Antivirale Medikamente bei schwerer Influenza: Review zur Wirksamkeit18. Oktober 2024 © Sandor Kacso – stock.adobe.com (Symbolbild) Bei hospitalisierten Patienten, die an einer schweren Influenza leiden, könnten Oseltamivir und Peramivir die Dauer des Krankenhausaufenthaltes im Vergleich zur Standardbehandlung oder Placebo verkürzen. Das berichten Verfasser einer neuen Netzwerk-Metaanalyse zu antiviralen Wirkstoffen gegen Influenza. Als Publikationsstichtag setzten die Forschenden bei ihrer Suche in Literaturdatenbanken den 20.09.2023 ein. Eingeschlossen wurden Arbeiten, an denen hospitalisierte Patienten mit bestätigter Grippe teilnahmen und in denen direkt wirkende antivirale Wirkstoffe mit Placebo, der Standardbehandlung oder einem anderen antiviralen Medikament verglichen wurden. Die Autoren extrahierten paarweise unabhängig voneinander Daten zu Studien- und Patientenmerkmalen, antiviralen Merkmalen und Outcomes. Die Ergebnisse, die im Mittelpunkt der Auswertung standen, waren die Zeit bis zur Linderung der Symptome, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes, eine Aufnahme auf die Intensivstation, der Übergang zu invasiver maschineller Beatmung und deren Dauer sowie die Sterblichkeit. Außerdem wurden analysiert: der Ort, an den der Patient aus dem Krankenhaus entlassen wurde, die Entwicklung einer antiviralen Resistenz, (mit der Behandlung in Zusammenhang stehende) unerwünschte Ereignisse, und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Die Wissenschaftler identifiziert insgesamt 11.878 Datensätzen. Davon wurden nur 8 im Review und 6 in der Netzwerk-Metaanalyse berücksichtigt. Das Durchschnittsalter der 1424 Probanden in den Studien, in denen das mediane oder durchschnittliche Alter angegeben wurden, lag bei 36–60 Jahren. 43–78% der Studienteilnehmer waren Männer. Die Forschenden halten als ein Ergebnis fest, dass die Sicherheit der Evidenz der Auswirkungen von Oseltamivir, Peramivir oder Zanamivir auf die Mortalität der Patienten im Vergleich zu Placebo oder zur Standardbehandlung ohne Placebo bei saisonaler und zoonotischer Grippe als gering zu betrachten war. Im Vergleich zu Placebo oder zur Standardbehandlung fand man Evidenz von geringer Sicherheit dafür, dass sich die Dauer des Krankenhausaufenthaltes bei saisonaler Grippe bei Einsatz von Oseltamivir und Peramivir verkürzte (mittlere Differenz −1,63 Tage; 95%-KI −2,81 bis −0,45; bzw. −1,73 Tage; 95%-KI −3,33 bis −0,13). Im Vergleich zur Standardbehandlung gab es unter Oseltamivir oder Peramivir einen nur geringen oder gar keinen Unterschied bezüglich der Zeit, die bis zur Linderung der Symptome verging (mittlere Differenz 0,34 Tage; 95%-KI −0,86 bis 1,54 bzw. −0,05 Tage; 95%-KI −0,69 bis 0,59; in beiden Fällen Evidenz von geringer Sicherheit). Im Hinblick auf das Auftreten unerwünschter Ereignisse oder schwerwiegender unerwünschter Ereignisse unter Oseltamivir, Peramivir und Zanamivir fand die Arbeitsgruppe keine Unterschiede (Evidenz von sehr geringer Sicherheit). Wie sie erklärt, besteht weiterhin Unsicherheit, was die Auswirkungen antiviraler Mittel auf andere Outocomes bei Patienten mit schwerer Influenza angeht. Fazit Bei stationär behandelten Patienten mit schwerer Influenza könnten Oseltamivir und Peramivir die Dauer des Krankenhausaufenthalts im Vergleich zur Standardbehandlung oder zu Placebo verkürzen, obwohl die Beweissicherheit gering ist. Die Arbeitsgruppe resümiert, dass die Auswirkungen aller antiviralen Mittel auf die Mortalität und andere Patienten-Outcomes aufgrund der spärlichen Daten aus randomisierten kontrollierten Studien nur schwer zu beurteilen seien. (ac) Autoren: Gao Y et al. Korrespondenz: Qiukui Hao; [email protected] Studie: Antivirals for treatment of severe influenza: a systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials Quelle: Lancet 2024;404(10454):753—763. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01307-2
Mehr erfahren zu: "Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent" Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent Der GKV-Schätzerkreis hat seine Prognosen für die finanziellen Rahmenbedingungen für 2027 abgegeben. Der Bundesgesundheitsminister wertet es als Erfolg des GKV-Spargesetzes, die KBV übt daran weiter Kritik.
Mehr erfahren zu: "Die UV-GOÄ als „Fels in der Brandung“" Die UV-GOÄ als „Fels in der Brandung“ Mit der Gebührenordnung für Ärzte zum Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger (UV-GOÄ) kommt es zu deutlichen Verbesserungen für die Abrechnung arthroskopischer Operationen und der Grundleistungen.
Mehr erfahren zu: "DKOU 2026 – Kongresspräsidenten im Interview: „Versorgung vom Patienten aus denken“" DKOU 2026 – Kongresspräsidenten im Interview: „Versorgung vom Patienten aus denken“ Im Interview sprechen die drei Präsidenten des DKOU 2026 über Gesundheitspolitik, Herausforderungen für O & U und Programm-Highlights