ALM warnt: Apothekenreform darf nicht zu Lasten der Patientensicherheit gehen24. September 2025 Symbolfoto: © pix4U/stock.adobe.com Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sehen vor, dass Apotheken künftig mehr Leistungen wie Impfungen und Vorsorge anbieten können. In die Riege der Kritiker dieses Vorschlags reiht sich nun auch der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) ein. Diagnostische Tests und Antibiotikaverordnungen in Apotheken würden die Qualität und ärztliche Verantwortung gefährden, warnt der ALM in einer aktuellen Mitteilung. Die in der letzten Woche vorgestellten Apothekenreform (wir berichteten) stieß bereits auf massiven Widerstand der Ärzteschaft. So warnten führende Verbände – von KBV über BÄK, SpiFa, BDI bis hin zum Hausärztinnen- und Hausärzteverband – in einem offenen Brief vor einer Aufweichung des bewährten Vier-Augen-Prinzips und den Risiken für die Patientensicherheit. „Labordiagnostik ist kein Schnelltest an der Ladentheke“ Der ALM unterstützt diese Position ausdrücklich und weist ergänzend auf die besonderen Gefahren einer Verlagerung labordiagnostischer Leistungen in Apotheken hin. „Labordiagnostik ist kein Schnelltest an der Ladentheke, sondern ein komplexer medizinischer Prozess, der ärztliche Verantwortung erfordert. Nur so ist gewährleistet, dass Ergebnisse korrekt eingeordnet und im Sinne der Patientinnen und Patienten genutzt werden. Diagnostische Tests gehören ins fachärztliche Labor“, erklärt ALM-Vorsitzender Dr. Michael Müller. Nach den Eckpunkten sollen Apotheken künftig einfache diagnostische Tests, etwa zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie patientennahe Schnelltests anbieten können. Aus Sicht des ALM ist dies eine gefährliche Fehlentwicklung. Die fachärztliche Labordiagnostik unterliege strengen gesetzlichen Vorgaben und Qualitätsstandards – von der Rili-BÄK bis hin zu verpflichtenden externen Ringversuchen. Diese Qualitätssicherung sowie die ärztliche Indikationsstellung und Interpretation seien entscheidend, damit Laborergebnisse sinnvoll für die Behandlung genutzt werden könnten, heißt es vom Verband. Therapie ohne Labordiagnostik ist riskant Besonders kritisch bewertet der ALM die vorgesehene Möglichkeit, Apotheken bei unkomplizierten Infekten wie Harnwegsinfekten die eigenständige Abgabe von Antibiotika zu erlauben. Der stellvertretende Vorsitzender Prof. Jan Kramer, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Innere Medizin, warnt: „Auch beim Harnwegsinfekt zeigt sich, wie wichtig die ärztliche Beurteilung der klinischen Situation und die fachgerechte labordiagnostische Abklärung sind. Laboruntersuchungen unterstützen die ärztliche Entscheidung, ob überhaupt ein Antibiotikum erforderlich und welches Präparat wirksam ist.“ Er gibt zu bedenken, dass jede Abgabe ohne ärztliche Entscheidung und häufig auch labormedizinische bzw. mikrobiologisch fachärztliche Begleitung das Risiko einer Fehlversorgung birgt und Resistenzen begünstigt. Die geplante Regelung widerspreche zudem den Grundsätzen einer rationalen Antibiotikatherapie und den Bemühungen um Resistenzvermeidung. Patientensicherheit und Versorgung im Mittelpunkt Der ALM fordert Ministerin Warken auf, den Ausbau wohnortnaher Versorgung nicht auf Kosten der Qualität zu gestalten. „Statt Parallelstrukturen in Apotheken zu schaffen, sollten Patientinnen und Patienten besseren Zugang zu ärztlich verantworteter Labordiagnostik erhalten – etwa durch die Aufhebung des Überweisungsvorbehalts für bestimmte Laborleistungen oder durch Modelle wie qualitätsgesicherte Voucher-Lösungen“, erklärt der Verband. „Wer die Patientensicherheit ernst nimmt, darf diagnostische Leistungen nicht aus dem fachärztlichen Kontext herauslösen“, sagt Müller abschließend.Der ALM appelliert an die Politik, die Labordiagnostik konsequent in ärztlicher Verantwortung zu belassen und bei allen Reformschritten die Qualität der Versorgung als oberstes Kriterium anzulegen.
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