Androgene fördern das Wachstum von PFA-Ependymomen

Dreidimensionale Darstellung von Ependymom-Zellen. (Foto: © LASZLO – stock.adobe.com)

Ein internationales Team hat herausgefunden, was das Wachstum von Ependymomen der hinteren Schädelgrube Typ A (PFA-Ependymom) antreibt. Dies eröffnet neue Behandlungsansätze. 

Die Forschenden berichten in „Nature“, dass Androgene das Wachstum von PFA-Ependymomen fördern, nicht jedoch das anderer Hirntumoren. Die Blockade der Androgensignalübertragung verringerte die Tumorvermehrung. Die Forschenden sehen darin die Möglichkeit eines neuartigen Behandlungsansatzes für diese derzeit unheilbare Krebserkrankung im Kindesalter.

„Was das Wachstum des PFA-Ependymoms antreibt, war lange Zeit ein Rätsel“, erklärte der Co-Erstautor Dr. Jiao Zhang, Assistenzprofessor für Pädiatrie – Hämatologie/Onkologie an der Baylor University und am Texas Children’s Hospital. „Im Gegensatz zu anderen tödlichen Hirntumoren fehlen bei dieser Krebsart eindeutige genetische Auslöser, was die Entwicklung wirksamer Therapien verzögert hat. In der aktuellen Studie haben wir den Tumor aus einem anderen Blickwinkel untersucht.“

Was erklärt die geschlechtsspezifischen Unterschiede?

Frühere Studien haben gezeigt, dass die meisten Patienten mit PFA-Ependymomen männlich sind und dass ihre Überlebensrate geringer ist als die von weiblichen Betroffenen. Die Mechanismen, die diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden zugrunde liegen, waren bislang jedoch unbekannt. Es ist zudem bekannt, dass in Populationen im gleichen frühen Entwicklungsstadium weibliche Gehirnzellen in ihrer Entwicklung weiter fortgeschritten zu sein scheinen als männliche.

Anhand von Tiermodellen und im Labor gezüchteten Krebszellen untersuchte das Team daher, ob die beobachteten geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Anfälligkeit für das PFA-Ependymom von den Geschlechtschromosomen oder von den Geschlechtshormonen abhängen.

„Wir stellten fest, dass PFA-Ependymomzellen, wie es auch bei normalen Gehirnzellen der Fall ist, bei männlichen Patienten weniger entwickelt sind als bei weiblichen“, berichtete Zhang. „Dieser Unterschied wird durch Androgene verursacht, die diese Tumorzellen in einem weniger entwickelten, wachstumsanfälligen Zustand halten. Wir beobachteten keine Unterschiede, die auf chromosomale Faktoren zurückzuführen waren, und weibliche Sexualhormone veränderten das Wachstum der PFA-Zellen im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht.“

Ergebnisse eröffnen eine neue Behandlungsoption

Weitere Studien stützten diese Beobachtung, indem sie zeigten, dass eine Androgensupplementierung das Wachstum von PFA-Ependymomen förderte und deren weniger entwickelte Eigenschaften verstärkte.

„Unsere Studie liefert eine biologische Grundlage für das Verständnis der seit Langem bekannten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei PFA-Ependymomen“, betonte die Mitautorin Dr. Claudia Kleinman, Professorin am Institut für Humangenetik und Forscherin am Lady Davis Institute for Medical Research der McGill University in Montreal (Kanada).

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Anti-Androgen-Therapien eine vielversprechende Behandlungsoption für diese verheerende Erkrankung darstellen könnten“, ergänzte der Mitautor Dr. Kulandaimanuvel Antony Michealraj, Assistenzprofessor für Neurochirurgie an der University of Pittsburgh School of Medicine (USA). (ej/BIERMANN)

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