Anorexie führt zu signifikant schlechteren Schwangerschaftsergebnissen18. Juli 2022 Foto: © Nomad_Soul – stock.adobe.com Frauen, die unter der Ess-Störung Anorexia nervosa leiden, haben im Vergleich zu nicht erkrankten Müttern ein fünffach erhöhtes Risiko, ein untergewichtiges Kind zur Welt zu bringen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Anfang Juli auf der 38. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE ) vorgestellten Ergebnisse zeigen auch ein deutlich erhöhtes Risiko (298 %) für eine Frühgeburt und eine mehr als dreifach so hohe Wahrscheinlichkeit (341 %) für eine Plazentaablösung im Vergleich zu Müttern ohne Anorexie. Die Studie der McGill-Universität in Montreal, Kanada, basiert auf Daten von mehr als neun Millionen Frauen mit und ohne Anorexie, einer schweren psychiatrischen Störung, die oft lebenslang besteht. Dr. Ido Feferkorn bezeichnete die in der Studie nachgewiesene Häufigkeit von Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht als “schockierend höher” im Vergleich zu den Kindern von Frauen mit gesundem Gewicht. Entsprechend seien die Ergebnisse der Studie eine ernste Botschaft über den Umgang mit diesen Patientinnen während und nach einer Schwangerschaft. “Viele Fruchtbarkeitsspezialisten stehen vor dem Dilemma, Frauen zu behandeln, die unterernährt sind. Die Kliniken sollten sich des Ausmaßes der negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft bei Patientinnen mit Magersucht bewusst sein.” Die Daten stammten aus einer großen öffentlich zugänglichen Datenbank mit Aufzeichnungen über stationäre Behandlungen in US-amerikanischen Krankenhäusern. Eingeschlossen wurden alle Entbindungen zwischen 2004 und 2014 bei Frauen, bei denen während der Schwangerschaft eine Anorexie diagnostiziert wurde (n=214), und bei Frauen, bei denen dies nicht der Fall war (n=9.096.574). Insgesamt ergab die Auswertung, dass Frauen mit Anorexie signifikant schlechtere Schwangerschaftsergebnisse hatten als Frauen ohne Anorexie. Darüber hinaus zeigte sich, dass diese Frauen neben ihrer Ess-Störung mit größerer Wahrscheinlichkeit ein weiteres psychiatrisches Problem hatten, Raucherinnen waren oder an einer Schilddrüsenerkrankung litten. Bei anderen Erkrankungen, die Frauen in der Schwangerschaft beeinträchtigen können, wurden keine Unterschiede festgestellt. Dazu gehörten Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Plazenta previa, postpartale Blutungen und die bakterielle Infektion Chorioamnionitis. Die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts war bei Frauen mit Anorexie nicht höher als bei Frauen ohne die Diagnose. Die Studie wies einige Einschränkungen auf, darunter die Tatsache, dass die Autoren weder den Schweregrad der Anorexie noch die Therapietreue beurteilen konnten. Eine weiterreichende Konsequenz der Ergebnisse sei, so Feferkorn, dass Frauen vor einer Fruchtbarkeitsbehandlung auf Magersucht untersucht werden sollten, was nach den derzeitigen Erkenntnissen von den meisten Ärzten nicht getan wird.
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