Alarmierende Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Kindern22. Juli 2026 Antimikrobielle Resistenzen gefährden vor allem Frühgeborene. (Foto: © peterbako – stock.adobe.com) Eine neue globale Monitoring-Plattform warnt vor einer signifikanten Zunahme der Antibiotikaresistenzen in den kommenden zehn Jahren. Besonders gefährdet sind dadurch Neugeborene und schwerkranke Kinder auf Intensivstationen. Antibiotikaresistenzen gehören weltweit zu den größten Bedrohungen für die Gesundheit von Kindern. Allerdings fehlte bisher ein präzises Bild über die spezifische Entwicklung in dieser Altersgruppe. Eine aktuell in „JAMA Pediatrics“ veröffentlichte Studie unter Leitung des Murdoch Children’s Research Institute (MCRI) in Melbourne, Australien, liefert nun besorgniserregende Daten. Die Forscher analysierten mehr als 106.000 Infektionsproben von Kindern bis 18 Jahren aus 82 Ländern und stellten fest, dass die Antibiotikaresistenzen zwischen 2004 und 2022 in jeder Weltregion zugenommen haben. Gram-negative Erreger als Haupttreiber Besonders betroffen sind Regionen mit geringen Gesundheitsressourcen sowie Kinder auf Intensivstationen. Die Zunahme wird maßgeblich durch Gram-negative Bakterien vorangetrieben, die für schwere Infektionen wie Sepsis und Pneumonien verantwortlich sind. Die höchste Gesamtresistenz zeigte Acinetobacter baumannii, ein häufiger Erreger von nosokomialen Blutstrominfektionen. Den schnellsten Anstieg verzeichneten die Forscher bei Klebsiella-Stämmen, insbesondere in Südostasien und Osteuropa. Besonders alarmierend: Die Resistenzen nehmen vor allem gegenüber Wirkstoffen der WHO-Kategorien „Watch“ und „Reserve“ zu. Diese Reserveantibiotika sollten eigentlich streng limitiert eingesetzt werden, um ihre Wirksamkeit zu erhalten, wenn Erstlinien-Therapien versagen. Prognosemodelle der Forscher deuten darauf hin, dass bis zum Jahr 2035 die Resistenzen gegen Carbapeneme bei bestimmten Supererregern auf bis zu 82 Prozent steigen könnten. Hohe Mortalität bei Kleinkindern Kinder sind aufgrund ihrer hohen Rate an bakteriellen Infektionen und der im Vergleich zu Erwachsenen begrenzten Auswahl an zugelassenen Antibiotika besonders vulnerabel. Im Jahr 2021 wurden weltweit etwa 840.000 Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren mit antimikrobiellen Resistenzen (AMR) in Verbindung gebracht. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde die Plattform „AMR in Kids“ ins Leben gerufen. Das Tool ermöglicht es Klinikern und politischen Entscheidungsträgern, Resistenzen nach Land, Erreger und Wirkstoffklasse zu analysieren und bietet Prognosen bis 2035. Forderung nach kindgerechten Strategien Associate Professor Penelope Bryant (MCRI) betont die dringende Notwendigkeit für ein gezieltes „Antimicrobial Stewardship“. Während in einkommensschwachen Ländern der Zugang zu Diagnostik und regulierten Basisantibiotika verbessert werden müsse, stehe in Ländern mit hohem Einkommen im Vordergrund, den Übergebrauch von Antibiotika in der Humanmedizin und Landwirtschaft einzudämmen. Zudem fordern die Experten die Entwicklung kindgerechter Formulierungen, klarere Dosierungshilfen und mehr klinische Studien zur sicheren Reduktion des Antibiotikaverbrauchs bei Kindern.
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