Anämie in der Schwangerschaft mit geringerem Gehirnvolumen bei Babys verbunden14. September 2026 Symbolbild © Chanita/stock.adobe.com Babys von Müttern, die während der Schwangerschaft an Anämie litten, weisen ein geringeres Gehirnvolumen auf als Babys von Müttern ohne Anämie; dies ergab eine neue Studie von Forschenden des King’s College London (Großbritannien) und der Universität Kapstadt (Südafrika). Mithilfe eines tragbaren MRT-Scanners stellten die Forschenden fest, dass messbare Unterschiede im Gehirnvolumen ab einem Alter von etwa 12 Monaten auftreten. Dies liefert einen der bislang frühesten Belege dafür, dass eine mütterliche Anämie die Gehirnentwicklung des Säuglings im ersten Lebensjahr und darüber hinaus prägt. Die in der Fachzeitschrift „Brain Communications“ veröffentlichte Studie untersuchte 394 Mutter-Kind-Paare in Kapstadt und scannte die Gehirne einer Untergruppe der Säuglinge zu mehreren Zeitpunkten zwischen dem dritten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr. Babys von Müttern, die während der Schwangerschaft an Anämie gelitten hatten, wiesen im Durchschnitt ein um etwa vier Prozent geringeres Gesamtgehirnvolumen auf als Babys von Müttern ohne Anämie. Unterschiede zeigten sich zudem in drei spezifischen Bereichen: dem Putamen, dem Nucleus caudatus und dem Corpus callosum – Strukturen, die an Bewegungsabläufen, Lernprozessen, Emotionsregulation, exekutiven Funktionen sowie der Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften beteiligt sind. Unterschiede bis ins Schulalter messbar Im Verlauf der ersten beiden Lebensjahre vergrößerte sich dieser Unterschied. Während das Corpus callosum in der Gruppe, deren Mütter an Anämie gelitten hatten, im Alter von 12 Monaten um etwa vier Prozent kleiner war, wuchs dieser Abstand bis zum Alter von 24 Monaten auf sechs Prozent an. Diese Ergebnisse ergänzen frühere Untersuchungen von Ringshaw, Donald und Kollegen an Kleinkindern und Schulkindern in Südafrika, bei denen vergleichbare Unterschiede im Gehirnvolumen (zwischen 4 und 8 %) in denselben Hirnregionen festgestellt wurden. Die neue Studie zeigt, dass diese Unterschiede bereits im Alter von einem Jahr nachweisbar sind. Die beobachteten Unterschiede im regionalen Gehirnvolumen waren auch dann feststellbar, wenn die Mütter in der untersuchten Gruppe lediglich an einer leichten Anämie gelitten hatten. Die Forschenden sehen in diesen Ergebnissen einen Beleg dafür, dass eine mütterliche Anämie vor der Geburt einen erheblichen Risikofaktor für Veränderungen der kindlichen Gehirnstruktur darstellt; zudem unterstreichen sie, wie wichtig es ist, Anämie vor und während der Schwangerschaft vorzubeugen und zu behandeln. Jessica Ringshaw, Erstautorin und Forscherin am King’s College und an der Universität Kapstadt, erklärt: „Das Bemerkenswerte an diesen Ergebnissen ist, wie früh wir diese Veränderungen feststellen können. Dass wir bei Säuglingen, die im Mutterleib Anämie ausgesetzt waren, solch deutliche Volumenunterschiede beobachten, unterstreicht, wie wichtig es ist, die Maßnahmen für Frauen sowohl vor als auch während der Schwangerschaft zu optimieren.“ Tragbares MRT ermöglicht Untersuchungen vor Ort Die Studie ist zudem die erste, die untersucht, ob ein tragbarer, kostengünstiger und energieeffizienter MRT-Scanner diese Unterschiede ebenso zuverlässig erfassen kann wie ein herkömmlicher Krankenhausscanner. Das Team setzte sowohl einen Standard-3-Tesla-Scanner als auch ein leichtes 64-Millitesla-Gerät ein, das direkt vor Ort in den Gemeinden eingesetzt werden kann, sodass Familien nicht ins Krankenhaus reisen müssen. Zudem erfordert das Gerät weniger Infrastruktur sowie weniger spezialisiertes Fachwissen und ist deutlich leiser als Hochfeld-Scanner; schlafende Säuglinge können daher problemlos ohne Sedierung untersucht werden. Nach Ansicht der Forschenden ebnet dies den Weg für ähnliche Studien – etwa zur Wirksamkeit von Interventionen – in Weltregionen, in denen herkömmliche Scanner nur begrenzt verfügbar sind. Prof. Steve Williams vom King’s College London erklärt: „Diese Studie hat gezeigt, dass unsere neuartige Technologie die Auswirkungen von Mangelernährung auf das sich entwickelnde Gehirn in großem Maßstab und unter schwierigsten Bedingungen messen kann. Dies ermöglicht eine frühzeitige und präzise Bewertung geplanter Interventionsmaßnahmen.“ Anämie in der Schwangerschaft weltweit häufig Anämie in der Schwangerschaft betrifft weltweit mehr als ein Drittel aller schwangeren Frauen, wobei die höchsten Raten in Subsahara-Afrika und Südasien verzeichnet werden. Während Anämie meist durch Eisenmangel – bedingt durch die Ernährung oder eine eingeschränkte Eisenaufnahme des Körpers – verursacht wird, können auch Infektionen wie HIV zu Blutarmut führen. Das Team stellte fest, dass HIV-positive Mütter in der Studie ein höheres Risiko für Anämie während der Schwangerschaft aufwiesen. Dies könnte, so die Forschenden, auf indirekte Auswirkungen von Entzündungsprozessen auf die Verwertung des mit der Nahrung aufgenommenen Eisens zurückzuführen sein. Professor Kirsten Donald, Senior-Autorin und Leiterin der „Khula South Africa“-Kohortenstudie an der Universität Kapstadt, sagt: „Anämie in der Schwangerschaft – oft verursacht durch Eisenmangel – betrifft weltweit Millionen von Frauen und Kindern. Bislang waren unsere Möglichkeiten, die Auswirkungen auf die frühe Gehirnentwicklung zu untersuchen, in den am stärksten betroffenen Regionen sehr begrenzt. Die direkte Messung dieser Effekte eröffnet einen wichtigen neuen Ansatz, um zu verstehen, welche ernährungsbezogenen Maßnahmen bei Müttern die Entwicklung der Kinder maßgeblich positiv beeinflussen können.“ (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Eisenmangel in der Schwangerschaft: Patient Blood Management kann helfen
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