Allergien: Götterbaum-Blüte gestartet2. Juni 2026 Foto: Katharina Bastl/ MedUni Wien/Pollenservice Wien Die Blüte des Götterbaumes hat begonnen. Sie dauert üblicherweise von Anfang Juni bis Mitte Juli. Wie sich der Pollenflug über die letzten 50 Jahre entwickelt hat und wie der Klimawandel wirkt, zeigt eine Publikation am Beispiel Wien. Der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist als invasiver Neophyt bekannt und hat sich aus seiner ursprünglichen Heimat China und Nord-Vietnam mittlerweile in temperierte und subtropische Regionen aller bewohnten Kontinente verbreitet. In Österreich wird er aktiv in der Verbreitung gehindert. Der Götterbaum ist schon vor langer Zeit in Europa angekommen und wurde als Zierpflanze bereits 1780 in Berlin gepflanzt. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat er sich in Europa massiv verbreitet. Er steht seit 2019 auf der EU-Liste der invasiven Arten (EU regulation 2019/1262). Als Allergen ein Sonderfall Als Allergen ist der Götterbaum ein Sonderfall, da er nicht rein windbestäubt ist (wie z.B. Birke und Gräser), sondern hauptsächlich insektenbestäubt. Allerdings wird bei der Bestäubung viel Pollen freigesetzt und er gilt als sowohl durch Insekten als auch durch Wind bestäubbar. In seiner Heimat China sind Sensibilisierungsraten bei Allergikern von bis zu 30 Prozent bekannt. Der Götterbaum hat zu blühen begonnen. Maximilian Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien erklärt: „Das ist ein eher früher durch die Hitze bedingter Blühbeginn. Der Pollenflug profitiert von Sonnenschein und hohen Temperaturen. Sollte es weiterhin sommerlich warm und trocken bleiben, muss man von einer intensiveren Saison ausgehen.“ Der Götterbaum blühte zuletzt 2024 intensiver, damals waren zum Höhepunkt seiner Saison in Wien mehr Götterbaumpollen in der Luft als Gräserpollen. Die Blütezeit des Götterbaumes überschneidet sich mit der Hauptblüte der Gräser. Die Gräserpollensaison macht es übrigens wegen einem Mix an verschiedenen Gräserarten, die gleichzeitig blühen, dieses Jahr schwer für Betroffene. Robust, konkurrenzstark und mit allergenem Potenzial Der Götterbaum ist eine sehr robuste Pflanze. Er verträgt Luftverschmutzung, Hitze, Dürre, hohen Salzgehalt, Herbizide, Schnitt und wächst auch auf festem Erdreich und unfruchtbaren oder kontaminierten Böden. Da er somit auch das Stadtklima besonders gut verträgt, gilt er als klimafitter Baum. Außerdem ist er konkurrenzstark, da er einen allelopathischen (hemmenden) Effekt auf andere Pflanzen und die Keimung ihrer Samen hat. In Zentraleuropa findet man ihn am häufigsten in den wärmsten Teilen von Städten. Durch seine Wurzeln kann er auch Infrastrukutur beschädigen. Götterbaumpollen gilt mittlerweile als ein relevantes Aeroallergen. Die allergenen Proteine wurden mehrfach beschrieben und klinische Daten zeigen durchaus bedeutende Sensibilisierungsraten in China und (im kleineren Rahmen) auch in Teilen Europas. Allerdings ist Götterbaumpollen in den Standardtests derzeit nicht verfügbar und auch große Studien zu Sensibilisierungsraten in Österreich und großen Teilen Europas fehlen. Der Götterbaum im Klimawandel Pollendaten zum Götterbaum sind kaum publiziert. Die längste Datenreihe (48 Jahre) wurde nun von der MedUni Wien publiziert und analysiert. Temperatur und Sonnenscheinstunden zeigten die höchste Korrelation mit den Pollenkonzentrationen. Außerdem zeigte sich ein Anstieg der Gesamtpollenmenge von Götterbaum, ein früherer Start und eine frühere Saisonspitze. In Metropolen wie Wien kommt der „urban heat island“-Effekt hinzu, der diesen Trend verstärken kann. Katharina Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien erklärt: „Zum ersten Mal wurde der Anstieg der Pollenkonzentrationen beim Götterbaum wissenschaftlich belegt. Man muss mit einer Fortsetzung dieses Trends bei der derzeitigen Entwicklung der globalen Erwärmung ausgehen.“ Denn der Götterbaum kann sich von Wärmeinseln auch ins Umland ausbreiten, in natürlichen Habitaten etablieren und heimische Ökosysteme schädigen.
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