Alzheimer: Die Augen als Fenster zur Früherkennung26. Februar 2026 Könnte künftig eine einfache, nicht invasive Weitwinkel-Netzhautbildgebung die Frühdiagnose von Alzheimer ermöglichen? Eine US-amerikanische Studie legt nahe, dass insbesondere der periphere Bereich der Netzhaut ein vielversprechendes Fenster für die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit darstellen könnte (Symbolbild). Bild: © Syda Productions-stock.adobe.com Der äußere Bereich der Netzhaut könnte laut einer US-amerikanischen Studie ein Fenster zur Früherkennung der Alzheimer-Krankheit bieten – lange bevor irreversible Hirnschäden auftreten. Diese Entdeckung hat das Potenzial, die Diagnose, Verlaufsüberwachung und Behandlung der Erkrankung grundlegend zu verändern. Unter der Leitung von Stephen Wong, Ph.D., John S. Dunn Presidential Distinguished Chair für Biomedizintechnik und Direktor des T. T. & W. F. Chao Center for BRAIN am Houston Methodist, Houston USA, zeigt die Studie, dass insbesondere die periphere Netzhaut ein vielversprechendes Fenster für die Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung darstellen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „Journal of Alzheimer’s Disease“ veröffentlicht. „Die Augen sind in der Tat ein Fenster zum Gehirn, aber unsere Studie zeigt, dass wir bisher auf den falschen Teil des Fensters geschaut haben”, so Wong. „Während sich die meisten klinischen Augenuntersuchungen auf die zentrale Netzhaut konzentrieren, scheinen die wichtigsten Frühindikatoren für Alzheimer in der Peripherie des Auges verborgen zu sein. Durch die Identifizierung dieser Veränderungen der Netzhaut, die auftreten, bevor das Leitungssystem des Gehirns versagt, könnten Ärzte möglicherweise routinemäßige Augenuntersuchungen nutzen, um die Krankheit Jahre vor Beginn des Gedächtnisverlusts zu erkennen und zu behandeln.“ Müller-Gliazellen reagieren und durchlaufen zelluläre sowie strukturelle Veränderungen Die Forschung wurde an Mausmodellen durchgeführt. Die Untersuchungen der Wissenschaftler zeigten, wie Müller-Gliazellen in den frühesten Stadien der Krankheit reagieren und signifikante zelluläre sowie strukturelle Veränderungen durchlaufen, bevor andere Alzheimer-Symptome auftreten. „Da die periphere Netzhaut mehr Gliazellen enthält als die zentrale Netzhaut, wollten wir verstehen, wie diese Zelltypen und Blutgefäße in verschiedenen Teilen der Netzhaut im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit interagieren“, erklärte die Erstautorin Glori Das, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wong Laboratory am Houston Methodist und Doktorandin an der Texas A&M School of Medicine. Vermehrte Expression von Aquaporin-4 in den frühesten Stadien der Alzheimer-Erkrankung Die Forscher stellten fest, dass insbesondere Aquaporin-4 bereits in den frühesten Stadien der Erkrankung vermehrt exprimiert wird. Aquaporin-4 ist ein Protein des Zentralnervensystems, das eine zentrale Rolle bei der Ausscheidung von Stoffwechselabfällen spielt, darunter auch Alzheimer-assoziierte Proteine. Eine erhöhte Aquaporin-4-Konzentration geht mit einer Belastung der peripheren Netzhaut einher. Diese spiegelt sich in einer Zunahme sowohl der Größe als auch der Anzahl von Gliazellen wider. Augenärztliche Untersuchung anhand eines nicht-invasiven Weitwinkel-Netzhautbildgebungstest Wong zufolge liefert dies einen visuellen Hinweis darauf, dass der Körper in frühen Krankheitsstadien verstärkt daran arbeitet, das physiologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, bevor dieses Regulationssystem in späteren Phasen schließlich versagt. Er geht davon aus, dass diese Erkenntnisse das Verständnis sowie die Diagnose und Verlaufsüberwachung der Alzheimer-Erkrankung grundlegend verändern könnten. Darüber hinaus eröffnen die Ergebnisse neue Ansatzpunkte für die Entwicklung medikamentöser Frühinterventionen. Wong betonte zudem, dass ein einfacher, nicht-invasiver Weitwinkel-Netzhautbildgebungstest künftig als kostengünstige Alternative zu teuren und invasiven Scans oder anderen Verfahren zu einem festen Bestandteil augenärztlicher Untersuchungen in der Altenpflege werden könnte. Diese Forschung wird von der T. T. und W. F. Chao Foundation unterstützt. (sas/BIERMANN)
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