Anhaltende Beschwerden nach Atemwegsinfektionen sind nicht selten – über verschiedene Erreger hinweg21. September 2026 Foto: Krakenimages.com/stock.adobe.com Auch nach der Pandemie sind langanhaltende Beschwerden nach Atemwegsinfektionen keine Seltenheit. Dabei tritt ein solches postakutes Infektionssyndrom (PAIS) nach Infektionen mit dem Coronavirus, Influenza und anderen Atemwegserregern in ähnlicher Häufigkeit und Ausprägung auf. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Universitätsmedizin Halle im „Deutschen Ärzteblatt“ hervor, für die Berichte von fast 47.000 Personen der bundesweiten DigiHero-Studie ausgewertet wurden. Nach einer Atemwegsinfektion erholen sich nicht alle Betroffenen vollständig. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben Symptome auch nach Abklingen der Infektion bestehen. Halten sie mehr als zwölf Wochen nach der akuten Phase an, spricht man von einem PAIS. PAIS: Beschwerden sind häufig schwer einzuordnen „Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können“, erklärt Prof. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik an der Universitätsmedizin Halle und Letztautor der aktuellen Studie. „Die Beschwerden sind medizinisch oft schwer einzuordnen und entsprechend schwierig zu behandeln.“„Bisher fehlten Daten dazu, wie häufig PAIS in der Allgemeinbevölkerung nach der Corona-Pandemie auftritt, welche Beschwerden dabei auftreten und in welchem Umfang Betroffene medizinische Versorgung in Anspruch nehmen“, erklärt Jonas Frost, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitätsmedizin Halle. Diesen Fragen ist das Studienteam für den Zeitraum von September 2024 bis August 2025 auf der Grundlage der DigiHero-Studie nachgegangen. „Unsere Analyse zeigt, dass PAIS ein relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen nach Atemwegsinfektionen ist und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt ist“, fasst Friederike Peter, Co-Erstautorin der Studie von der Universitätsmedizin Halle, die Ergebnisse zusammen.Knapp die Hälfte (48% aller Befragten) gab an, im genannten Zeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion durchgemacht zu haben. Jüngere Menschen berichteten dabei häufiger von Infektionen. Rund 4300 Personen (19% derjenigen mit einer Infektion) gaben an, danach mindestens zwölf Wochen unter Beschwerden gelitten zu haben. Mit zunehmendem Alter stieg das Risiko für langanhaltende Symptome kontinuierlich an: von 13 Prozent bei den 20- bis 29-Jährigen auf 21 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen. Jonas Frost und Friederike Peter diskutieren die Studienergebnisse zu anhaltende Beschwerden nach Atemwegsinfektionen. (Copyright: Universitätsmedizin Halle) Ähnliche Symptome, unabhängig vom Erreger Ein großer Teil der Personen mit anhaltenden Beschwerden nahm an einer Folgebefragung teil. Dabei zeigte sich: Die Symptome ähnelten sich weitgehend – unabhängig vom Erreger, der in einem Viertel der Fälle bekannt war. Insbesondere nach Corona- und Influenza-Infektionen zeigten sich dabei ähnliche Beschwerdebilder. Am häufigsten berichteten die Betroffenen, dass sie körperlich weniger belastbar waren, schneller außer Atem kamen, rasch erschöpft waren und weniger Energie hatten. Fast 90 Prozent gaben an, dass die Beschwerden ihren Alltag mäßig bis sehr stark beeinträchtigten.Die Dauer der anhaltenden Symptome war bei Corona- und Influenza-Infektionen ähnlich. Innerhalb von zwölf Monaten waren rund 17 Prozent der langfristig Erkrankten wieder vollständig genesen. Bei der großen Mehrheit hielten die Beschwerden somit länger als ein Jahr an. Mehr als die Hälfte (58%) der potenziell von PAIS betroffenen Personen nahen medizinische Hilfe in Anspruch. Davon erhielten 82 Prozent eine medizinische Behandlung, die aber nicht näher spezifiziert wurde. Einschränkungen aufgrund des Studiendesigns Da die Daten auf eigenen Angaben der Teilnehmenden beruhen, sind sie mit gewissen Unsicherheiten verbunden. „Es wurden nur Infektionen erfasst, an die sich die Befragten erinnern konnten. Intensive Verläufe blieben dabei vermutlich besser im Gedächtnis. Zudem ist es möglich, dass sich Menschen mit langanhaltenden Beschwerden eher an eine vorangegangene Infektion erinnern“, erläutert Studienautorin Peter.Die Befragung erfragte außerdem nur, ob in dem Zeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion aufgetreten war. Viele Menschen infizieren sich mehrmals im Jahr. Zudem wurden einige Angaben im weiteren Verlauf der Befragung noch einmal eingeordnet: Ein kleiner Teil der Beschwerden wurde von den Betroffenen nicht auf die Infektion zurückgeführt. „Insgesamt gehen wir von einem Risiko von 16 Prozent aus, nach einer Atemwegsinfektion innerhalb des abgefragten Zeitraums langanhaltende Beschwerden entwickelt zu haben, die den Kriterien für PAIS entsprechen“, so Studienautor Frost. Hintergrundinformationen zu PAIS Das Phänomen PAIS ist insbesondere durch die COVID-19-Pandemie bekannt geworden, in diesem Fall spezifisch als Long-COVID. Allerdings sind solche anhaltenden Beschwerden nach Infektionen schon länger beschrieben und treten nicht nur nach Corona-Infektionen auf.Die aktuelle Studie ist Teil von DigiHero, einer bevölkerungsbasierten, deutschlandweiten Studie zur digitalen Gesundheitsforschung. Bisher haben sich über alle Bundesländer hinweg mehr als 128.000 Personen registriert. Die Teilnehmenden werden zu Online-Umfragen eingeladen, die unter anderem Fragen zur Entstehung chronischer Krankheiten, zu gesundem Altern und zum psychischen Wohlbefinden enthalten.Die Rekrutierung für die DigiHero-Studie wurde durch Eigenmittel und öffentliche Förderungen unterstützt. Zu den Förderern zählen das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG, Standort Halle-Jena-Magdeburg), das Universitätsklinikum Jena, die Universität Münster, der Leibniz ScienceCampus Digital Public Health Bremen (LSC DiPH), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und die Medizinische Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
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