein anderes Antibiotikum oder erneute Vorstellung in Praxis oder Notaufnahme) sowie unerwünschte Ereignisse.

Ergebnisse bestätigen: Amoxicillin als Standard bei akuter Sinusitis

Die Analyse von Savage et al. zeigt, dass Therapieversagen selten war. In beiden Gruppen lag der Anteil bei etwa drei Prozent. Leitlinien weisen auf einen möglichen Vorteil von Amoxicillin‑Clavulansäure bei immungeschwächten Patienten hin. Trotzdem fanden die Autoren auch in dieser Subgruppe keinen Unterschied im Therapieerfolg. Auch für antibiotikabedingte Nebenwirkungen insgesamt wurde kein Unterschied zwischen den Gruppen beobachtet. Allerding war das Risiko für sekundäre Pilz- oder bakterielle Infektionen bei Amoxicillin‑Clavulansäure leicht erhöht im Vergleich zur alleinigen Gabe von Amoxicillin.

Für die Studienautoren legen ihre Ergebnisse nahe, dass Amoxicillin in Standarddosis die bevorzugte Erstlinienbehandlung für Erwachsene mit unkomplizierter akuter Sinusitis sein könnte. „Bei nahezu 5 Millionen Antibiotikaverschreibungen pro Jahr für Erwachsene mit akuter Sinusitis in den USA haben diese Ergebnisse das Potenzial, die derzeitige Behandlungspraxis erheblich zu beeinflussen“, ordnete Savage die Bedeutung der Studie ein. (ja/BIERMANN)