Angeborene Herzfehler: Zwerchfellschrittmacher soll Kindern mit Einkammerherzen helfen

Tobias Kratz (re.) mit Armin Welz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung, bei der Urkundenübergabe auf der 55. Jahrestagung der DGPK in Hamburg. Foto: DGTHG/David Außerhofer

Kann ein Zwerchfellschrittmacher bei postoperativer Zwerchfell-Lähmung im Zuge einer Fontan-Operation das klinische Outcome der kleinen Patienten verbessern? Dies untersucht ein Forscher des Universitätsklinikums Bonn in einem mit der Gerd-Killian-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung unterstützten Projekt.

Bei Kindern mit angeborenem Herzfehler (AHF), die am Herzen operiert werden müssen, kann es zu einer postoperativen Zwerchfellparese kommen. Häufiger kommt es zu einer solchen Zwerchfell-Lähmung bei Kindern mit Einkammerherzen. Diese Kinder benötigen in den ersten Lebensjahren mehrere aufeinander abgestimmte Herzoperationen mit dem Ergebnis der sogenannten Fontan-Zirkulation. Zur Komplikation der Zwerchfell-Lähmung kommt es etwa durch Nervenverletzungen beim Freilegen der oberen Hohlvene. Die postoperative Zwerchfell-Lähmung führt zu einer Verschlechterung der Atmung des Kindes, was eine künstliche Beatmung notwendig macht. Eine wesentlich höhere Komplikationsrate und postoperative Sterblichkeit kann bei Patienten mit postoperativer Zwerchfellparese und Einkammerherzen beobachtet werden. 

Der Wissenschaftler Dr. Tobias Kratz, Facharzt an der Abteilung für Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Bonn, forscht an einem Verfahren, das mit Hilfe eines Zwerchfellschrittmachers versucht, die Blutzirkulation durch elektrische Stimulation des Zwerchfells positiv zu beeinflussen. Für sein Forschungsvorhaben „Untersuchung des Einflusses eines Zwerchfellschrittmachers auf die Hämodynamik bei unilateraler Zwerchfellparese im univentrikulären Kreislauf (obere cavopulmonale Anastomose) im Tiermodell des Schweins“ erhielt Dr. Kratz die renommierte Gerd-Killian-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung. Die Auszeichnung für dieses Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der AHF ist mit 69.743 Euro dotiert. Die Projektförderung wurde von der Herzstiftung auf der 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) in Hamburg vergeben.

„Für mehr Sicherheit und Stabilität der Herzfunktion bei Fontan-Patienten mit univentrikulärem Herzen ist die Erweiterung des therapeutischen Spektrums von enormer Bedeutung. Das Forschungsvorhaben von Dr. Kratz zum Einsatz des Zwerchfellschrittmachers für diese Patienten leistet hierbei einen sehr wichtigen Beitrag“, betont Herzchirurg Prof. Armin Welz, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF).

Zwerchfellschrittmacher soll Verbesserung gegenüber Zwerchfellraffung bringen

Das bisherige Vorgehen sieht bei nicht selbstständig zu erwartender Funktionsrückkehr des Zwerchfells eine Zwerchfellraffung vor. „Im besten Falle ist nach einer Zwerchfellraffung nur mit einer moderaten Wiederkehr der ursprünglichen Funktionsfähigkeit des Zwerchfells zu rechnen“, erklärt Kratz. Dies spielt bei Patienten mit univentrikulärem Herzen eine besondere Rolle, da auf Grundlage des aktuellen Kenntnisstands die aktive Zwerchfellbewegung eine hohe Relevanz für die Herz-Kreislauf-Situation der Patienten besitzt. Insbesondere Fontan-Patienten zeigen Kratz zufolge eine erhöhte Komplikationsrate nach einer Zwerchfell-Lähmung, meistens verbunden mit einem verlängerten stationären Aufenthalt, da bei diesen Patienten die Durchblutung der Lungenarterien und damit die Füllung der verbleibenden Herzkammer (Systemventrikel) abhängig von einer guten Zwerchfellbewegung ist.

„Auch nach einer therapeutischen Zwerchfellraffung zeigen sich weiterhin schlechtere Blutflüsse im Bereich der unteren Hohlvene oder der Lebervenen, was zu einem erhöhten Risiko von Komplikationen bei univentrikulären Herzen führen kann“, erläutert Kratz. Auf der Grundlage von primären Forschungsergebnissen zu einem einseitigen Zwerchfellschrittmacher, der zur Wiedererlangung einer beidseitigen Zwerchfellfunktion führt, soll im Rahmen des Forschungsprojekts von Kratz und seinem Team am Uniklinikum Bonn am Tiermodell nun der Einfluss der Zwerchfellstimulation auf die Blutflüsse beim univentrikulären Herzen (Glenn bzw. Fontan-Zirkulation) untersucht werden.