Anästhesisten warnen vor drohender Verschiebung von Operationen wegen Pandemie2. November 2021 Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten Götz Geldner. Quelle: ©BDA Die deutschen Anästhesistinnen und Anästhesisten warnen vor einer Überlastung der Krankenhäuser durch die Pandemie und die Folgen verschobener Operationen. „Vor allem durch verstärktes Impfen müssen wir unbedingt verhindern, dass die Intensivstationen noch mehr COVID-19-Patienten aufnehmen müssen und deshalb andere Krankenhaus-Abteilungen in ihrem Betrieb eingeschränkt werden“, sagt Prof. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA) mit mehr als 20.000 Anästhesistinnen und Anästhesisten in der Mitgliederschaft. Um die Intensivpatienten versorgen zu können, mussten in den ersten Wellen Operationssäle zeitweise geschlossen und Schwestern und Pfleger aus der Anästhesie in die Intensivmedizin geschickt werden. Besonders nach der zweiten Corona-Welle habe man gesehen, so Geldner, welche Auswirkungen das für andere Kranke gehabt habe: So habe sich der Zustand von Patientinnen und Patienten, die sich dringend einer Operation zum Beispiel am Herzen oder am Rücken unterziehen mussten, in den folgenden Wochen und Monaten gefährlich verschlechtert: „Das gilt es in der laufenden vierten Welle und im kommenden Winter zu vermeiden.“ Koalitionsparteien sollen sich des Pflegenotstands und der Folgen annehmen Geldner appelliert gleichzeitig eindringlich an die möglichen Koalitionsparteien in Berlin, sich des Pflegenotstands und deshalb nicht belegbarer Betten auf den Intensivstationen anzunehmen: „In immer mehr Krankenhäusern kann ein großer Teil der offenen Stellen für Intensivschwestern und -pfleger über Monate nicht besetzt werden.“ Die Folge: Nicht alle verfügbaren Betten können betrieben werden. Das verbliebene Personal ist überlastet. Schwerkranke müssen unter Umständen in weiter entfernte Kliniken transportiert oder verlegt werden. Größere Operationen, die eine Überwachung der Patienten auf der Intensivstation erfordern, müssen – entgegen jeder Empfehlung und Verantwortung – verschoben werden. „Die Politik muss den noch vorhandenen Schwestern und Pflegern in der Intensivmedizin und in der Anästhesie eine glaubhafte und gute Perspektive geben“, fordert BDA-Präsident Geldner. Er schlägt vor, Pflegekräfte mit höheren Belastung durch schwerere Fälle und mehr Schichtdienst besser zu bezahlen. Es gehe aber nicht nur um eine gerechte Bezahlung, sondern auch um eine stärkere Berücksichtigung der Work-Lifetime-Balance, die Anpassung der Beanspruchung an Leistungsmöglichkeiten der einzelnen Kollegin oder des Kollegen: „Wir haben den Exodus kommen sehen. Jetzt ist er da. Und jetzt muss sofort etwas dagegen getan werden! Es bleibt keine Zeit mehr für Bekundungen und Diskussionen. Sonst wird das irgendwann Menschenleben kosten – das ist absehbar!“ Ein Anästhesist pro Patient im OP und mehr Personal zur Ausbildung Während die Personalnot im Pflegebereich akut ist, droht sie nach Geldners Einschätzung auch bei Anästhesistinnen und Anästhesisten: Auch hier fordert der BDA-Präsident von der Politik und den möglichen Koalitionären schnell Verbesserungen: „Wir brauchen pro Patient im Operationssaal eine Anästhesistin oder einen Anästhesisten. Alles andere ist lebensgefährlich!“ Jeden Tag zu jeder Zeit müsse in ganz Deutschland eine qualifizierte Anästhesistin oder ein qualifizierter Anästhesist verfügbar sein, um eine hoch qualitative Behandlung jeder Patientin und jedes Patienten in den Bereichen Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie zu gewährleisten, macht der BDA deutlich. Dies sei vor allem zu erreichen durch die Sicherung der ärztlichen Ausbildung: „Wir benötigen mehr Medizin-Studienplätze und für junge Anästhesistinnen und Anästhesisten im ersten halben Berufsjahr eine doppelte Besetzung, einen erfahre Kollegin oder einen erfahrenen Kollegen in direkter Nähe“, sagt Geldner. „Anders als Stationsärzte können sie Anästhesisten im OP in den ersten Monaten nicht ohne Gefahr allein arbeiten lassen.“ Geldner bietet Politikerinnen und Politikern an, vor allem jenen in den Koalitionsverhandlungen in Berlin, mit den Anästhesisten ins Gespräch zu kommen und sich in Operationssälen und auf Intensivstationen selbst ein Bild von der zum Teil bedrohlichen Lage zu machen.
Mehr erfahren zu: "Chronische Schmerzen: Wie die Opioidreduktion gelingen kann" Chronische Schmerzen: Wie die Opioidreduktion gelingen kann Bei chronischen nichttumorbedingten Schmerzen sollten Opioide nur als zeitlich begrenzter Therapieversuch mit regelmäßiger Nutzen-Risiko-Kontrolle eingesetzt werden. Wie das Ausschleichen von Opioiden erfolgreich gelingen kann, zeigt eine randomisierte US-Studie.
Mehr erfahren zu: "Antibiotika werden global nicht optimal eingesetzt" Antibiotika werden global nicht optimal eingesetzt Antibiotika werden weltweit nicht optimal eingesetzt. So würden einfache Mittel für häufige bakterielle Infektionen zu wenig genutzt, in ärmeren Ländern erhalten Patienten oft nicht die Mittel, die bei schweren Infektionen […]
Mehr erfahren zu: "Alarmierende Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Kindern" Alarmierende Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Kindern Eine neue globale Monitoring-Plattform warnt vor einer signifikanten Zunahme der Antibiotikaresistenzen in den kommenden zehn Jahren. Besonders gefährdet sind dadurch Neugeborene und schwerkranke Kinder auf Intensivstationen.