Alzheimer-Medikament zeigt Wirkung gegen Sichelzellanämie

rote Blutkörperchen, teilweise sichelförmig
Sichelzellanämie könnte zukünftig mit dem ALzheimer-Medikament Memantin behandelt werden. (Bild: © HALIMA/stock.adobe.com)

Ein seit Langem zugelassenes, kostengünstiges Alzheimer-Medikament könnte künftig auch Patienten mit Sichelzellanämie helfen. Erste klinische Daten einer internationalen Forschungsgruppe unter der Leitung der Universität Zürich (UZH) zeigen, dass der Wirkstoff gut verträglich ist, die Beschwerden verringert und die Lebensqualität verbessert.

Bisher lässt sich Sichelzellanämie mit dem Medikament Hydroxyurea behandeln, das bei regelmäßiger Einnahme die Lebensqualität verbessern kann, jedoch nicht von allen Patienten gut vertragen wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Knochenmarktransplantation, für die jedoch häufig geeignete Spender fehlen. Zusätzliche Therapieoptionen wie Gentherapien oder therapeutische Antikörper sind mit extrem hohen Kosten verbunden.

Einen alternativen und kostengünstigeren Ansatz verfolgt ein internationales Team um Max Gassmann, emeritierter UZH-Professor für Veterinärphysiologie. Es erforscht den Einsatz des Alzheimer-Medikaments Memantin außerhalb seiner zugelassenen Indikation zur Behandlung der Sichelzellanämie. Memantin wird seit rund 20 Jahren gegen Alzheimer eingesetzt und ist daher nicht mehr patentierbar.

Potenzial eines günstigen Wirkstoffs

In früheren präklinischen Studien konnten die Forschenden zeigen, dass Memantin eine stabilisierende Wirkung auf die roten Blutkörperchen hat. In der Phase-II-Studie untersuchten sie die Sicherheit und Verträglichkeit des Medikamentes. „Im besten Fall stünde mit Memantin ein nicht mehr patentgeschütztes, gut verträgliches, einfach zu lagerndes und sehr kostengünstiges Medikament zur Verfügung“, berichtet Gassmann. „Das wäre insbesondere für Länder mit einer hohen Krankheitslast und sehr begrenzten Ressourcen – etwa in Afrika oder auch in Indien – von großer Bedeutung.“

Weniger und kürzere Krankenhausaufenthalte

Insgesamt 17 Studienteilnehmende erhielten während zwölf Monaten eine altersgerecht dosierte Memantin-Therapie. Die Studie zeigt mehrere wesentliche Ergebnisse: Die Behandlung wurde gut vertragen, und über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren bestätigten mehr als 25 Laborparameter die Sicherheit des Medikamentes. Gleichzeitig zeigte sich ein deutlicher klinischer Nutzen: Sowohl die Anzahl als auch die Dauer von Krankenhausaufenthalten gingen signifikant zurück. Besonders bei Kindern traten weniger schmerzhafte Krankheitsschübe auf. Schwerwiegende Nebenwirkungen oder therapiebedingte Studienabbrüche wurden nicht beobachtet.

Folgestudie geplant

Einschränkend bleibt bisher, dass alle Patienten ihre bestehende Hydroxyurea-Therapie während der gesamten Studiendauer fortsetzten, da ein Absetzen ethisch nicht vertretbar gewesen wäre. „Die beobachteten Effekte sind daher als komplementär zu Hydroxyurea zu interpretieren“, erklärt Gassmann. Das Forschungsteam plant nun eine Folgestudie, die erstmals auch Patienten einschließt, die nicht mit Hydroxyurea vorbehandelt sind, um Kombinationstherapien systematisch zu analysieren. Auf diese Weise soll die klinische Wirksamkeit von Memantin umfassend und evidenzbasiert geprüft werden.

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