Altersmedizin trifft auf Mikrobiomforschung: Neue Impulse für die Therapie von Immunerkrankungen27. Juli 2023 Abbildung: © Aliaksandr Marko/stock.adobe.com Welche Rolle der Mikrobiota-Transfer im Hinblick auf die Immunfunktion bei verschiedenen Erkrankungen spielen kann, wird Thema eines Keynote-Vortrages beim diesjährigen Jahreskongress der Geriater sein. Jüngste Fortschritte in der Mikrobiomforschung ermöglichen neue Systemansätze zur Untersuchung des dynamischen Zusammenspiels zwischen Mikrobiota, ihren Metaboliten sowie den Immun- und Stoffwechselreaktionen des Wirts. Dieses Verständnis eröffnet neue Wege für therapeutische Interventionen bezüglich der Behebung altersbedingter Veränderungen in der Mikrobiota-Wirt-Homöostase. „Solche Eingriffe könnten den fäkalen Mikrobiota-Transfer, kurz FMT, definierte Bakterienkonsortien oder Phagen umfassen. Es wurde bereits gezeigt, dass FMT die Immunfunktion im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen, Krebs und Infektionskrankheiten moduliert“, sagt Prof. Maria Veherschild vom Universitätsklinikum Frankfurt. Im Rahmen ihres Keynote-Vortrages beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DDG) wird sie diesen Themenkomplex genauer beleuchten.* „Eine gezielte Modulation krankheits- und empfängerspezifischer Mikrobiota-Signaturen könnte durch eine personalisierte Spenderauswahl, die Identifizierung definierter mikrobieller Konsortien oder ihrer wirksamen Metaboliten erreicht werden“, sagt Infektiologin Veherschild. Auch fortschrittliche Methoden der Arzneimittelabgabe, die die mikrobielle Transplantation verbessern, spielen dabei eine Rolle. In den vergangenen Jahren wurde das vielversprechende prognostische, diagnostische und therapeutische Potenzial des menschlichen Darmmikrobioms in den Mittelpunkt intensiver Forschung gerückt. „Die Möglichkeit, die Darmmikrobiota zu analysieren hat es ermöglicht, Verschiebungen in der Zusammensetzung mit pathologischen Zuständen sowie mit suboptimaler Gesundheit und Wohlbefinden in Verbindung zu bringen.“ Unterschiede in der Vielfalt, der Zusammensetzung und dem funktionellen Potenzial der mikrobiellen Gemeinschaften des Darms werden mittlerweile mit Autoimmunerkrankungen, Krebs sowie neurodegenerativen und metabolischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Von Bedeutung: Wie Immun- und Entzündungsalterung die Mikrobiota beeinflussen Bei älteren Menschen mit Dysbiose wurde festgestellt, dass sie in höherem Maße als andere Personen zu Gebrechlichkeit neigen. Dies ist dadurch zu erklären, dass eine Dysbiose, die durch einen Verlust wichtiger Schlüsselbakterien ein höheres Level an entzündlicher Aktivität aufweist, das „Inflamm-Aging“ induziert. In dieser Situation kommt es zu einer Beeinträchtigung der Homöostase und der Reparaturmechanismen in praktisch allen Organen und das Risiko für die Entwicklung chronischer Krankheiten im Alter steigt. „In Zukunft müssen wir besser verstehen, inwieweit unsere Mikrobiota diese Prozesse modulieren kann, und es wird von größter Bedeutung sein, wie Immunalterung und Entzündungsalterung wiederum die Zusammensetzung unserer Mikrobiota beeinflussen“, erklärt Vehreschild. Sie ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Leiterin des Schwerpunktes Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie der Klinischen Mikrobiom-Forschungsgruppe und der GMP-zertifizierten Stuhlbank am Universitätsklinikum Köln. Vehreschild und ihre klinische Mikrobiom-Forschungsgruppe verfügen über langjährige Klinik- und Forschungserfahrung in der Behandlung von infektiösen Diarrhoen mit Standardantibiotika und fäkalen Mikrobiota-Transfer-Produkten (FMT). Vehreschild war nach Angaben der DDG die erste, die verkapselte FMT-Produkte in Europa einsetzte; sie habe seitdem mehr als 350 Patienten mit diesen FMT-Produkten behandelt, erklärt die Fachgesellschaft. Darüber hinaus hat die Medizinerin die Gruppe das MicroTrans-Register zur Überwachung der Wirksamkeit und Sicherheit von FMT in Deutschland eingerichtet. Neben FMT-Herstellungs- und Behandlungsverfahren konzentriert sich die Klinische Mikrobiom-Forschungsgruppe Vehreschilds auf die Prävention und Kontrolle der Kolonisierung und Infektion mit multiresistenten Bakterien, insbesondere in immungeschwächten Bevölkerungsgruppen. Innerhalb des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung koordiniert die Medizinerin den Forschungsbereich Healthcare-associated Multi-drug Resistant Bacterial Infections. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Interaktionen zwischen der Mikrobiota und dem Immunsystem. * Terminhinweis: Keynote-Lecture beim DDG-Kongress: „Unser Mikrobiom und Altern“ Zeit: Donnerstag, 14.09.2023, 14.1515 Uhr Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Hörsaal 4
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